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FC-Bayern-Nachwuchs : Und morgen vielleicht ein Fußballstar

Nachwuchshoffnung der Bayern: Robert Soriano Bild:

Roberto Soriano ist 17 Jahre alt und Nachwuchsspieler von Bayern München. Er möchte so erfolgreich werden wie Luca Toni. Dafür gibt er alles.

          Roberto Soriano steht auf dem Trainingsplatz und lässt den Ball auf seinen Füßen hin und her tanzen. Er lächelt dabei, erzählt von sich und seinem Leben und schaut seinem Gegenüber dabei in die Augen. Seit zwei Jahren lebt der Siebzehnjährige im Internat des FC Bayern München, er gehört zu den größten Talenten seines Jahrgangs. Roberto will Fußballprofi werden, das ist sein Traum. „Ich werde alles probieren, damit mir das auch wirklich gelingt“, sagt er.

          Vor etwas mehr als drei Jahren haben ihn Späher des FC Bayern bei einem Spiel der Hessenauswahl entdeckt, ein paar Wochen später ist Roberto gemeinsam mit seinen Eltern zu einem Probetraining an die Säbener Straße nach München gefahren. Dorthin also, wo auch Franck Ribéry, Miroslav Klose, Philipp Lahm, Luca Toni oder Lukas Podolski trainieren. „Natürlich war ich aufgeregt“, sagt Roberto. Aber sein Vater Antonio hat ihm immer wieder gesagt, dass er einfach so spielen solle, wie er es all die Jahre bei Darmstadt 98 getan hat. Dort ist er aufgefallen. Weil der Ball förmlich an seinen Füßen zu kleben schien, wenn er durch das Mittelfeld marschierte, spektakuläre Tore erzielte und mit diesem Talent später auch die Trainer beim FC Bayern beeindruckt hat. Er wurde genommen und spielte künftig mit dem Wappen des deutschen Rekordmeisters auf dem Trikot.

          Fünfmal Training pro Woche

          Aber Talent haben viele junge Spieler. Das allein reicht nicht, um Fußballprofi zu werden und irgendwann einmal in der Bundesliga zu spielen. Fünfmal in der Woche trainiert Roberto mit der B-Jugend des FC Bayern. Und er macht Extraeinheiten, um Schnelligkeit, Kondition und Kraft zu verbessern. Durchschnittlich kann jeder vierte Jugendspieler der Bayern in seinem Alter später vom Fußballspielen leben. „Aber ich habe erst den ersten Schritt gemacht. Es ist noch ein langer, bis ich es endgültig geschafft habe“, sagt Roberto.
          Im Flur des Internats hängen Trikots von jenen, denen das schon gelungen ist. Die aktuellen Nationalspielern Bastian Schweinsteiger oder Piotr Trochowski; David Jarolim, der heute beim Hamburger SV spielt, oder Owen Hargreaves von Manchester United. Sie sind dort angekommen, wovon Roberto augenblicklich noch träumt.

          Hochfliegende Pläne: Der 17jährige möchte in die Bundesliga

          Aber auch die heutigen Profis haben früher im Internat gelebt. Dreizehn Appartements gibt es dort für junge Talente, die nicht aus München kommen und trotzdem gefördert werden sollen. Roberto hat ein Trikot von Inter Mailand über sein Bett gehängt, neben dem Schreibtisch lächelt Franceso Totti von der Wand. „Er ist mein Vorbild.“ Totti, der italienische Nationalspieler. Roberto hat es immerhin schon in die U 17 Italiens geschafft. Er hätte sich auch für die deutsche Jugend-Nationalmannschaft entscheiden können. „Aber mein Herz schlägt für Italien.“

          FC Bayern hat zehn Nachhilfelehrer

          Bei aller Liebe für den Fußball darf Roberto die Schule nicht vernachlässigen. Darauf legen sie im Verein wert, weil es eine Alternative geben muss für den Fall, dass er später kein Geld als Profi verdienen kann. Er besucht die 10. Klasse einer ganz normalen Realschule, in diesem Sommer will er seinen Abschluss machen. Roberto hat Freunde außerhalb des Fußballs gefunden, auch wenn es einige Neider gibt. „Manche denken: Der spielt bei den Bayern, der ist arrogant“, sagt Roberto. Dabei sei er doch ein ganz normaler Junge, der nur ein bisschen besser Fußballspielen könne als andere. Damit seine Leistungen in Mathematik, Englisch oder Physik nicht darunter leiden, beschäftigt der FC Bayern zehn Nachhilfelehrer, die sich mehrmals in der Woche für zwei Stunden um die Nachwuchsspieler kümmern.

          Jeder Tag hat eine klare Struktur: Morgens Schule, danach Mittagessen, Nachhilfe am Nachmittag, später das Training mit der Mannschaft, am Wochenende die Punktspiele. Für Freizeit bleibt Roberto und den anderen kaum Zeit. „Natürlich muss ich auf manches verzichten. Aber wenn ich Profi werden will, dann geht das nicht anders.“ Im vergangenen Jahr hatte er zum ersten Mal eine Freundin, er hat sie in der Münchner Innenstadt kennen gelernt. Aber die Beziehung der beiden hielt nur ein paar Monate. Sie konnten sich nur an den Abenden sehen, und um 22 Uhr muss Roberto wieder im Internat sein. Das ist eine der Regeln dort. Eine andere: Mädchen dürfen überhaupt nicht rein.

          Einfach mal Essen gehen mit Luca Toni

          Vierhundert Euro als Aufwandsentschädigung und Essensgeld sowie eine Bahnfahrt zu seinen Eltern bekommt Roberto jeden Monat vom Verein. Aber das ist längst nicht alles. „Hier erlebst du Dinge, von denen man eigentlich nur träumen kann“, sagt Roberto. Er klingt, als müsse er sich daran erinnern, dass er selbst mal einer der Hauptdarsteller werden könnte. Vor einigen Monaten hat Roberto den italienischen Weltmeister Luca Toni getroffen. Der hatte gehört, dass ein junger Landsmann von ihm im Internat wohnt. Also sind die beiden in ein Restaurant in der Münchner Innenstadt gegangen, haben Pasta bestellt und über den Fußball geredet. „Der Luca ist wirklich ein cooler Typ“, sagt Roberto. Und ja, natürlich könne er von ihm sehr viel lernen. Von seinem Appartement aus beobachtet er Toni und die andere manchmal beim Training.

          Der Ausbildungsvertrag von Roberto bei den Bayern läuft bis zum Sommer 2010. Dann entscheidet sich, ob er es wirklich in die Bundesliga schafft. „Ich will das unbedingt“, sagt er. „Die ganze Welt schaut doch Fußball.“ So wie viele seiner Verwandten in Italien. Auch für sie will er es schaffen. Wenn er auf dem Platz steht, denkt er oft an seine Großmutter Felicetta, die vor vier Jahren gestorben ist. Auch für sie kämpft und spielt er. „Ich hätte ihr sicherlich viele schöne Momente geschenkt, wenn sie all das noch hätte miterleben können“, sagt Roberto. Aber er glaubt daran, dass sie irgendwo mitansehen kann, wie er seinen Weg geht: in der Jugend des FC Bayern München.

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