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Feldberg-Ranger : Im Schwarzwälder Urwald

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Im Bannwald am Feldberg macht die Natur, was sie will. Und das ist gut so, erklärt der Ranger interessierten Wanderern.

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          Ein schmaler Trampelpfad führt durch den Feldseewald, der nordöstlich unterhalb des Feldberggipfels liegt. Das klare, kühle Wasser kleiner Bäche fließt über den Weg. Blätter rauschen, Vögel zwitschern. Auf dem Pfad verlaufen etliche Baumwurzeln, umgefallene Bäume liegen am Wegrand, die vermodern und Insekten ein Zuhause bieten. Mitten durch dieses Stück Schwarzwälder Urwald geht der Feldberg-Ranger Achim Laber einer Besuchergruppe voraus. Er ist ausgerüstet mit einer hellbraunen Rangeruniform, einem Haselnussstock und einer Tasche, aus der er allerhand Bemerkenswertes hervorkramt, wie zum Beispiel einen Hut, der aus einem Baumpilz gemacht wurde. Der aus Hinterzarten stammende 53-Jährige arbeitet seit 29 Jahren bei der Naturschutzverwaltung im Naturschutzgebiet Feldberg, dem ältesten und größten Naturschutzgebiet Baden-Württembergs. Er war schon als Kind viel und gern draußen in der Natur, studierte Forstwirtschaft und machte den Zivildienst bei der Naturschutzverwaltung, wohin er nach einem Jahr Forstarbeit zurückkehrte. Er versucht, den Naturschutz für die Besucher des Feldberges interessant zu machen. Als Ranger verfügt er über besondere Rechte: „Ich dürfte theoretisch Besucher, die gegen die Naturschutzverordnung verstoßen, auch mit Bußgeld belangen, aber das tun wir nur dann, wenn es keine vernünftige Lösung gibt.“ Er setzt auf Aufklärung, hat mehr als 2000 Führungen gemacht und hält Vorträge.

          Munteres Leben im Totholz

          „Im Feldseewald haben wir Naturschützer es total gemütlich“, sagt der großgewachsene Mann im Bannwald, einem Waldreservat, in dem keine Forstwirtschaft mehr betrieben wird. „Hier macht die Natur, was sie will, und wir Menschen brauchen nur noch zuzuschauen.“ Man sieht viel Totholz, was vielen Tieren einen Lebensraum bietet, wie dem Dreizehenspecht, der nach einem Jahrhundert Abwesenheit den Weg zurück ins Feldberggebiet fand. Der Feldseewald ist für die Naturschützer besonders interessant, da hier viele Buchen, Weißtannen und Fichten direkte Nachkommen des einst abgeholzten Urwaldes sind.

          Der Großteil des Schwarzwaldes besteht aus Wirtschaftswäldern, die aufgeforstet wurden. Dort stehen in der Regel schnell wachsende Fichten und heute auch Douglasien, die im Alter von 150 Jahren gefällt werden, da sie in diesem Alter den höchsten Erlös einbringen. „Aufgrund des Mangels an Totholz in den wirtschaftlich genutzten Teilen des Waldes ist der Bannwald eine wichtige Ergänzung für die Natur. Nur durch diesen Ausgleich bleibt das große Spektrum an Pflanzen, Tieren und auch Pilzen erhalten“, erklärt Laber. „Das sind unsere wichtigen Rasenmäher“, zeigt er später auf dem Gipfel auf das grasende Jungvieh neben und auf den Wegen. So bleibe auf den Hochweiden die Kulturlandschaft erhalten. Viele typische und seltene Pflanzen, wie Arnika, Bärwurz und Silberdistel, hätten ohne diese Landschaftspflege keine Chance.

          Touristen und Naturschutz - ein Drahtseilakt

          Nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch sind die Glocken der Kühe noch zu hören, der Boden wird langsam feuchter. Es geht durchs Flachmoor. Als eine Familie entgegenkommt, sagt er: „Ich freue mich immer, wenn es Menschen gibt, die ihren Kindern die Natur nahebringen.“ Das Verhältnis zwischen Tourismus und Naturschutz sei allerdings ein Drahtseilakt. Viele seltene Pflanzen und Tiere haben im Moor ihre Heimat, wie der seltene Hochmoorgelbling, ein Schmetterling oder das Fettkraut, eine fleischfressende Pflanze. Gerade in den Mooren muss der Ranger lenkend eingreifen: „Wir müssen unseren Besuchern vermitteln, dass sie die markierten Wege nicht verlassen dürfen. Ansonsten würden sie in den sehr trittempfindlichen Lebensräumen Schaden anrichten. Und das liegt am Feldberg vor allem an der großen Anzahl von Besuchern. Da müssen wir schauen, wie wir Naturschutz und Tourismus unter einen Hut bekommen.“ Nach diesem Motto ist auch das Haus der Natur aufgebaut. Am Fuß des Feldberggipfels gelegen, beherbergt das langgestreckte Gebäude mit Holzverkleidung eine Stiftung, die Geschäftsstelle des Naturparks Südschwarzwald, die Forst- und Naturschutzverwaltung und die Hochschwarzwaldtourismus GmbH. Das Land trägt die laufenden Kosten für das Haus gemeinsam mit den drei umliegenden Landkreisen Waldshut, Lörrach und Breisgau-Hochschwarzwald sowie der Gemeinde Feldberg und dem Schwarzwaldverein, da sich die Kosten nicht allein über Einnahmen aus dem Shop, über Eintrittsgelder für die Dauerausstellung und die Führungskosten decken lassen.

          Was es sonst nirgendwo auf der Welt gibt

          Der Ranger führt dort durch eine Ausstellung. Bedeutend für die Naturschützer ist die Antwort auf die hier oft gestellte Frage, wofür die vielen Pflänzchen und Tiere überhaupt notwendig seien. Der Feldberg-Ranger zieht als Antwort immer einen Vergleich heran: „Die Nieten eines Flugzeuges mögen sehr klein sein, aber für den Zusammenhalt des Flugzeugs spielen sie eine große Rolle, und je mehr Nieten verlorengehen, desto eher droht das Flugzeug abzustürzen. Wie diese Nieten brauchen wir auch die Tiere und Pflanzen, verlieren wir zu viele, funktioniert auch das Gleichgewicht in der Natur nicht mehr. Das heißt, wir schützen auch dann Arten, wenn wir nicht genau wissen, ob sie in irgendeiner Weise für uns Menschen nützlich sind.“ Stolz ist er auf etwas Einzigartiges, was es auf der Welt sonst nirgends gebe. In einer Vitrine ist der badische Riesenregenwurm zu sehen. Dessen nächste Verwandten findet man im Elsass.

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