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Die Maus-Erfinderin : Grau? Wie öde! Orange muss sein!

Die Erfinderin der Maus: Isolde Schmitt-Menzel Bild: dpa

Jeder kennt die Fernseh-Maus, ihre Erfinderin kaum jemand. Vor mehr als vierzig Jahren erfand Isolde Schmitt-Menzel das Tierchen. Aus der anfänglich ungeliebten Zeichnung wurde ein treuer Begleiter, der die Künstlerin noch heute fasziniert.

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          Diese Frau ist einfach nicht zu bremsen. Die Pressekonferenz zur Eröffnung der Ausstellung über die „Maus“ und ihre Schöpferin in der Moritzburg in Halle läuft seit gut zwanzig Minuten, als Isolde Schmitt-Menzel den offiziellen Flyer zur Schau aus ihrer Tasche zieht und kurzerhand ausführt, wie sie ihn gestaltet hätte: „Mein Name hier ist schon mal viel zu groß.“ Also hat sie ihn weiß überklebt, der Maus eine Schnur mit einem Luftballon um den Fuß gebunden und darauf klein ihren Namen geschrieben, um nun ob der gelungenen Aktion freudestrahlend zu resümieren: „Hab ich auf dem Weg hierher gestaltet. Sieht doch gut aus, oder?“ Die Studenten lachen, an der Sache ändern können sie freilich nichts mehr; Plakate und Flyer sind längst gedruckt. „Und trotzdem würde ich ihren Vorschlag am liebsten übernehmen“, sagt Willy Dumaz. „Denn so sieht es noch mehr nach ihr aus.“

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Der Fünfundzwanzigjährige ist einer von fünf Kommilitonen, die an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design in Halle Spiel- und Lerndesign studieren und die sich im vergangenen Semester mit der Maus und ihrer Erfinderin auseinandersetzten. Denn vor sechzig Jahren hat auch Isolde Schmitt-Menzel auf der Burg studiert, aber das wusste bis vor wenigen Jahren hier so gut wie niemand und schon gar nicht, dass diese Künstlerin auch noch die berühmteste Maus des deutschen Fernsehens erfunden hat.

          Die deutsche Fernsehproduktion läuft in fast hundert Ländern

          Seit beinahe vierzig Jahren läuft „Die Sendung mit der Maus“ sonntags um 11.30 Uhr im Ersten, und obwohl die Sendung für Kinder und Schüler bis Klasse 3 gedacht ist, sind die Zuschauer im Schnitt vierzig Jahre alt, hat der WDR ermittelt. Eltern und Großeltern gucken eben gerne mit, wenn die Maus den Alltag und die Welt erklärt, und sie macht das offenbar so originell, dass mehr als 93 Prozent der Kinder zwischen sechs und elf Jahren das kecke orangefarbene Tier mit dem klackenden Augenaufschlag kennen. Heute läuft die Sendung in fast hundert Ländern und gilt damit als eine der erfolgreichsten deutschen Fernsehproduktionen überhaupt. Und Schmitt-Menzels Name steht bis heute auf Büchern, Filmen und Plüschmäusen.

          Daran war 1948 natürlich nicht zu denken, als sich Schmitt-Menzel in Halle für Keramik, Malerei sowie Buch- und Schriftgestaltung einschrieb und bereits nach zwei statt der üblichen drei Jahre ihre Gesellenprüfung, eine Art Vordiplom, ablegte. Mit 18 Jahren war sie damals hier die Jüngste, alle anderen waren älter, durch den Krieg am frühen Studium gehindert, aber „nach dieser Zeit dankbar, sich hier mit Kunst beschäftigen zu können“. Heute ist die Hochschule deutlich größer, aber die Gebäude auf der Burg stehen noch wie damals, ebenso der rosenberankte Wandelgang im Innenhof und der mit Weinlaub bedeckte Pavillon in dessen Zentrum. „Dort haben wir Aktzeichnen geübt, in dem Haus da drüben Seminar gehabt“, erinnert sich Schmitt-Menzel, als sie in ausgewaschener Jeansjacke und mit weißem Stoff-Sommerhut über das Gelände streift.

          Als Teenager malte Schmitt-Menzel für ihre kleine Schwester

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