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Frankfurt-Touristen : Sightseeing in Sportschuhen

  • -Aktualisiert am

Tim Gondorf steht auf dem Eisernen Steg in Frankfurt am Main (Foto vom 11.02.2009). Bild: dpa

Ein sportlicher Unternehmer und Trainer erkundet mit Touristen Frankfurt joggend. Die informativen Runden sind längst auch bei Einheimischen beliebt.

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          Frankfurt Innenstadt, Sachsenhausen, der Geräuschpegel alltäglich laut. Reger Berufsverkehr hält die Stadt in Atem. Essenslieferanten schlängeln sich zwischen den Autos, Transporter versperren die Sicht auf Ampeln, Busse versuchen an der Baustelle vorbeizukommen. Es geht weder vor- noch rückwärts. Zu Fuß ist hier jeder schneller. Mittendrin, völlig gelassen und vor Energie nur so sprühend: Tim Gondorf, Jahrgang 1976, braune Haare, braune Augen, sympathisches Lächeln, Körperfettanteil konvergiert gegen null. Der Sportwissenschaftler ist das Gesicht hinter „Sightjogging Frankfurt am Main“. In geführten Lauftouren können einzelne Kunden bis hin zu kleineren Gruppen Frankfurt sportlich erleben. Diese Idee kombiniert informationsreiches Sightseeing mit effektivem Training.

          Für sportliche Geschäftsreisende

          Entwickelt wurde das Konzept ursprünglich für Geschäftsreisende, die für eine Nacht in der Stadt bleiben, allerdings nicht auf ihren Sport verzichten und in ihrer kurzen freien Zeit etwas über die Stadt erfahren möchten. „Es war angedacht, dass ich die Leute in ihrer Pause oder abends am Hotel abhole und sie nach der Tour wieder zurück ins Hotel bringe“, erklärt Gondorf. Mittlerweile hielten sich Touristen und Einheimische aber die Waage. Besonders beliebt seien die Touren als Geschenk. „Mann und Frau sind seit Ewigkeiten zusammen, und er ist begeisterter Läufer. Dann bekommt er eben eine Runde Joggen zum Geburtstag geschenkt.“ Freude hätten dann alle. Statt Schweiß und Wissen steht der Spaßfaktor an erster Stelle. „Hier wird niemand durch Frankfurt gehetzt“, lacht der dreifache Iron-Man-Finisher. Das Museumsufer verlassend, nimmt er Kurs auf das Messegelände. Bockenheim zieht an ihm vorbei.

          Extrarunde für besonders Schnelle

          Jede Tour wird individuell an die Wünsche des Kunden angepasst. Läuft dieser doch schneller als gedacht, wird eine Extrarunde gedreht. Tim Gondorf hat vor zehn Jahren sein Hobby zum Nebenberuf gemacht. Ein Artikel über Sightjogging in New York inspirierte den bis dato als Personal Trainer Arbeitenden. Mittlerweile ist die Alte Oper erreicht. Das mediale Interesse an den sportlichen Stadtführungen war riesig. Insbesondere Hotels, die mit Flyern in den Zimmern werben, seien gute Partner. Das Grundwissen für die touristische Führung hat sich Gondorf angelesen. Ihm ist wichtig, dass er nicht nur historisches Wissen, sondern auch das Flair sowie die Sicht der Einheimischen auf die Metropole vermittelt, auch auf Französisch oder Englisch. Bulle und Bär am Börsenplatz grüßend, erzählt er gerne, wie viele Besucher zum Museumsuferfest kommen oder dass der Westhafen Tower einem „Gerippten“, dem typischen Apfelweinglas, nachgebildet ist. Nicht nur die Kunden lernen dazu. „Ich wusste nicht, dass für das Dach der Paulskirche bei dem Wiederaufbau aus Kostengründen Material von abgestürzten Flugzeugen genutzt wurde.“

          In der Freizeit läuft er mit Hörbuch

          Gondorf, der auch als Dozent für die Ausbildung anderer Trainer tätig ist, kann sich nicht vorstellen, täglich acht Stunden im Büro zu sitzen. Zudem sei das Eis zwischen Trainer und Kunden schnell gebrochen, das Hobby verbinde. Gondorfs Laufpensum beträgt in der Woche 50 bis 100 Kilometer. Dazu kommen die Personal-Training-Stunden. Auch in der Auszeit treibt er Sport. „Ja, das ist wirklich so.“ Er lacht. „Das Training ist doch immer mehr Geben als Nehmen. Dann brauche ich auch mal etwas Zeit für mich, um vielleicht mit einem Hörbuch joggen zu gehen. Oder um noch mal richtig Gas zu geben.“ Mit langsamer werdendem Schritt erreicht er wieder Sachsenhausen. „Einmal habe ich eine Tour geführt für eine Handballdamenmannschaft, die in der Stadt war, um ihren Meisterschaftstitel zu feiern. Solche Momente wie diese, in denen man mit einem Tross an aufgedrehten Sportlern durch die Innenstadt läuft, sind einzigartig.“

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