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Einbürgerung : Wie ich Deutscher werde

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Bild: Studio Zubunt

Wer eingebürgert werden möchte, der muss sich einem Test stellen und 30 Fragen zum fremden Land beantworten. Geprüft wird das Wissen in der Volkshochschule.

          Welchen Minister hat Baden-Württemberg nicht? Einen Finanzminister, Justizminister, Innenminister oder Außenminister? Und warum nennt man die Zeit im Herbst 1989 in der DDR „Die Wende“? Im Eingangsbereich der Volkshochschule warten rund 30 Männer und Frauen verschiedener Nationalitäten in Grüppchen ungeduldig darauf, von einem der Hochschuldozenten abgeholt zu werden. Unter ihnen sind zwei dunkelhäutige Männer, eine Asiatin sowie zwei Frauen, die durch ihre hellblonden Haare und ihren Akzent den Anschein erwecken, rumänischer oder polnischer Herkunft zu sein. Die 15 Teilnehmer des dreimal im Semester stattfindenden Einbürgerungstests sind in Begleitung ihres Partners oder anderer Familienmitglieder ins VHS-Gebäude im Herzen Schwäbisch Gmünds, gegenüber dem gotischen Münster, gekommen. Endlich ist es so weit, Diplompädagoge Helmut Schwimmbeck begleitet die Einbürgerungswilligen in einen lichtdurchfluteten Saal mit grünen Einzeltischen.

          Geringe Durchfallquote

          Die Aufsicht beim Test führt Senka Breuning. Die Dozentin für Deutsch und Fremdsprachen beginnt nach einer kurzen Erklärung die personalisierten Fragebögen auszuteilen. Aus 300 Multiple-Choice-Fragen über deutsche Politik, Geschichte, Rechts- und Gesellschaftsordnung, aber auch zur Geographie wurden jedem Teilnehmer vom Zufallsgenerator dreißig Fragen zugeteilt. Zusätzlich erhält jeder Einbürgerungswillige drei Fragen zu seinem jeweiligen Bundesland. Sechzig Minuten haben die Teilnehmer Zeit, um wenigstens 17 Fragen der 33 richtig zu beantworten. Dies würde ausreichen, um den Test zu bestehen, erklärt die Dozentin. Die Durchfallquote sei deshalb ziemlich gering, erwähnt Schwimmbeck. Erfahrungsgemäß falle ein Teilnehmer nur durch, wenn er die deutsche Sprache nicht beherrscht. „Schließlich kann man sich gut vorbereiten“, sagt Schwimmbeck. Die Fragen sind auf der Website des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) öffentlich zugänglich. An der VHS ist der komplette Fragenkatalog für drei Euro erhältlich.

          Wiederholen ist kein Problem

          Der Test kostet 25 Euro, wenig im Vergleich zu den gesamten Kosten, die 255 Euro je Einbürgerungskandidat betragen. Die Volkshochschulen sind seit September 2008 anerkannte Prüfstellen. Ausgewertet werden die Einbürgerungstests von der Regionalstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Reutlingen. Senka Breuning kontrolliert die Anwesenheit. Die erste Teilnehmerin verlässt bereits nach fünf Minuten den Saal, ein Mann gibt zwei Minuten später ebenfalls seinen Fragebogen ab. Wer den Test heute nicht besteht, kann ihn ohne weiteres wiederholen. Jedoch ganz so einfach, wie es sich im ersten Moment vielleicht anhören mag, ist es dann doch nicht, Deutscher zu werden. Mit dem Auswendiglernen von 300 Fragen hat man seine deutsche Staatsangehörigkeit noch nicht in der Tasche.

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