https://www.faz.net/-gum-9c3ic

Gewürzhandel : Ein Hauch von Java an der Brenz

  • -Aktualisiert am

Ein Paar betreibt in einem bayrischen Dörfchen einen exotischen Gewürzhandel. Der Ehemann ist auf der indonesischen Insel aufgewachsen und hat eine Plantage.

          Eine Symphonie der Düfte erfüllt den hellen, vom Boden bis zur Decke weiß gekachelten Raum. Einige stechen sofort in die Nase, so intensiv und fein sind sie. Manche kennt man bereits, sie lassen einen in Erinnerung an den Lieblingsasiaten oder einen Gewürzbasar schwelgen. Im 20 Quadratmeter großen, fußbodenbeheizten Keller ihres Eigenheims im bayrischen Dörfchen Bächingen an der Brenz nahe der Baden-Württembergischen Grenze verarbeiten die Eheleute Patricia Ruf und der Gourmet Teguh Arifianto ihre Gewürze. Im Moment können sie noch nicht vom Gewürzhandel leben, sie sind beide berufstätig – er arbeitet beim Bayerischen Roten Kreuz, sie ist Zeichnerin in einem Ingenieurbüro. Ihren kleinen Laden öffnen sie deshalb nur an zwei Tagen in der Woche von 18 bis 20 Uhr, oder sie verkaufen die Gewürze über das Internet.

          In Bioqualität ohne Plastik

          Teguh stammt aus einem Dorf mit elf Häusern auf der indonesischen Insel Java, das er regelmäßig besucht. Dort hat er auf einem grün bewaldeten Hügel seine zwei Hektar große Gewürzplantage aufgebaut. „Das habe ich alles selber gemacht, mit meinen Händen.“ Die ersten Gewürze der damals 1300 Quadratmeter kleinen Plantage waren nur für den Eigenbedarf gedacht, bis ein Freund meinte: „Deine Sachen sind so gut, verkauf sie doch!“ Vor drei Jahren ließ das Paar Gewürze und Plantage bio-zertifizieren. Das Besondere? „Es gibt kein Plastik bei uns.“ Das ist auf Java außergewöhnlich, die Bewohner kennen keine Mülltrennung, geschweige denn eine richtige Müllentsorgung. „Überall dieser Dreck!“, sagt er. In seiner Heimat werde fast jedes Produkt in Plastik eingepackt. Der Verpackungsmüll lande einfach auf der Straße, oder jeder verbrennt seinen Müll selbst. Bei dem Projekt „Jawa Organik“ geht es auch um das Umdenken. Teguhs großer Wunsch ist ein sauberes Dorf. „Man muss die Mentalität ändern. An Umwelt denkt dort keiner.“ Auf seinem Grundstück hat er einen Brunnen gebaut, zu dem alle Zugang haben. Nachdem Patricia und Teguh sich den Respekt der Dorfbewohner erarbeitet hatten, bezogen sie sie ein. „Wir sind wie Familie“, sagt Teguh. An den Randstreifen darf „die Familie“ ihre eigenen Lebensmittel wie Salat oder Mais anpflanzen. Ein Herzensanliegen ist dem Paar neben dem Fortschritt der Schutz dieses Paradieses, das die Heimat des vom Aussterben bedrohten Lutung-Affen ist, der das Logo von Jawa Organik ziert. „Jedes Jahr sterben 200 bis 300 Tiere, und es gibt nur noch an die 1200 Lutungs“, erklärt Patricia.

          Dips und Tees aus dem Kellerladen

          Im Kellerladen verkauft das Paar selbstgemachte Tees, Gewürze, Gewürzmischungen, Dips, Soßenmischungen und Sambal-Ulek. Die Dips sind nach indonesischen Städten, die Tees nach Vulkanen benannt. Die Kreationen sind zumeist alte Rezepte, die Teguh neu komponiert. Die Naturprodukte werden in einem kleinen Raum, in dem 60 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen, mit einer silbernen Mühle zur Weiterverarbeitung und zum Verkauf gemahlen. Die Gewürze variieren von Jahr zu Jahr, denn Teguh betreibt Mehrfruchtanbau, jede Saison wird eine andere Pflanzenart angebaut, um den Boden qualitativ aufzubessern. Die Plantage wird von einem Inspektor regelmäßig auf Rohstoffe und Schädlinge untersucht. Um Schädlinge fernzuhalten, hat Teguh eine Mischung aus Wurzeln, Blättern und Knollen kreiert, die aus dem Wald stammen. Auch die Bewässerungsanlage oder Dünger in Form von „Häschen-Urin“ hat er sich ausgedacht. Und er hat eine Maschine zum Schneiden der frisch geernteten Produkte entwickelt. „Davor wurde alles sehr mühsam per Hand geerntet und geschnitten.“ Nach der Ernte werden die Gewürze gewaschen und für Wochen oder Monate in geflochtenen Bambusschalen von einem Meter Durchmesser an der Sonne getrocknet.

          „Die haben gedacht, ich spinne“

          Den Transport übernimmt der Träger des Dorfes. Da die Plantage nicht mit Fahrzeugen zugänglich ist, muss er die Waren bis zur einen Kilometer entfernten Straße bringen, von wo aus sie mit einem Auto zum Flughafen transportiert werden. In Zukunft sind weitere drei Hektar geplant. Schon davor gab es viele Schwierigkeiten, die nicht nur mit der Mentalität der Einheimischen zusammenhängen, die lieber mit der Hand als mit Maschinen arbeiten. Um herauszufinden, wie die verschiedenen Pflanzen auf die unterschiedlichen Wetterlagen reagieren, beobachtete Teguh die Pflanzen rund um die Uhr. „Die anderen haben gedacht, ich spinne“, lacht er. Er wünscht sich eine kleine Infrastruktur, mit Straßen, Fahrrädern und einer Kanalisation. „Aber es geht eben nur in kleinen Schritten voran.“

          Weitere Themen

          „Das wäre viel zu gefährlich“

          Wiederaufbau Notre-Dame : „Das wäre viel zu gefährlich“

          Es gibt erste Zeichen des Neubeginns aus Notre-Dame, sogar ein erster Gottesdienst fand bereits wieder statt. Ein Besuch auf der Baustelle mit der früheren Dombaumeisterin von Köln.

          Helene auf meiner Haut

          Herzblatt-Geschichten : Helene auf meiner Haut

          Sophia Thomalla hat Tattoo-Wettschulden offen, ordnet sich aber einem Mann unter. Das Schauspieler-Ehepaar Claudia Wenzel und Rüdiger Joswig hat derweil Schwierigkeiten mit historischen Daten. Die Herzblatt-Geschichten.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.