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Gehegebau im Zoo : Elefanten auf der Autobahn

  • -Aktualisiert am

Der Berliner Tierpark baut ein neues Gehege und das ist aufwendig. Denn die Elefanten müssen per Kran und Container umziehen und vor allen in ihrem sozialen Gefügen bleiben.

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          Giraffen, Tiger, Bären, Kräne und Bagger. An allem eilt Mario Hammerschmidt mit schnellen Schritten vorbei. Der 41-Jährige ist unterwegs zum Alfred-Brehm-Haus, das zur Tropenwelt des Berliner Tierparks gehört. Normalerweise arbeitet er als Tierpfleger für und mit den Elefanten. Doch wo sich diese tonnenschweren Dickhäuter üblicherweise befinden, ist nun eine Baustelle, voll mit Baggern und Kränen: Außengehege und Innenbereich des Elefantenhauses werden umgebaut. Seit vergangenem Sommer wird dauerhaft gearbeitet. Ziel ist es, ein größeres Gehege für die riesigen Tiere zu schaffen, und vor allem eins, das ihrer Heimat, der afrikanischen Savanne, näherkommt. 2018 wurde beschlossen, dass die Tiere eine artgerechtere Haltung bekommen sollen. Zum anderen dient der Umbau dazu, die Elefanten besser darzustellen und ein besseres Bewusstsein für die Natur bei den Besuchern zu schaffen. „Etwa alle 25 Jahre gibt es neue Haltungsansätze für die Tiere. Um diese neuen Standards zu erfüllen, wurde der Bau geplant“, berichtet Mario Hammerschmidt.

          Vielen fehlt es an Kapazitäten

          Das erfordert hohen Aufwand. Nachdem die Finanzierung durch öffentliche Gelder geregelt war, begann die eigentliche Arbeit. „Um den Umbau durchzuführen, war es notwendig, alle Tiere, die sich zuvor im Elefantenhaus befanden, fortzuschaffen. Darunter waren afrikanische und asiatische Elefanten, Nashörner sowie Seekühe. Da viele Zoos nicht die Kapazitäten haben, zum Beispiel fünf neue Elefanten aufzunehmen, musste genauestens geplant werden, wohin diese verteilt werden. Schwierig wurde das dadurch, dass Elefanten in ihren sozialen Gefügen bleiben müssen. Sie können nicht einfach so auseinandergerissen werden.“

          Dann stand der Transport der Riesen an. Darauf müssen sie monatelang vorbereitet werden. Man bindet die Elefanten fest und gibt ihnen zur Belohnung etwas Leckeres wie Brot oder Bananen. Die zwei Minuten werden von Tag zu Tag gesteigert. Man hofft, dass die Elefanten es am Ende schaffen. Zusätzlich erhalten sie eine leichte Narkose, die eine Panik verhindern soll. Die Dosierung ist schwierig, die Tiere dürfen sich auf dem Transport nicht verletzen und müssen Lenkbewegungen entgegenwirken können. Meist sind zwei bis fünf Tiere in dem umgebauten Schiffscontainer, es gibt eine Heizung, eine Kamera, Futterluken und Wasser. Mit Hilfe eines Krans werden die Tiere in die Container gehoben und über die Autobahn in ihr neues Zuhause geschafft.

          Die Pfleger vermissen diese Nähe

          Die ersten Arbeitstage ohne Elefanten waren schwierig. Mario Hammerschmidt ist nun als Leiter im Alfred-Brehm-Haus in der Tropenwelt eingesetzt. Dort leben von Vögeln über Krokodile bis hin zu Tigern alle möglichen Tierarten. Für den Pfleger ist das eine große Umstellung, da man hier nicht mit den Tieren arbeite, sondern für die Tiere. „Das Besondere bei der Elefantenbetreuung ist die spezielle Nähe zu ihnen. Wir, die Pfleger, trainieren, waschen und beschäftigen die Tiere und ziehen dazu auch noch ihre Jungen auf. Dies findet man bei den anderen Tierarten oft nicht in dieser Art und Weise vor.“ Das sei erst mal eine große Umstellung für ihn gewesen. Hinzu kommt ein weiterer Wechsel. Die Elefantenpfleger waren ausschließlich Männer im selben Alter, mit ähnlichen Charakteren. Nun zählen jüngere und ältere Frauen und Männer zu seinen Kollegen. Dadurch herrsche eine ganz andere Arbeitsdynamik, an die man sich zuerst gewöhnen müsse. Mittlerweile kehre Routine ein. Im Sommer 2022 werden in der neuen „Savanne“ ausschließlich afrikanische Elefanten leben. Und die Tierpfleger können zu ihrem gewohnten Arbeitsort zurückkehren.

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