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FC Bayern München Internat : Mit 17 in die Säbener Straße

  • -Aktualisiert am

Bild: von Zubinski

Theo hat es auf das Internat des FC Bayern München geschafft. Seitdem ist er nur zweimal im Monat in seinem Heimatdorf. Das ist okay, er lebt für den Fußball.

          3 Min.

          Fußballprofi werden“ – das war und ist wohl der Traum vieler Jungs schon im Kindesalter. Doch der Weg nach ganz oben steht nicht jedem offen und ist mit viel Disziplin verbunden. Für Theo Rieg gehörten ein Umzug und Schulwechsel dazu. Im Januar verließ er das Heubacher Rosenstein-Gymnasium und zog von der Ostalb nach München ins Internat des FC Bayern München. Auf dem Klingelschild des Jugendhauses in der Säbener Straße standen auch schon Profinamen wie Schweinsteiger und Alaba, deren Originaltrikots nun das sonst eher kahle Treppenhaus zieren. „Das motiviert einen zusätzlich jeden Tag aufs Neue“, sagt Theo Rieg, wenn er die unzähligen Trikots betrachtet. Vom Aufenthaltsraum aus, in dem Heimleiterin Gertrud Wanke liebevoll Frühstück und Abendessen für die 15 hungrigen Fußballer zubereitet, kann man das Training von Lahm & Co beobachten.

          Das Angebot aus Aalen trieb ihn an

          Der 17-jährige Theo lernte schon als kleines Kind, dass es ohne Fleiß keinen Preis gibt. „Dann übte ich eben schnell Schuhe binden“, erzählt er lachend. Das war damals Bedingung seiner Mutter, um bei den Bambinis im Heimatverein, dem Sportverein Lautern im Ostalbkreis, mit dem Fußballspielen anfangen zu dürfen. Zwei Tage später war das Schnürproblem aus der Welt, und der stolze, braunhaarige Bub durfte sogar ein Jahr früher als üblich mit ins Training einsteigen. Training allein genügt Theo Rieg jedoch nicht: Der großgewachsene Oberstufenschüler lebt für den Fußball. So gehören Kicken mit seinen Kumpels, Fifa spielen mit Playstation und die Sportschau-Sendezeiten und Spielübertragungen der Champions League unverzichtbar dazu. Das Angebot, in die U 13 des VfR Aalen zu wechseln, trieb ihn nur noch mehr an.

          Mit 14 stand er auf der Liste der Scouts

          Fünfeinhalb Jahre lang wartete er mehrmals die Woche an der Bushaltestelle, um in die 30 Minuten entfernte Stadt Aalen zu kommen. Egal wie das Wetter auch sein mochte, hieß es: „Ich hab’ Training.“ Und wenn kein Training ansteht, geht der selbstbewusste junge Mann gerne allein mit seinem Fußball auf den Sportplatz. Dieses Selbstbewusstsein sah man dem Innenverteidiger bereits auf dem Gang in der Schule und als Kapitän der Aalener Mannschaft an. Mit 14 Jahren stand er bereits auf der Liste der Scouts des FC Bayern, die seine fußballerische Entwicklung genau mitverfolgten.

          Bayern-Fan ist Rieg seit jeher, umso größer war die Freude des damaligen U 17-Spielers über die Einladung zu einem fünftägigen Probetraining nach München. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings leider kein freier Platz im Jugendhaus vorhanden, weshalb er vorerst weiter in Aalen spielte und dort eine starke Saison ablieferte. Im Oktober 2016 ging es dann erneut in die Säbener Straße nach München. „Und dann ging alles ziemlich schnell“, sagt Theo. Zum 1. Januar unterschrieb er den Vertrag des FC Bayern.

          Freude, wenn die Mama hereinkommt

          Seine Familie im ländlichen Dorf Lautern zurückzulassen war keine einfache Entscheidung. Da die einfache Fahrt mit dem Zug bis nach Hause zweieinhalb Stunden dauert, kommt Rieg wegen seines vollen Trainingsplans etwa zweimal im Monat ins Heimatdorf zurück, während der Saison noch seltener. Mehr als zu der Zeit, in der er noch daheim gewohnt habe, freue er sich jetzt, wenn er in seinem Zimmer sei und die Mama hereinkommt. „In München geht’s schon familiär zu“, sagt ein blonder Mitspieler von Rieg, „aber anders eben als zu Hause.“ Das Gefühl, daheim zu sein, sei auch durch die beste Betreuung nicht zu ersetzen. „Das ist dann quasi wie Urlaub vom Alltag, man ist in der Familie und kann entspannen.“

          Die schulischen Leistungen müssen passen

          Die Jungs untereinander kommen zwar alle gut miteinander aus, aber wie in jedem Sport bleiben Konkurrenzgefühle nicht ganz aus. Darum kümmert sich der ehemalige „kleine Bub aus Aalen“, wie er sich selbst bezeichnete, wenig. „Solange ich das, was ich tue, also Fußball spielen, liebe, spiele ich auch auf jeden Fall weiter“, meint er zufrieden. Derweil sei es allerdings echt stressig mit der Schule, da müsse nach dem Training oft bis spät in die Nacht gelernt werden. Und dann kommen zu den offiziellen, eineinhalb- bis zweistündigen Trainingsterminen, die durch Kraft-Athletik oder Physiotherapie ergänzt werden, des Öfteren noch Sondertrainings und Spiele hinzu. Allerdings lasse der FC Bayern auch die schulischen Leistungen nicht außer Betracht, die müssen passen, denn für einen angehenden Profi kann zum Beispiel schon eine lang anhaltende Verletzung zum vorzeitigen Aus werden. Hier sollen einem dann andere Wege offenstehen, darum unter anderem auch der Blick auf die Noten.

          Abends spielt er Playstation-Fußball

          „Und wenn dann doch mal ein wenig Freizeit in Aussicht steht, fehlt es in München nicht unbedingt an Möglichkeiten mit den Jungs etwas zu unternehmen.“ Aber der Fußball gehe vor, das sei schon zu Zeiten beim VfR Aalen so gewesen, da ging der U-19-Spieler dann abends etwas früher nach Hause für ein anstehendes Spiel. Auch innerhalb der Familie ist eins klar: „Theo lebt für den Fußball, er wacht morgens auf und denkt an Fußball, kommt von der Schule heim und trainiert Fußball, abends spielt er Playstation-Fußball, und nachts träumt er vom Fußball“, sagt sein älterer Bruder. Und dabei hört man nur allzu gut heraus, wie sie alle hinter ihm stehen.

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