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Gerichtshilfe : Statt ins Gefängnis zum Pfarrer

  • -Aktualisiert am

Manuela Tetzlaff arbeitet bei der Gerichtshilfe in Brandenburg. Sie betreut Menschen, die gemeinnützige Arbeit leisten müssen, wenn sie ihre Geldstrafe nicht zahlen können.

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          Zweimal laden wir die Leute schriftlich ein.“ Wenn die Einladung von Manuela Tetzlaff verschickt wird, erwartet die Empfänger kein geselliges Zusammensein bei Kaffee und Kuchen. Tetzlaff ist studierte Sozialarbeiterin und seit 20 Jahren bei den Sozialen Diensten der Justiz im Land Brandenburg tätig. Ihre Fachbereiche sind die Gerichtshilfe und die Bewährungshilfe. Kollegen kümmern sich um den sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich.

          Den Menschen, die in Tetzlaffs Büro nach Oranienburg kommen, ist eines gemeinsam: Sie haben, im Volksmund gesprochen, „etwas auf dem Kerbholz“. Erschleichen von Leistungen, Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl, leichte Körperverletzung oder Sachbeschädigung – das sind die Vergehen, mit denen Manuela Tetzlaff meist konfrontiert wird. „Genau genommen handelt es sich um Straftäter, die gegen das geltende Recht verstoßen haben. Wenn die Betroffenen zu uns kommen, sprechen wir aber üblicherweise von Klienten.“ Wegen ihres Vergehens haben sie eine Geldstrafe erhalten, sehen sich aber nicht in der Lage, diese zu bezahlen. Oft sind sie arbeitslos und verschuldet. In diesem Fall gibt es die Möglichkeit, die Strafe in Form von gemeinnütziger Arbeit abzuleisten. Die Gerichtshilfe arbeitet eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Sie wirkt gemäß Paragraph 160 der Strafprozessordnung als soziale Ermittlungshilfe für die Gerichte und Staatsanwälte mit. Wenn es jemandem nicht möglich ist, seine Geldstrafe in einem gewissen Zeitraum zu tilgen, droht die Vollstreckung der Ersatzfreiheitsstrafe. Um das zu vermeiden, steht die Gerichtshilfe als ein Angebot der Beratung den Betroffenen zur Seite.

          Sie beginnen motiviert, die Disziplin lässt rasch nach

          Im Laufe der Jahre hat Tetzlaff viele Kontakte zu Einrichtungen geknüpft, in die sie ihre Klienten zur Ableistung von Sozialstunden vermitteln kann. Geeignet sind alle Einsatzorte, die einen gemeinnützigen Charakter haben wie Sportvereine, Friedhöfe oder Seniorenheime. Auch bei Pfarrer Volker Dithmar ruft sie in regelmäßigen Abständen an. Der Geistliche nimmt das Angebot der zusätzlichen Arbeitskraft gerne an. „Wir haben ein großes Kirchengrundstück, auf dem es immer viel zu tun gibt. Da freuen wir uns, wenn jemand mit anpackt. In der Regel handelt es sich um leichte Garten- oder Aufräumarbeiten.“ Pfarrer Dithmars Erfahrung ist, dass die meisten Straftäter motiviert beginnen, doch die Disziplin schnell nachlässt. Wenn jemand gar nicht mehr zur Arbeit erscheint, hält der Pfarrer mit Tetzlaff Rücksprache.

          Einigen Klienten wird erst beim Ableisten der Strafe bewusst, wie lange sie brauchen, um zum Beispiel 450 Stunden abzuarbeiten. Das kann sich über Monate hinziehen. Die Höhe der abzuleistenden Stunden richtet sich nach der begangenen Straftat. Im Strafrecht gibt es, anders als beim Bußgeldkatalog, keine Festlegung der Höhe einer Geldstrafe. Daher werden die Strafen in Tagessätzen verhängt. Je schwerwiegender die Tat ist, desto mehr Tagessätze werden verordnet. Die Tagessatzhöhe wiederum hängt vom jeweiligen Einkommen und von den wirtschaftlichen Verhältnissen des Straftäters ab. Ein Tagessatz entspricht in der Regel sechs Stunden gemeinnütziger Arbeit.

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