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Gleichberechtigung : Statt Nerds attraktive Frauen mit spannender Arbeit

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Viel Kraft investiert, wenig bewirkt

Anfangs sollten zum Beispiel die nichtverbrauchten Mittel, die explizit für Frauenförderung gesperrt waren, wieder in den Institutshaushalt zurückfließen, denn „es gab ja so wenige Frauen, und da wurde gesagt, dass das nicht mehr gebraucht wird. Das hat meine Kampfeslust geweckt.“ Heute können die Mittel auch angespart werden, um größere Projekte, wie Gastaufenthalte von Wissenschaftlerinnen und Professorinnen zu finanzieren. Nach acht Jahren gaben die drei Frauen das Amt dann doch auf, und es gab erst einmal keine Frauenbeauftragte mehr am Institut. „Wir haben viel Kraft reingesteckt und nicht viel bewirkt. Wir haben keine Anerkennung für unsere Arbeit bekommen.“ Dann wurden 2008 Gleichstellungsstandards von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) festgelegt. Ziel war es, durch personelle und strukturelle Reformen die Frauenquote in allen Statusgruppen zu erhöhen. „Dadurch wurde es wirklich besser. Denn jetzt wird auch die Bewilligung von Forschungsprojekten und die Mittelvergabe an das Kriterium der Gleichstellung gebunden. Da wird wirklich geschaut, wie viele Frauen in den Projekten mitarbeiten.“ Deshalb übernahm sie vor fünf Jahren wieder das Amt der Frauenbeauftragten, musste es aber 2016 aus gesundheitlichen Gründen niederlegen. Aber sie könne sich durchaus vorstellen, die Arbeit wiederaufzunehmen. „Es hat mir am Schluss wirklich Spaß gemacht. Ich konnte etwas bewirken.“

Was das größte Problem ist

Durch den finanziellen Anreiz habe ein deutliches Umdenken stattgefunden. Auch die offene Frauenfeindlichkeit sei im Institut verschwunden. „Bei uns ist das kein Thema mehr.“ Einige Projekte wie Club Lise und ein Still- und Wickelraum für Wissenschaftlerinnen sind jetzt fest etabliert. Der damalige Frauenanteil von 10 Prozent unter den Abschlüssen in Physik hat sich seit den neunziger Jahren laut einer Studie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft auf etwa 20 Prozent verdoppelt. „Auch in der Wissenschaft sind Frauen in den entsprechenden Arbeitsgruppen vertreten, wenn erst einmal das richtige Arbeitsklima vorhanden ist. Dort, wo schon mal eine Frau ist, wirkt das wie ein kleiner Keim, und immer mehr Frauen siedeln sich auch da an.“

Das wohl größte Problem bei dem Thema Gleichstellung sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, betont Poblenz immer wieder. Der Beruf als Wissenschaftler an der Universität sei auch durch die geringe Anzahl der unbefristeten Stellen unattraktiv. „Ich wünsche mir außerdem eine Schwangerschaftsvertretung und eine Verbesserung der Bewertungskriterien bei dem Berufungsverfahren für eine Professur, zum Beispiel die Berücksichtigung, dass im Lebensweg die Anzahl der Publikationen beeinträchtigt wird, wenn eine Frau in den Mutterschutz geht oder Erziehungsarbeit leistet. Solche Richtlinien existieren zwar schon auf dem Papier, aber die Realität sieht leider immer noch anders aus.“

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