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„Germany's Next Topmodel“ : Das große Drück-Heul-Freu-Spektakel

  • -Aktualisiert am

Tränenreich war die Urteilsverkündung in Köln Bild: dpa

Nach drei Monaten Girlscamp entschied sich bei Pro Sieben, wer dieses Jahr „Germany's Next Topmodel“ wird. Es war ein Fest der Versöhnung und der Langeweile, aber so professionell inszeniert, dass sogar Vollprofi Heidi Klum die Beine schlotterten.

          Es kann natürlich sein, dass Heidi Klum dann demnächst den Friedensnobelpreis bekommt, zusammen mit Dieter Bohlen. Für ihre Verdienste um die Kandidatenaussöhnung in deutschen Castingshow-Finals, wird die Begründung des Komitees lauten. Diese Anstrengungen sind schließlich nicht von der Hand zu weisen: Vor zwei Wochen ging „Deutschland sucht den Superstar“ mit einem Kandidatenpärchen zu Ende, das sich so gern hatte, dass vor lauter Drücken und Umarmen gerade noch so nebenbei gesungen werden konnte. Und jetzt dasselbe bei „Germany's Next Topmodel“!

          Am Donnerstagabend entschied sich in der ehemaligen Kölnarena vor rund 15.000 Zuschauern, wer Siegerin der vierten Staffel wird und bald günstige Pullover einer Modehauskette zu Werbezwecken spazieren tragen muss. Vorher allerdings versicherten sich die drei Finalistinnen Mandy, Marie und Sara noch mal, wie sehr sie sich liebgewonnen haben in Heidis dreimonatigem Girlscamp: „Du bist keine Konkurrentin mehr für mich - sondern eine gute Freundin“, sagte die eine. „Ich bin stolz, dass wir uns so gut verstehen“, jubelte die nächste. Und die dritte: „Ich wollte mich bedanken, dass du mir immer zur Seite gestanden bist.“ Hoffentlich hat die „Super-Nanny“ nicht zugesehen, sonst meldet sich die arme Frau am Montag arbeitslos.

          Mädchenknäuel nach der Verkündung

          Als zum Schluss nur noch eine übrig blieb, stürzten die übrigen 17 Kandidatinnen der zu Ende gegangenen Staffel auf die Bühne, um der 19-jährigen Sara aus München so wild zu gratulieren, dass man zuhause vor dem Fernseher ein bisschen Angst hatte, die könnten sich so sehr ineinander verhaken, dass die Feuerwehr kommen muss, um das Mädchenknäuel wieder zu entwirren. Es ging dann aber auch ohne fremde Hilfe. Und nebendran stand ja auch schon Pro-Sieben-Moderatorin Annemarie Warnkross, die im Anschluss an die Show die ersten Interviews für ihr Lifestyle-Magazin „red!“ führen wollte, das sonst Woche für Woche nach „Germany's Next Topmodel“ die vermeintlichen Höhepunkte der vorangegangenen zwei Stunden wiederholt.
          In der Live-Version funktionierte das eher mittelprächtig - obwohl Heidi Klum gleich „exklusiv“ für ein Gespräch zur Verfügung stand, in dem die wichtigste Frage geklärt werden musste: Warum Sara? „Super Figur, super Ausstrahlung - und sie ist auch noch nett dabei“, antwortete Klum gerade heraus. Ach, das wilde Topmodel-Leben.

          So sehen Gewinner aus: Für Heidi Klum war es die erfolgreichste Staffel und Sara konnte sich gegen alle Bewerber durchsetzen

          Immerhin musste sich Pro Sieben auf diese Weise die Feierlichkeiten mal nicht von Stefan Raab versauen lassen, der bis zum vergangenen Jahr die Aufgabe hatte, die Siegerin samt Jury nach der Show in „TV total“ zu empfangen und ein bisschen auszufragen. Seit es „red!“ gibt, spart sich der Sender das. Dabei war die Entspanntheit, mit der Raab das ganze Spektakel auf den Boden der Tatsachen zurückholte, meistens ganz angenehm. Promi-Reporterin Warnkross blamierte sich am Donnerstag stattdessen eine Dreiviertelstunde damit, in jedem Satz und jeder Frage alles an diesem Abend „sensationell“ zu finden: die Jury, die Kandidaten und das Publikum, das offenbar nicht aus der Halle gelassen wurde, bevor auch noch die letzte dämliche Befindlichkeitserkundigung zum zehnten Mal wiederholt worden war. Das passte wenigstens ganz gut zum Abend, an dem einfach alles „perfekt geklappt“ hat, „unglaublich toll“ war - oder zumindest „eine superschwere Entscheidung“.

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