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Fahrlehrer : „Rechts“ und „links“ auf Kotokoli

  • -Aktualisiert am

Bild: Claudia Weikert

Wie Fahrlehrer Jürgen Auth jeden Tag versucht, seine Schüler auf den Straßenverkehr vorzubereiten. In 34 Jahren hat er gelernt, nervöse Anfänger einzuschätzen.

          4 Min.

          Es ist 8.30 Uhr, als Jürgen Auth sein Büro betritt. Ein nasskalter Wind fährt durch seine kurzen, graubraunen Haare, während er das weiße Schild mit der roten Aufschrift „Fahrschule“ an seinem Auto anbringt, das er auch das „kleinste Büro der Welt“ nennt. Das Hinweisschild lässt einige Autofahrer vorsichtiger, andere riskanter an dem kleinen, grauen Auto vorbeifahren, das zu diesem Zeitpunkt noch in der Einfahrt der Fahrschule Auth in Fulda steht. Langsam lässt er sich auf den Beifahrersitz fallen und begrüßt Michelle, die bereits neben ihm Platz genommen hat. Die Hände der Achtzehnjährigen zittern leicht, als sie die Spiegel und den Sitz auf ihre Größe einstellt, die Aufregung vor der Fahrstunde ist ihr deutlich anzumerken. Vorsichtig startet sie das Auto, das Anfahren klappt jedoch nicht sofort. Viel zu schnell lässt sie die Kupplung wieder los, das Auto rattert und geht aus.

          Die losen Sprüche haben geholfen

          Michelle steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, für Auth hingegen ist das kein Problem. Aufmunternd sieht er sie an, lächelt leicht und hebt beschwichtigend die Hände. Er weiß, dass kein Fahrschüler absichtlich Fehler macht, und nimmt es mit Humor. Ihn erinnert das an seine erste Zeit als Fahrlehrer, in der er ähnlich nervös war wie die zierliche Schülerin jetzt neben ihm. 34 Jahre ist es schon her, dass er seine neunmonatige Ausbildung zum Fahrlehrer abgeschlossen hat, seit 19 Jahren führt er nun seine eigene Fahrschule als Familienbetrieb. Doch kein Arbeitstag des 62-Jährigen gleicht dem anderen. Michelle ist mittlerweile ruhiger geworden, seine losen Sprüche haben geholfen, die Stimmung aufzulockern. Jürgen Auth ist sich auch der Verantwortung bewusst, die er in seinem Beruf hat. Bisher hatte er noch keine ernsthaften Unfälle – „und das soll auch so bleiben“ –, auch wenn das bedeutet, dass er sich bei einigen Fahrschülern enorm konzentrieren muss. Ein einziger Moment der Unaufmerksamkeit kann fatale Folgen haben. Mit den Jahren kommt die Erfahrung und mit der Erfahrung die Sicherheit. Er habe gelernt, Situationen besser einzuschätzen, und trotzdem gibt es immer neue Situationen im Straßenverkehr.

          Auch er ist aufgeregt vor jeder Prüfung

          255 Fahrstunden umfasste die längste Ausbildung, die Erleichterung war groß, als dieser Fahrschüler seinen Führerschein endlich bestanden hatte: Die Regelzeit liegt zwischen 30 und 40 Fahrstunden. „Einen Wagen mit Schaltgetriebe konnte der Fahrschüler trotzdem nicht bedienen, nach 100 Fahrstunden ist er dann auf eine Automatikausbildung umgestiegen.“ Für die hat sich Auth bei einem befreundeten Fahrlehrer ein Fahrschulauto ausgeliehen, da er selbst nur zwei Wagen für die Ausbildung besitzt und sonst mit anderen Fahrschulen kooperiert. Aufgeregt ist Auth trotz all der Jahre vor jeder Prüfung, da er nie weiß, wie der Fahrschüler in einer solchen Drucksituation reagiert. „Einmal hatte ich eine Fahrschülerin, die war während der Prüfung so blass, dass ich mir nicht mehr sicher war, ob sie überhaupt noch lebt“, meint er schmunzelnd. Ein leichter Duft von Käse zieht durch den Wagen, als Jürgen seinen nächsten Fahrschüler abholt. Für ein warmes Mittagessen zu Hause bleibt selten Zeit, obwohl sich seine Tochter freut, wenn der Vater mittags mal da ist. Die Arbeitszeiten sind unangenehm, da diese häufig in den Abend reichen. Außerdem steht zweimal in der Woche Theorieunterricht auf dem Plan; jeweils von 18 bis 19.30 Uhr.

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