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Eifeler Krippe : Singender Hirte im Krippenidyll

  • -Aktualisiert am

Alle Jahre wieder setzt sich Reiner Jakobs aus der Eifel in eine idyllische Krippenlandschaft und singt - zwei Monate lang, jeden Tag acht Stunden.

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          Wer setzt sich noch in eine Krippe und singt?“, fragt Reiner Jakobs mit rauher Stimme. Er weiß nämlich, dass seine ehrenamtliche Arbeit etwas ganz Besonderes ist. Jedes Jahr, seit 27 Jahren, arbeitet der 76-Jährige zur Weihnachtszeit in der St.-Michael-Kirche in Höfen in der Eifel. Täglich setzt er sich mindestens acht Stunden in die selbstgebaute, 30 Meter lange Landschaftskrippe und singt dort seine geliebten Lieder. Die Krippe besteht aus mehr als 250 Tieren und unzähligen Pflanzen, die detailgetreu aufgestellt werden. Jede Kleinigkeit hat ihren Platz. Er fühle sich richtig wohl, wenn es still in der Kirche werde, erzählt der freundliche Mann.

          Viel Freude und Hilfe für kranke Kinder

          Wenn Gruppen wie zum Beispiel von Altenheimen oder Kindergärten ihn besuchen, erfreue er sich vor allem an ihrer Unterstützung. „Sie singen mit. Das ist das Schöne.“ Und für jeden ist etwas dabei, da er zwischen Volks- und Weihnachtsliedern variiert. Zudem kommen auch viele Touristen vorbei, nur um den berühmten Rentner in seiner Krippe singen zu hören und ihn mit Spenden zu unterstützen. Die gesammelten Spenden werden an den Förderkreis „Hilfe für krebskranke Kinder“ im Uniklinikum der RWTH Aachen weitergegeben. „Die Bedeutung meiner Arbeit hat sich komplett verändert“, erklärt Jakobs stolz, als er den Erlös des vergangenen Jahres offenbart. Mehr als 72 000 Euro wurden bis Ende Januar 2017 gespendet. Schon mehrmals hat der vollbärtige Mann, der seinen Bart im Übrigen nur für die Rolle des Hirten wachsen lässt, das Klinikum in Aachen besucht, um nach den durch ihn ermöglichten Investitionen zu sehen. Die Besuche geben ihm die Bestätigung in seiner Arbeit. „So sehe ich, dass es sich rentiert.“

          Nicht alle vertehen den Weber

          Die Meinungen über seine Beschäftigung sind durchaus geteilt. „Viele sagen, dass sie es nicht verstehen können, zwei Monate lang, acht Stunden pro Tag in der Kirche zu sitzen. Glücklicherweise gibt es auch sehr viele, die meine Arbeit sehr gut finden“, erklärt der Hobby-Musiker, der Gitarre, Panflöte und Mundharmonika spielt. Der gelernte ehemalige Weber beweist seine Leidenschaft für die Krippen nicht nur während der Weihnachtszeit. Für die Vor- und Nachbereitungen widmet er sich fast das ganze Jahr der Landschaftskrippe, da diese gepflegt und auf seinem Grundstück verstaut und ausgebessert werden muss. Unterstützt wird er von seiner Familie und seinen Freunden. Denn ohne sie wäre die Arbeit als singender Hirte nicht möglich, erklärt Reiner Jakobs mit einem Blick auf seine Frau Irmgard. Sie ermöglicht das Ganze, indem sie ihn in seinen kurzen Pausen mit Essen und Trinken versorgt.

          Zum Neujahrsempfang ins Schloss Bellevue

          In den ganzen Jahren hat der engagierte Mann einiges erlebt: von Menschen, die er zu Tränen gerührt hat bis zum mitfühlenden Lächeln großer Gruppen. Außerdem wurde er in diesem Jahr auf dem Neujahrsempfang im Schloss Bellevue vom ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck für sein soziales Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Gerne erinnert sich der Hobby-Krippenbauer auch an seinen persönlich schönsten Moment, den er während der vergangenen 27 Jahre erlebt hatte. „Als einmal ein geistig benachteiligtes Kind da war, fand es die Schafe so schön. Da sagte ich ihm, dass es eines mitnehmen kann, da ich die Schafe ja selber aus Holz und anderen Naturmaterialien baue“, erzählt Jakobs mit einem Funkeln in den schmalen Augen. Denn der Sinn sei für ihn das Wichtigste an der ganzen Sache, erklärt er. „Das Ganze muss einen Sinn für die Kinder und für die Besucher haben.“ Deshalb wünscht er sich in Zukunft auch nicht mehr als Gesundheit, um so lange wie möglich weitermachen zu können.

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