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Erste CD mit 13 : Der Superstar aus Pankow

  • -Aktualisiert am

Im März 2009 hat Dennis seine erste CD bei der Plattenfirma „Sony BMG” veröffentlicht Bild: ddp

Ein Chorknabe auf Solopfaden: Der 13 Jahre alte Dennis Chmelensky mag Rihanna und Xavier Naidoo. Doch mit seiner glockenhellen Stimme singt er vor allem Lieder von Komponisten, die schon lange tot sind. Es klingt wunderbar.

          Ist man dreizehn, gibt es Dinge, an denen führt meist kein Weg vorbei. Wie „Deutschland sucht den Superstar“, die Casting-Show, die angeblich keiner toll findet und doch jeder guckt. „Über solche Sendungen spricht man in der Klasse“, sagt Dennis Chmelensky. „Wenn man da absolut von gestern ist, ist das schon doof.“ Klar hat auch er alle Folgen gesehen, nun, fast alle. Das Finale hat er verpasst. Wegen „Willkommen bei Carmen Nebel“, der Schlagersendung mit Udo Jürgens, Thomas Anders und vielen grauhaarigen Menschen im Publikum.

          Aber: „Eigentlich ganz spannend“, sagt Dennis. Denn er war dort, auf Carmen Nebels Bühne. Sang mit Paul Potts, bekam Standing Ovations und hinter den Kulissen den Zylinder von Roger Cicero. Dass am nächsten Tag in der Schule trotzdem alle von Superstar Daniel sprechen, das war ihm klar. „Die Teenies gucken Carmen Nebel vielleicht nicht“, sagt er, aber er tröstet sich mit der Erkenntnis: „DSDS ist ab dem Alter meines sechzehnjährigen Bruders ja auch nicht mehr drin.“

          Längst ein Medienprofi

          Auch wenn ihn die Zeitungen Wunderkind nennen, mache er ja auch normale Sachen, betont Dennis an diesem Nachmittag im Berliner Büro seiner Plattenfirma: Basketball spielen, Klingelstreiche, Waveboard fahren. Nur am Wochenende, da sei er eben schon mal bei Frank Elsner oder auf der Bühne der Philharmonie.

          Dennis erzählt flüssig, ohne Scheu, längst Medienprofi. Mit fünf Jahren spielte er sein erstes Geigenkonzert, mit sieben kam das Klavier dazu, doch seine Kür ist das Singen: sehr hoch, glockenhell, opernreif. Im Staats- und Domchor Berlin, aber vor allem solo, mit Stardirigenten wie Sir Simon Rattle und Daniel Barenboim. Außerdem gibt es seit kurzem noch „Dennis“, seine erste CD mit viel Bach, etwas Pop und einer Plazierung in den Klassik-Charts - auf Rang zwei. Und das ist sogar auf seiner Schule, einem Musikgymnasium, nicht wirklich normal.

          Telefonterror und kreischende Mädchen

          Dennis schiebt den Stapel Briefe zusammen, steckt ihn mit Autogrammkarten in eine Tüte. Hausaufgabe: Fanpost beantworten. „Da sind sogar Briefe aus Dänemark und Russland dabei“, sagt er, grinst und wirft dabei die Haare mit einer kurzen Kopfbewegung aus dem Gesicht: „Keine Ahnung, wie die auf mich kommen.“ Nun, vielleicht liegt's an Internetseiten wie Youtube: „What a voice!“ und „Amazing!“, schwärmt da so mancher in Englisch unter den Videos, in denen Dennis singt.

          Seit er Ende 2008 in „Das Supertalent“, der zweiten Show von Dieter Bohlen, aufgetreten ist (eigentlich um seiner Mutter ein neues Hörgerät zu finanzieren, uneigentlich, weil RTL ihn bei „Jugend musiziert“ siegen sah), ist er eine kleine Berühmtheit. Mit allem, was dazugehört: Telefonterror, kreischenden Mädchen auf dem Schulflur, Imagepflege. Mittelscheitel und Brille durfte er erst gegen Strubbelfrisur und Kontaktlinsen tauschen, als „Das Supertalent“ gelaufen war - obwohl er beides seit Monaten satthatte. „Die Zeitungen schrieben aber längst ,der niedliche Streber von Pankow', daher hatte man mir dazu geraten.“

          Cooler als Fußball

          Nur dazugehören, das ist nicht immer leicht für ein Wunderkind. In seiner Berliner Grundschule fiel Dennis auf, daher ging er danach aufs musikbetonte Händel-Gymnasium, zu Mitschülern, die es normal finden, den Nachmittag mit Musizieren zu verbringen. Dennis: „Wenn ich mich mit meinen Freunden treffe und wir am Ende noch mal Vivaldi, dritter Satz, zusammen spielen, ist das schon cooler, als wenn man nur fußballbegeisterte Mitschüler hat.“

          Dass Dennis oft im Fernsehen ist und auch schon mal von Kamerateams begleitet wird, ist an seiner Schule nebensächlich. Und auch den besten Freund, ein Überbleibsel aus Grundschultagen, kümmert das alles wenig - mit Klassik kann er eh nichts anfangen, dafür umso mehr damit, dass sein Kumpel unbeirrt sein Ding macht. Auch wenn manche es vielleicht uncool finden und nicht einmal Dennis' Bruder, ein Sportfan, mit Mahler und Vivaldi viel anfangen kann. „Bei Klassik kann man eben nicht mitsingen“, sagt Dennis, und seine Haare fliegen wieder schwungvoll zurück. „Deshalb ist es auch nie das Allerkrasseste gewesen.“

          Bohlen würde „Hammer“ sagen

          Auf seinem iPod hat Dennis aber auch Rihanna, Xavier Naidoo und sogar „Mamacita“ von Mark Medlock, denn „das geht eben sofort ins Ohr“. Sagt er und singt mal eben den Refrain so, dass auch Dieter Bohlen „Hammer“ sagen würde. Täglich zwei Stunden Geige, eine Stunde Klavier und zweimal die Woche noch fünf Stunden Einzelunterricht im Singen: Dennis hat seine Freizeit mit Musik vollgeladen. Freiwillig.

          Seine Eltern sind nicht besonders musikalisch, sie sehen nur staunend zu, wie ihr Sohn selbst die Messlatte immer höher legt. „Mir wird schnell langweilig“, sagt er und zuckt die Achseln. Trotzdem kennt er auch Momente, in denen er am liebsten mal was ganz anderes machen würde: „Es ist schon ätzend, wenn der Probenraum 30 Grad hat, und die Klassenkameraden gehen ins Freibad.“

          Aber noch ätzender ist eben, mit der Musik nicht voranzukommen. Schließlich gibt es schon neue Pläne: Korea erobern, das Land, in dem Klassik eine richtig große Nummer ist. Und zerschießt ihm wider Erwarten der Stimmbruch die Karriere („Der soll aber wohl nicht so extrem werden“), hat Dennis noch Plan B in der Schublade: einen vor Jahren selbst geschriebenen Roman. Das Freibad wird da wohl weiter warten müssen.

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