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Food-Bloggen : Großer Auftritt für Omas Gerichte

  • -Aktualisiert am

Nicht nur für Ina Speck ist klar: Food-Bloggen ist ein Beruf. Mal einen Topf Bolognese kochen, das reicht nicht. Dank der Blogs entdecken junge Leute das Kochen

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          The Salty Marshmallow“ in den Vereinigten Staaten, „Mon Petit Four“ aus Frankreich und „Sal-lystortenwelt“: Jeder Food-Blog hat seine Eigenheiten. So können auf dem einen riesige Motivtorten betrachten werden, die wie eine Eule oder ein Baumstrunk aussehen, und auf anderen Blogs Bilder von herzhaftem Blumenkohl-Auflauf oder Spinat-Artischocken- Dip. Eine begabte Food-Bloggerin ist Ina Speck aus Kiel. Auf ihrer Instagram-Seite sind ein paar wenige Bilder von ihr selbst zu sehen, wobei sie beispielsweise im blauen Jeanskleid in der Küche steht. Hauptsächlich aber können ästhetisch hergerichtete Essensbilder betrachtet werden. Eine blau-weiße Serviette, darauf frisch gebackene Silserbrötchen, Schokoladenmousse im Halloween-Style, ein Kirschkuchen garniert mit roter Konfitüre oder Pfirsich-Maracuja-Likör präsentiert im Einmachglas. All dies passend angerichtet auf Platten, Schüsseln oder essbaren Accessoires. Die Bloggerin schreibt via Mail, unter anderem dass sie mit Vorliebe Gerichte ihrer Oma kocht. Speck nennt ihren Account auf Instagram „inaisst“. Der zierlichen Frau wurde vor vier Jahren der Food Blog Award für das beste „Food Picture“ verliehen.

          Einspeisen in sozialen Medien

          Die studierte Architektin, die ihren Instagram-Account 2015 gegründet hat, arbeitet freiberuflich als Stylistin und Food-Fotografin. Diesen Tätigkeiten kann Speck von zu Hause aus nachgehen und sich mit ihrem Blog selbst verwirklichen, Zudem passt die Arbeit von Speck bestens zu ihrem Leben, das sie alle sechs Monate zwischen Deutschland und Ottawa wechselt. Die 31-Jährige betreibt neben dem sozialen Medium Instagram eben auch einen Food-Blog im Internet, mit dem sie ihr Leben finanzieren kann. „Meine Website ist die Basis meiner Arbeit. Hier veröffentliche ich die Bilder und Rezepte zuerst, die ich dann in sozialen Medien wie zum Beispiel Instagram einspeise“, sagt die reiselustige Frau mit ihren strahlend blauen Augen. Klar ist für Speck aber, dass Food-Bloggen ein Beruf ist. „Food-Bloggen bedeutet nicht nur, dass man in der Küche steht und einfach mal einen Topf Bolognese kocht. Hinter den Kulissen bedarf es der Akquise, des kreativen Feelings und natürlich auch einer Buchhaltung – wie in vielen anderen Berufen auch.“ Für ihre Website wendet die Bloggerin mit den auffallenden, voluminösen roten Haaren für einen Beitrag fünf bis sechs Stunden auf. Der Instagram-Beitrag ist dann nur ein Teaser für ihre Seite im Netz. Deshalb gibt es auch Unterschiede beim Zielpublikum der beiden Seiten.

          Worin sich vortrefflich schmökern lässt

          Während ihre Website inaisst.de mehrheitlich von etwas älteren Personen oder Kochinteressierten besucht wird, sind ihre Instagram-Abonnenten eher an den visuellen Reizen ihrer Beiträge interessiert, stellt die Kaffeeliebhaberin lächelnd fest. Zudem sind vor allem junge Menschen auf Instagram aktiv. Gerade wegen dieser Verschiedenheiten der Konsumenten pflegen viele Food-Blogger sowohl eine Website wie auch einen Instagram-Account. Ob Bücher in unserem Zeitalter veraltet sind, ist ein immer wieder aufkommendes Thema. Diese Frage kann man auch bei Koch- und Backbüchern stellen. „Ich sehe Food-Blogs als eine schöne Ergänzung, aber ein gedrucktes Buch wird es meiner Meinung nach weiterhin geben“, sagt Ina Speck. Auf einem Blog ein Rezept nachzuschauen ist praktisch, besonders wenn man gerade kein Kochbuch zur Hand hat. Andere genießen jedoch den Umgang mit einem richtigen Buch, weil sich darin vortrefflich schmökern lässt. In Buchhandlungen finden sich auch Back- und Kochbücher erfolgreicher Food-Blogger. Die knapp 6300 Abonnenten schwere Food-Bloggerin lässt sich für ihre neuen Posts auf ihrem Food-Blog unter anderem ebenfalls beim Stöbern durch Kochbücher inspirieren. „Ich denke, das Thema Kochen und Backen ist in den letzten Jahren ein Trend geworden, der durch die sozialen Medien natürlich auch an ein junges Publikum herangetragen wurde“, bemerkt die lebensfrohe Bolognese-Liebhaberin, die privat halbjährlich in Ottawa lebt. Diese Blogs zeigen, wie einfach es ist, sich selbst etwas Leckeres und Gesundes zu kochen. Fertigpizza oder Lieferservice seien also nicht nötig.

          Mehr Wert auf fleischlose Gerichte

          Natürlich spielt auch das Geld eine Rolle. Dies verschafft dem Food-Blog im Vergleich zum Kochbuch gerade bei jüngeren Leuten einen Vorteil. Ein weiterer Faktor, der das Kochinteresse des jungen Publikums steigert, sind die vielen Trends, die es in der Essenswelt gibt. Ob es sich dabei um Gerichte aus der Lieblingsfernsehserie, den berühmten Bubble Tea aus Asien oder Cronuts, die ihren Ursprung in New York fanden, handelt, Rezepte auf Food-Blogs findet man zu allem. Hinzu kommt, dass immer mehr Teenager Wert auf gesundes Essen und Gerichte ohne Fleisch legen. Auch dafür werden immer wieder neue Entdeckungen gemacht, wie beispielsweise die gehypten Chia-Samen, Quinoa oder die Fleisch ersetzende Jackfrucht. Food-Blogs lassen solche Trends auf der ganzen Welt aufkommen, die neuen Rezepte verbreiten sich rasch. Die junge Generation hat das Kochen und Backen dank Food-Blogs für sich entdeckt.

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