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Freiwilligendienst : Verwende deine Jugend

  • -Aktualisiert am

Eine Freiwillige betreut Kinder aus einem Kinderdorf der Jesuitenmission in Makumbi, Zimbabwe Bild: Jesuitenmission

Wo ein Freiwilliger ist, ist auch ein Weg: Immer mehr junge Erwachsene reisen zum Freiwilligendienst ins Ausland. Sie wollen Erfahrungen sammeln, die Welt sehen, manche möchten dieselbe gleich retten. Aber kommt Gutes tun wirklich immer gut an?

          „Ich wollte nach dem Abitur in ein Entwicklungsland gehen“, sagt Theo Starck.Die Theorie aus der Schule reichte ihm nicht. 2009 machte er in Berlin das Abitur. Er bewarb sich bei „weltwärts“, dem Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). „Ich hatte hohe Erwartungen an meine Tätigkeit, ich wollte, dass die bei den Menschen ankommt und keine Beschäftigungstherapie ist“, sagt Starck. Wichtig für ihn war, dass in dem Land Englisch gesprochen wird, daher entschied er sich für die Philippinen.

          Freiwilligendienste im Ausland sind gefragt: Junge Leute wollen nach der Schule reisen, Abenteuer erleben - und wie Theo Starck oft dabei etwas Gutes tun. „Die größte Motivation der jungen Erwachsenen sind Fortbildung, Abenteuerlust und Horizonterweiterung“, sagt Robert Helm-Pleuger, Eurodesk-Projektkoordinator der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland (IJAB). Er rät, sich bereits ein Jahr vor dem Schulabschluss zu informieren, welche Programme infrage kommen: „Je früher man sich informiert über die Möglichkeiten, desto höhere Chancen hat man, das Passende zu bekommen.“

          Fast 10.000 Freiwillige haben Organisationen 2009 ins Ausland vermittelt

          Man kann zwei Arten von Freiwilligendiensten unterscheiden: Geregelte Dienste werden meistens mit öffentlichen Mitteln gefördert und unterliegen gesetzlichen Richtlinien, wie etwa der Europäische Freiwilligendienst, das Freiwillige Soziale bzw. Ökologische Jahr oder weltwärts. Freiwilligendienste auf privatrechtlicher Basis werden nicht öffentlich gefördert; hier schließen der Freiwillige und die Vermittlungsorganisation einen Vertrag, beispielsweise für Workcamps oder kirchliche Freiwilligendienste. Der Anteil der jungen Erwachsenen, die über geregelte Freiwilligendienste ins Ausland gehen, hat sich seit 2004 mehr als verdreifacht (1829 Teilnehmer waren es 2004, 5705 im Jahr 2009), so die Studie „Freiwillige in internationalen Freiwilligendiensten“ des Arbeitskreises Lernen und Helfen in Übersee (AKLHÜ), die im Oktober 2010 veröffentlicht wurde.

          131 Freiwilligendienste gaben Auskunft, etwa über Dienstarten, Einsatzfelder, Altersdurchschnitt, Bildungsabschluss und den Anteil von Frauen. Im Jahr 2009 wurden 9382 Freiwillige von den Organisationen ins Ausland vermittelt, davon 61 Prozent über geregelte Freiwilligendienste. Zum Vergleich: 2004 wurden 5937 Freiwillige vermittelt. Der Altersdurchschnitt in den geregelten Programmen liegt bei 20, bei den privatrechtlichen Programmen bei 22 Jahren. Generell hat die Mehrzahl der Teilnehmenden Abitur; bei fast allen Programmen liegt der Anteil der Frauen bei über 50 Prozent, mit Ausnahme des Freiwilligen Sozialen Jahres (21 Prozent Frauen). Die meisten Einsätze fanden in Europa statt; 55 Prozent aller Freiwilligen gingen in Entwicklungs- oder Schwellenländer, so die Studie des AKLHÜ.

          Anderen Kulturen begegnen und die Persönlichkeit entwickeln

          Der Zuwachs an Freiwilligen im Ausland ist auch durch die Einführung von weltwärts 2008 zu erklären: „2009 waren 3800 junge Menschen mit weltwärts im Ausland, 2010 schon 4500“, sagt Sebastian Lesch, Pressesprecher des BMZ. Mit 30 Millionen Euro fördert das BMZ in diesem Jahr den Freiwilligendienst. Die beliebtesten Zielgebiete sind Asien, Afrika und Lateinamerika; nach Osteuropa oder Südosteuropa wollen nur wenige. Ob durch die Abschaffung des Wehrdienstes die Bewerberzahlen steigen, wisse man nicht, sagt Lesch. weltwärts wird nun zum Ende der dreijährigen Pilotphase evaluiert, dafür werden Entsendeorganisationen, Teilnehmer und Partnerorganisationen befragt. Die Ergebnisse sollen im Spätsommer vorliegen.

          Freiwilligendienste sind in den vergangenen Jahren immer wieder kritisiert worden: Vor allem die bereits gut Gebildeten würden die Programme in Anspruch nehmen, die jungen Leute würden nicht anderen, sondern vor allem sich selbst helfen, die Freiwilligen würden in Konkurrenz zu professionellen Entwicklungshelfern treten, und die meisten Programme böten keine Möglichkeit für Ausländer, Freiwilligendienst in Deutschland zu leisten (“Reverse-Programme“). Für das BMZ geht es bei den Freiwilligendiensten um die „Begegnung mit anderen Kulturen und Persönlichkeitsentwicklung“, nicht um Expertentum, sagt Pressesprecher Sebastian Lesch: „Die Jugendlichen bringen sich mit ihrer Tatkraft ein.“ Eine Überforderung der jungen Erwachsenen befürchtet er nicht: „weltwärts ist kein Vollkaskoprogramm. Man muss sich prüfen, ob man das möchte, und bewusst entscheiden.“

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