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Eselwanderung : „Die Esel sind Familienmitglieder“

  • -Aktualisiert am

Bild: Illustration: Studio Zubunt/Natascha Vlahovic

Ein bayrisches Lehrerpaar wandert mit seinen beiden Töchtern, zwei Hunden und zwei Eseln in den Ferien los. Die Tiere schlafen vor den Zelten. Manchmal ist Gefahr im Verzug, und es kommt zu ungewöhnlichen Gepäckübernahmen.

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          Wochen ohne Supermarkt, das Handy ist ausgeschaltet. Staunende Touristen und gastfreundliche Einheimische: Cornelia Rieck und Frank Fritsche, die an der Deutschen Schule zu Porto unterrichten, wandern in den Ferien mit ihren zwei Töchtern, ihren zwei Hunden und ihren zwei Eseln durch die Berge Europas. Wo die Luft dünner, das Wasser kälter, der Schlafplatz unbequemer und der Kopf freier ist, verbringen sie ihre Urlaube. Die Idee sei schon alt, erzählen sie. Damals, noch ohne Kinder, die mittlerweile 7 und 11 Jahre alt sind, aber mit Hund, seien sie bereits gewandert, doch auf Dauer wurde das Hundefutter zu schwer. Als sie eine sechswöchige Tour in den Pyrenäen planten, wollten sie zunächst einen Esel mieten, doch gab niemand seine Tiere her. „Mein Mann wollte ein Lama, das war mir aber zu exotisch, deswegen haben wir einen Esel gekauft“, sagt Cornelia Rieck.

          Ihre Touren unterscheiden sich von denen mit gemieteten Eseln, denn diese kennen ihre Routen und laufen meist nur von einer Unterkunft zur nächsten. „Die schönsten Touren waren bis jetzt immer die, bei denen wir nach zwei, drei Tagen komplett anders gelaufen sind als geplant“, erzählt die Chemielehrerin. Zu Beginn dachten sie noch, sie müssten ihren vierbeinigen Begleitern sagen, wo es langgeht. „Aber ein Esel ist uns an Intelligenz und Instinkt in den Bergen, in seinem Gebiet, deutlich überlegen.“

          Die Haltung erfordert viel Arbeit

          Die Familie wohnt den Tieren zuliebe in einem Dorf 30 Kilometer außerhalb Portos, wo die Esel Micoud und Balou eine große Koppel für sich haben. Eselhaltung erfordert viel Arbeit. Zum Füttern, Putzen, Striegeln und Stallausmisten kommt das Entwurmen der Tiere mittels einer Paste alle zwei Monate hinzu; zum Hufschmied müssen sie alle vier Monate, einmal jährlich werden sie mit einer Mehrfachimpfung gegen die Pferdegrippe und Tetanus geimpft. Die Lebenserwartung eines Esels liegt etwa bei 30 Jahren. Wenn man ein solches Tier kauft, müsse man wissen, dass es keine Entscheidung für eine Woche sei, sondern für ein Leben, betont Frank Fritsche.

          Mittlerweile haben sie neun Touren gemacht, die zwischen einer und sechs Wochen dauerten, in Andorra, den französischen und spanischen Pyrenäen, den Picos de Europa in Nordspanien und den Alpen. „Die ersten zwei, drei Tage sind für alle richtig hart, da hat noch niemand die Ausdauer und die Kraft“, erklärt Rieck – nur ihr Mann, der durchtrainierte Trailläufer sieht das anders. Zu Beginn ihrer Wanderungen laufen sie zehn Kilometer und 300 bis 400 Höhenmeter täglich, an den letzten Tagen sind es 10 bis 25 Kilometer mit 1000 Meter Aufstieg. Ihre Etappen dauern zwischen einer und acht Stunden. Routine ist ihnen auf ihren Touren wichtig. Jeden Morgen wenn die Sonne am Horizont über dem Zelt ist, stehen sie auf und frühstücken ausgiebig. Anschließend rollen sie ihre Isomatten auf und falten ihre Zelte zusammen, was durchaus zwei Stunden dauern kann. Bevor es losgeht, müssen die Esel kontrolliert und muss das Gepäck im Gleichgewicht aufgesattelt werden. Abends läuft es genau umgekehrt: die Esel werden abgesattelt, die Zelte werden so aufgebaut, dass sie auch bei Wetterumschwung stehen bleiben. Bevor es nach dem Abendessen ins Zelt geht, muss gebadet werden. „Im Zelt übernachten darf nur, wer gebadet hat.“ Sie baden in eiskalten Bächen, in Seen oder unter der mitgenommenen Solardusche. „Da weint man, da heult man, denn das tut richtig weh“, sagt Cornelia Rieck. „Wer wochenlang in Gebirgsquellen duscht, weiß, wie schön eine warme Dusche ist.“

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