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Flying Doctor : Notfälle im Outback

  • -Aktualisiert am

Bild: Andrea Koopmann

Der Münchener Arzt Giselher Brand durfte in Australien als Royal Flying Doctor helfen. Er flog zu entlegenen Ambulanzen und Unfällen.

          4 Min.

          Hektik bricht aus auf den Gängen der Ambulanz des Royal Flying Doctor Service in Broken Hill im australischen Outback. Der junge deutsche Arzt Giselher Brand läuft zu dem abflugbereiten Flugzeug, der Rest der Crew wartet schon ungeduldig auf ihn. Im Laufschritt schnappt er sich seinen Arztkoffer und springt in das Flugzeug, das sofort zur Startbahn rollt. Normalerweise gibt es so viel Action nur in Hollywood, doch während seiner Zeit bei den Royal Flying Doctors im Jahr 1979 hat Brand solche Einsätze hautnah miterlebt. Heute beschreibt er es als das Abenteuer seines Lebens, und seine zahlreichen Erlebnisse gehen ihm immer noch oft durch den Kopf. Der inzwischen weißhaarige 63-jährige Arzt mit kölnischem Akzent erzählt bereitwillig von seiner ereignisreichen Zeit in Australien.

          Mit 27 Jahren in die Klinik nach Sydney

          Schon als Kind wollte er immer den fünften Kontinent entdecken. Nach seiner Promotion bekam er dann die Möglichkeit, in Australien zu arbeiten. Mit 27 Jahren ging es für den Arzt nach Australien, wo er die ersten vier Wochen in einer Klinik in Sydney arbeitete. Als er sich während der Zeit beim Royal Flying Doctor Service of Australia vorstellte, wurde er dort ausgelacht. Der Royal Flying Doctor Service of Australia ist eine gemeinnützige Institution, die den Menschen im dünnbesiedelten australischen Outback mit Hilfe von Flugzeugen ärztliche Versorgung bietet. Man sagte ihm, dass die Royal Flying Doctors auf drei Jahre ausgebucht seien und er als Ausländer sowieso keine Chance habe.

          Während einer Unterhaltung mit seinem Chefarzt einige Tage später war ihm die Enttäuschung noch deutlich anzumerken. Als dieser ihn fragte, was los sei, erzählte ihm der junge Arzt bedrückt von den deprimierenden Neuigkeiten. Der Chefarzt nickte nur und nahm ihn mit in sein Büro. „Ich bin dann ahnungslos hinter ihm hergelaufen. In seinem Büro angekommen, hat der Chefarzt die Füße auf den Tisch gelegt und seinen Bekannten Bob angerufen. Bob stellte sich als Chef der Royal Flying Doctors heraus. Dann konnte ich innerhalb einer Woche dort anfangen.“ Der frisch promovierte Arzt konnte sein Glück kaum fassen. Sieben Tage später ging es von Sydney nach Broken Hill zu einer der vielen Ambulanzen, wo er der erste deutsche Mitarbeiter des Royal Flying Doctor Service of Australia wurde.

          An den Brücken kracht es häufig

          Einen Monat lang arbeitete er als Flying Doctor. Wenn es keine Notfälle gab, ist er mit dem Flugzeug zu den verschiedenen Ambulanzen in ganz Australien geflogen. „Meistens waren das kleine Häuschen, wo die Schwestern die Patienten versorgten und einmal in der Woche der Flying Doctor vorbeikam.“ Bei den Notfällen handelte es sich häufig um Autounfälle auf den Country Roads. Im Winter werden diese von kleinen Bächen überschwemmt und müssen durch behelfsmäßige Brücken passierbar gemacht werden. Da die Autofahrer von beiden Brückenseiten ständig versuchen, zuerst loszufahren, kracht es häufig. Die Flying Doctors nutzten die Country Roads als Landebahn und landeten wenige Meter vor dem Unfallort. Dort angekommen, wurden die Patienten versorgt und gegebenenfalls direkt ins Flugzeug geladen, das oft sogar besser als ein Krankenwagen ausgestattet ist. Danach ging es meist ins nächste Krankenhaus, während der Flying Doctor in dem fliegenden Behandlungszimmer schon die ersten Behandlungsschritte einleitete. Für den abenteuerlustigen Arzt war dies ein willkommenes Kontrastprogramm zum wenig abwechslungsreichen Klinikalltag.

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