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Frankfurter Grüne Soße : Grie Soß exotisch oder traditionell nach Goethe

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Wie eine Soße eine Stadt verbindet: Das Leibgericht des Dichters stiftet heute noch Begegnungen in Frankfurt

          2 Min.

          Grün, grün, grün ist alles, was ich esse“, summt Nils Friske, während er QR-Codes einscannt. Nils ist einer von neun Schülern des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums, die an verschiedenen Standpunkten der Frankfurter Innenstadt den Besuchern des Grüne-Soße-Festivals mit Rat und Tat zur Seite stehen, indem sie insbesondere älteren Besuchern bei der Registrierung ihrer QR-Codes behilflich sind und als laufende Programmhefte auf die Vielzahl an Aktivitäten rund um die „Grie Soß“ hinweisen. Einer dieser Standpunkte ist der Roßmarkt in der Frankfurter Innenstadt. Zur Mittagszeit haben hier die Besucher die Qual der Wahl: Von italienischem Gelato über orientalische Falafeln bis hin zu atemberaubenden japanischen Sushi-Kreationen reicht das breite Spektrum an Speisen, die alle die Grüne Soße als festen Bestandteil implementiert haben. Wie es sich für wahre Grüne-Soße-Fans gehört, wippen auch die brasilianische Touristin Angela Frondeíra und Deutsch-Portugiesin Almut Männel bei einer Kugel Grüne-Soße-Eis im lateinamerikanischen Rhythmus des zweifachen Grammy-Preisträgers Ivan Santos mit dem Fuß mit. Dabei gesteht Almut Männel schmunzelnd: „Immer, wenn ich nach Deutschland komme und in Frankfurt bin, esse ich Grüne Soße nach Goethe-Art.“ Frankfurter Grüne Soße ist der Legende nach das Leibgericht des Frankfurter Dichters gewesen. Dieses Gericht ließ Goethe mit hart gekochten Eiern und Pellkartoffeln servieren. Goethes Gusto erfreute sich einer solch hohen Popularität und Beliebtheit, dass die Grüne Soße kurzerhand zum Frankfurter Leibgericht gekürt wurde.

          Sieben Kräuter im Eis

          Am Roßmarkt wird Almut Männel auch diese Möglichkeit geboten, denn neben etlichen exotischen Kreationen mit dem Frankfurter Leibgericht gibt es selbstverständlich die traditionellen Varianten mit Eiern, Kartoffeln und Tafelspitz. Natürlich sind Angela Frondeíra und Almut Männel bei weitem nicht die einzigen Besucher, die dem Eis mit dem süßlichen Vanillegeschmack und den sieben würzigen Kräutern nicht widerstehen können. Alt wie Jung versammeln sich neugierig in Scharen um den kleinen Eiswagen und zeigen bereits nach der ersten Kostprobe mit dem Daumen nach oben. Fein zerkleinerter Kerbel, Sauerampfer, Borretsch und Schnittlauch vermengt mit frischer Pimpinelle, Petersilie und Kresse umhüllen die intensive, aromatische Vanille und genau diese süßlich-würzige Kombination lässt manch ein Gourmet-Herz höher schlagen. Der aufgeheiterten Stimmung können auch dunkle Wolken am Himmel und erste Regentropfen keinen Strich durch die Rechnung machen. Mit den Double Dylans und zahlreichen Gute-Laune-Songs rund um die Grüne Soße kann zwar keinen trüben Wetteraussichten entgegengewirkt werden, wohl aber den trüben Gesichtern der Besucher.Das musikalische Beisammensein sowie das vielfältige Angebot an internationalen Gerichten in Kombination mit dem Frankfurter Leibgericht spiegeln das Wirken vereinter Kräfte einer multikulturellen Metropole und ihre gemeinsame Identifikation mit dem Wahrzeichen ihrer Stadt wider. Aus diesem Grund ist das seit 2008 jedes Jahr im Mai stattfindende Grüne Soße Festival nicht nur die ideale Gelegenheit, seinen Gaumen zu erfreuen, sondern viel mehr: Es ist eine Veranstaltung, die nicht nur das traditionelle Frankfurt mit all seinen Nationalitäten verschmelzen lässt, sondern auch eine Veranstaltung, die junge und alte Gäste, Touristen und Einheimische, Organisatoren und Besucher verbindet und sie in Dialog treten lässt. Das diesjährige Grüne-Soße-Festival hat zudem Frankfurt die Möglichkeit geboten, einen Weltrekord aufzustellen. Rund 231 775 Portionen Grüne Soße hätten dafür verspeist werden müssen. Auch wenn der Weltrekordversuch mit 181 096 dokumentierten Portionen gescheitert ist, ist sich das Helferteam des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums einig: „Unsere Grie Soß verbindet unsere Stadt. Das ist das, was im Endeffekt wirklich zählt.“

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