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Ferienhelfer : Hartes Buckeln ohne Murren

  • -Aktualisiert am

Bild: Christopher Fellehner

Heuen am steilen Hang im Vinschgau: Wenn Bauern in Südtirol ihre Arbeit allein nicht stemmen können, dann springen Freiwillige für sie ein, alte wie junge.

          Die Mittagssonne prallt vom Himmel, und der Schweiß rinnt ihnen über die Stirn. Sie sind zu acht und haben an diesem Samstag schon viel erlebt. Frühmorgens sind sie aufgebrochen und mit dem Auto rund 20 Minuten bis zu einem Bergbauernhof mitten im Vinschgau im Westen Südtirols gefahren, wo sie bereits herzlich erwartet wurden. Nachdem sich die achtköpfige Gruppe, allesamt Mitglieder der Partei der „Jungen Grünen“, dort passende Kleidung und Schuhe angezogen hat, besteigt sie - ausgerüstet mit Rechen - den Jeep des Bauern, der sie an ihr Ziel bringt.

          Auf steilem Hang in 1800 Metern Höhe

          „Der Ausblick, der sich uns bot, war atemberaubend, ein saftig grünes Tal erstreckte sich vor unseren Füßen, hohe Berge ragten rings um uns in die Höhe, und die Artenvielfalt machte uns sprachlos“, schwärmen die Jungpolitiker später. Doch dies war nur Nebensache. Der eigentliche Grund ihrer Anwesenheit befand sich nämlich hinter ihnen: ein steiler Berghang, auf einer Höhe von ungefähr 1800 Metern, der durch ihre eigene Hand bearbeitet werden soll. Dem Bauern ist es nicht möglich, diese Arbeit allein zu verrichten, da er ohne jegliche maschinelle Hilfsmittel auskommen muss und das betreffende Wiesenstück eine ziemlich große Fläche besitzt. Die acht jungen Leute haben sich dazu entschlossen, an einem Gruppeneinsatz, der von dem Verein „Freiwillige Arbeitseinsätze in Südtirol“ regelmäßig organisiert wird, teilzunehmen, um nicht nur den Zusammenhalt zu stärken, sondern auch Bauern zu helfen, die sich in einer Notlage befinden.

          Mittags bringt die Bäuerin Gulasch

          Eine dieser Helferinnen ist Johanna Donà, eine 30 Jahre junge Frau mit blonden Haaren, sympathischem, aber entschlossenem Gesicht und großen, lebhaften Augen. Sie berichtet: „Zunächst sind wir, quer über das Feld, den steilen Berghang mit unseren Rechen hinaufgestiegen. Das war ganz schön anstrengend.“ Nachdem sie an einer Almhütte angekommen sind, machen sie sich daran, den Hang wieder hinunterzusteigen, diesmal jedoch, indem sie das Gras, das der Bauer schon einige Tage zuvor geschnitten hat, damit es durch die Sonne trocknen und zu Heu werden kann, zu einem großen Haufen zusammenrechen. Den ganzen Tag arbeiten sie, und einige von ihnen bekommen einen Sonnenbrand, weil sie die starke Strahlung am Berg unterschätzt haben. Zu Mittag kommt Maria, die Bäuerin, vorbei und bringt ihnen Gulasch mit Knödel, das sie mitten auf dem Feld verspeisen.

          Die Arbeit der Bauern wird unterschätzt

          Johanna nimmt an diesem Projekt teil, um einen Ausgleich zu ihrem Beruf zu haben. „Der Tag mit meinen Freunden beim Gruppeneinsatz war einfach super. Wir haben zusammen Spaß gehabt und gleichzeitig Gutes getan.“ Am Abend sind zwar alle hundemüde und spüren Muskeln, von denen sie nicht einmal wussten, dass sie existieren, aber sie sind glücklich und fühlen, dass sie etwas geschafft haben.

          Die Koordinatorin des organisierenden Vereins ist Monika Thaler. „Oftmals wird die Arbeit, die die Bergbauern leisten, komplett unterschätzt und dadurch auch sehr geringgeschätzt“, erklärt sie. „Sie liefern nicht nur die Milch oder das Fleisch, sondern tragen auch dazu bei, dass dem Tourismus in Südtirol große Beliebtheit zukommt, indem sie durch das Mähen der Wiesen und Instandhalten der Wälder dafür sorgen, dass das Landschaftsbild Südtirols das, was es durch die weltweite Werbung verspricht, auch hält.“

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