https://www.faz.net/-gum-9160k

Generationenhaus : Manchmal springt eine 90-Jährige Trampolin

  • -Aktualisiert am

Langeweile ist zum Fremdwort geworden

Die Kinder lernen schon früh den respektvollen Umgang mit der älteren Generation. Bewegung ist ein weiteres Schlüsselwort im Generationenhaus. Denn Bewegung schafft Begegnungen. „Wir versuchen, die Bewohner des Alters- und Pflegeheims aktiv zu halten und sie überall miteinzubeziehen“, sagt Mitarbeiter Steven Kotopoulis. Sie helfen zum Beispiel im Winter beim Salzstreuen mit, indem sie die schweren Salzsäcke auf ihren Rollator packen und transportieren. Oder diejenigen, die noch gut zu Fuß sind, bringen den pflegebedürftigeren Bewohnern jeden Morgen das Frühstück ins Obergeschoss. Eine dieser „Kellner und Kellnerinnen“ ist Elisabeth Keller. „Durch diese Aufgabe beginnt für mich jeder Tag sinnvoll“, erzählt sie. „Ich bin so froh, im Generationenhaus leben zu dürfen, die Leute sind alle so nett, das Essen schmeckt immer hervorragend, und Langeweile ist mir hier zum Fremdwort geworden.“ Auch das Zusammenleben mit den Kindern mag Keller: „Kinder habe ich einfach schrecklich gerne. Leider bin ich schon zu alt, sonst hätte ich heute noch welche“, witzelt die 90-Jährige. Die Kleinen schätzen ihrerseits „Oma“ Keller als passionierte Geschichtenerzählerin.

Treppenlaufen soll die Sturzrate senken

Ein weiteres Ziel, das sich das Personal des Generationenhauses gesteckt hat, ist die Reduktion der Anzahl der Stürze, eine große Problematik im hohen Alter. Zur Folge haben solche Stürze oft schwere Verletzungen und hohe Kosten. Deshalb führte das Team vor drei Jahren das Antisturzprogramm ein: mittels Balance-, Kraft- und Gelenkübungen durch Gymnastik und Treppenlaufen soll die Sturzrate gesenkt werden. Und dies mit Erfolg: Seit der Einführung des Programms stürzen die Bewohner nur noch halb so oft, die Medikamentenmenge konnte erheblich gesenkt werden. Das Haus ist eine lernende Institution und entwickelt sich ständig weiter.

Auf dem Rollator zur Caféteria kutschiert

Obwohl das Gebäude an der Holeestrasse 119 weniger als halb so alt ist wie die meisten der Bewohner, sind ein Abriss und ein Neubau in Planung. Es wird in Etappen gebaut. So müssen weder die Kinder noch die Bewohner verlegt werden. Das Generationenhaus soll größer werden, damit sowohl die Kinder mit ihren Spielgeräten als auch die Bewohner mit ihren Rollatoren größere Runden drehen können. Neu dazu kommen ein Restaurant, Alterswohnungen, ein Wellnessbereich und ein Kindergarten. Ebenfalls geplant ist, dass es auf jedem einzelnen Geschoss eine Kita-Gruppe und Wohnbereiche für die Bewohner geben wird. „Wir wollen noch mehr spontane Begegnungen schaffen“, sagt Steven Kotopoulis. Gerade fahren zwei lachende Kinder vorbei: Sie sitzen auf dem Rollator einer Bewohnerin und werden zur Cafeteria kutschiert. Die Situation spricht für sich: Herzlichkeit, Respekt und Spaß für Alt und Jung.

Weitere Themen

Topmeldungen

Eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach wird mit einer Flüssiggasheizung kombiniert.

Nachhaltig Wohnen : Unruhe unter Dämmern

Die Dämmstoffindustrie ist alarmiert. Bauminister rücken von der einseitigen Ausrichtung an der Gebäudedämmung ab. Die Koalitionäre in Berlin sprechen von technologieoffenen Maßnahmen. Ein Paradigmenwechsel steht an.
              Bald in der Luftwaffe? Eine amerikanische F-18 beim Katapultstart vom Flugzeugträger USS Carl Vinson

Nukleare Teilhabe : Poker um den Atom-Bomber

Nach der Einigung im Koalitionsvertrag muss entschieden werden: Sollen amerikanische Bomber oder deutsche Eurofighter in Zukunft die nukleare Teilhabe sichern?
Demonstranten knien in Frankfurt vor einer Polizeikette

Impfgegner und Anthroposophie : Höhere Einsichten dank Rudolf Steiner?

Nach eigener Einschätzung verfügen sie über Spezialwissen, das allen anderen abgeht. Die Milieus der Anthroposophen und der „Querdenker“ haben viele Berührungspunkte. In der Pandemie macht das vieles schwerer.