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Foodstylistin : Gerne mit Sojasoße

  • -Aktualisiert am

Inspiration nimmt sie von überall her: Die weitgereiste Schweizerin Andrea Mäusli über ihre Arbeit als Foodstylistin und den Reiz neuer Rezepte.

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          Das Arrangement erinnert an einen Tannenbaum. Satt grün gefärbte Crêpes sind geviertelt und ein bisschen versetzt aufeinandergeschichtet. Saftige, kleine Orangenschnitze, Joghurttupfen, Puderzucker, frische Heidel- und Himbeeren sind wie zufällig über die Crêpes und den Tellerrand hinaus gestreut. Der schwarze Teller lässt die Farben noch knalliger wirken. Messer und Gabel liegen goldig schimmernd daneben. Gekocht und angerichtet wurden diese Crêpes von An­drea Mäusli aus Zürich. Die intensive Farbe erhalten sie durch Matcha, ein leicht süßliches und fein gemahlenes Grüntee-Pulver. Die Aufnahmen lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Seit 15 Jahren arbeitet Andrea Mäusli als Foodstylistin, einen Großteil davon war sie selbständig. Während dieser Zeit hat sie Essen für Werbespots, Zeitschriften und Kochbücher gestylt. Zu ihrem Beruf gehört aber nicht nur das Kochen und Anrichten von Speisen, sondern auch das Kreieren von Rezepten.

          Zypern, Thailand, Honkong

          Essen spielte im Leben von Andrea Mäusli schon immer eine wichtige Rolle. „Meine Familie hat immer gerne gegessen. Bei uns war es auch wichtig, dass man am Tisch sitzt und miteinander diskutiert“, erinnert sie sich. Im Zürcher Oberland aufgewachsen, backte sie gerne. Ihre Freude am Kochen hat sie das erste Mal im Hauswirtschaftsunterricht in der Sekundarschule entwickelt. „Damals hatte ich eine großartige Lehrerin, was mich mit 16 Jahren nach meinem Schulabschluss dazu motivierte, eine Ausbildung zur Hauswirtschaftslehrerin zu machen.“ Lange blieb sie nicht in diesem Beruf, sondern zog nach Zypern, um als Reiseleiterin zu arbeiten. Später schickte ihr Arbeitgeber sie nach Thailand. „Dort habe ich auch als Reiseleiterin gearbeitet, bin zwischendurch wieder nach Hause und dann mit meinem damaligen Partner nach Hongkong gezogen, wo ich knapp drei Jahre gelebt habe.“ Dort war sie an der Deutsch-Schweizerischen Internationalen Schule Hongkong in der Administration tätig. Bis heute lässt sie sich von der asiatischen Küche inspirieren: „Sojasoße, Ingwer und Knoblauch haben einen festen Platz in meiner Küche.“ Reisen ist, auch nachdem sie wieder zurück in die Schweiz gezogen ist, eine ihrer Leidenschaften geblieben.

          Töpfe und Teller in allen möglichen Formen und Farben

          Die Möglichkeit, in einem Team zu arbeiten, und neue Herausforderungen motivierten sie, nach elf Jahren ihre Selbständigkeit aufzugeben. Zurzeit arbeitet die 42-Jährige für eine Kochzeitschrift in Aarau und wohnt in Zürich. Ihr Arbeitsplatz besteht aus einem Studio mit Küche und einem großen Fundus. Das Studio ist ein großer Raum mit hohen Decken. Mittendrin steht eine Kochinsel mit weißen Schubladen und einer anthrazitfarbenen Arbeitsfläche aus Stein. Auf der Seite und an der Decke sind weiße Leinwände montiert. Es gibt Studioleuchten. In anliegenden Räumen stehen meterlange Regale gefüllt mit Tellern, Schüsseln, Töpfen und Besteck in allen möglichen Formen und Farben. Zusätzlich sind an einer Wand riesige Türen aus Holz, großen Metallplatten, blauen, violetten oder türkisen Stoffen und andere Unterlagen aneinandergereiht, die darauf warten, dass Geschirr und Lebensmittel auf ihnen arrangiert werden.

          „Als ich noch selbständig war, hatte ich einen ganzen Keller voller Props.“ Viele dieser Requisiten hat sie ins Studio mitgenommen. Bei ihrer neuen Arbeit entwickelt sie mit einem Team Rezepte, bereitet Speisen zu und arrangiert sie. Die Aufnahmen des Endresultats werden von einem Fotografen gemacht. Inspiration nimmt sie von überall. „Von Grund auf erfindet man nichts Neues, aber wenn ich auswärts esse, habe ich Inspiration, in den Ferien, bei Freunden, aus Zeitschriften oder aus dem Internet. In manchen Projekten habe ich mit einem Team zusammengearbeitet, ein Team ist immer viel kreativer. Selbst dreht man sich im Kreis.“

          Das Jahr war ein bisschen happig

          In die Welt des Foodstylings kam An­drea Mäusli zufällig, als sie von ihrem fünfjährigen Aufenthalt in Asien zurück in die Schweiz zog. Damals wurde ihr ein Job als Requisiteurin für eine Kochsendung angeboten. Ihre Aufgaben hatten noch wenig mit Bildern von Essen zu tun. Sie bereitete die Zutaten vor, die später in der Kochsendung verarbeitet wurden. Nach einer Weile arbeitete sie sich zur Redakteurin hoch und war dadurch verantwortlich für die Zeitschrift zu der Sendung. So musste sie Rezepte verfassen und richtete die Gerichte für einen Fotografen an. „Als ich mich selbständig machte, kannte ich bereits einige Fotografen und hatte immer wieder mal Aufträge bei alten Kunden. Das Netzwerk ist fast das Wichtigste. Das erste Jahr war manchmal ein bisschen happig.“ Dennoch hat sie viele gute Erinnerungen an diese Zeit. Neben ihrer Arbeit für Werbespots und Kochshows hat sie mit Freunden ein Kochbuch über Sport und Ernährung geschrieben und für ein Magazin zusammen mit Schweizer Prominenten gekocht. „Eine Zeit lang dachten manche Leute, es wäre einfach ein komisches Hobby von mir, aber ich habe jetzt doch schon elf Jahre davon gelebt“, meint sie schmunzelnd.

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