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Diakoniecafé Lahr : Manchmal wird wegprofessionalisiert, wo Anteilnahme geboten ist

  • -Aktualisiert am

Riesige Schulden, weil sie sich nicht mitteilen

Auch Helga Böttler-Frank ist diese Thematik nicht fremd. „Du musst dazu stehen, Hilfe zu brauchen, um Unterstützung zu bekommen“, sagt sie aus ihren eigenen Erfahrungen. Die 63-Jährige arbeitet seit 14 Jahren ehrenamtlich in der Tagesstätte in Lahr und hat den Umgang mit Arbeitslosigkeit und finanziellen Schwierigkeiten von beiden Seiten miterlebt. Immer wieder musste sie selbst Zeiträume überbrücken, in denen sie ohne feste Arbeit zurechtkommen musste. Dieser Umstand war es auch, der sie letztlich zum „Café Löffel“ führte. Im Rahmen eines Bewerbungstrainings der Agentur für Arbeit erhielt sie dort ein vierwöchiges Praktikum, das sie schließlich dazu bewog, die Arbeit ehrenamtlich fortzusetzen. „Viele haben riesige Schulden, weil sie sich nicht mitteilen“, hebt sie hervor. „Normalerweise schlägt es dir niemand ab, wenn du deine Lage erklärst und gerade bei notwendigen Investitionen nach Ratenzahlung fragst“, ermutigt sie zu einem selbstbewussteren Umgang mit dem Bedürfnis nach Hilfe. Auch sie teilt Schneiders Unverständnis für weniger empathische Menschen. „Es gibt Menschen, die wissen nicht, was es heißt, mit wenig Geld auszukommen. Aber gerade wenn es einem gutgeht, könnte man doch ein Stück davon weitergeben“, kritisiert sie.

Zu dieser Erkenntnis ist auch die 75-jährige Renate Mahr gelangt. Nach einer gelungenen Herz-OP überkam sie der Wunsch, sich für ihr eigenes Glück in Form von ehrenamtlicher Arbeit zu bedanken und so andere auf der Suche nach dem eigenen Glück zu unterstützen. Während ihrer Arbeit im „Löffel“ hat sie vor allem eines gelernt: „Man muss lernen, dort hinzuschauen, wo die Gesellschaft ein blindes Auge hat“, philosophiert sie, während sie den Blick durch den Raum schweifen lässt, in dem Menschen verschiedenster Altersgruppen in regem Austausch sind. Vor allem ältere Männer, aber auch Frauen und vereinzelt Kinder sitzen gemeinsam um die rustikalen Holztische, essen und spielen. Auch Ehrenamtliche sind unter ihnen, die sich im freundschaftlichen Miteinander nicht weiter abheben. Alle kennen und duzen einander. Durch die verschiedenen Tischgruppen wird eine Grußkarte weitergereicht, in die jeder eine Kleinigkeit schreibt, das Geschenk für eine Mitarbeiterin, die bald Geburtstag hat.

Ehrenamtliche als Sprachrohr für Hauptberufliche

Zwischen ihnen sitzt Ursula Piechowicz, die mit mehr als 14 Jahren ehrenamtlicher Arbeit in der Einrichtung die erfahrenste Mitarbeiterin ist. Besonders die ungezwungene Atmosphäre zeichne das Café aus. Bei Kaffee und Kuchen würde zwanglos vieles anvertraut, was in einem kalten Büro nicht so leicht über die Lippen komme. Vor allem die Ehrenamtlichen seien hierbei beliebte Gesprächspartner. „Wir sind wie ein Sprachrohr für die Hauptberuflichen“, erklärt sie. Aktuelle Probleme der Besucher würden vor allem durch die Ehrenamtlichen an die beiden Hauptangestellten weitergegeben, die durch diese diskrete Informationsvermittlung innerhalb des Teams gezielter und effizienter helfen könnten. „Und so eine alte Wirtschaft macht eben auch einfach nicht den angsteinflößenden Eindruck nach Therapie“, sagt sie mit Blick auf die wohnliche Einrichtung mit dem grünen Kachelofen in der Mitte des Raums und den orangegelben Kissen. Die familiäre Atmosphäre lade zum Austausch ein. Gerade diese Möglichkeit zur unbefangenen Konversation ist entscheidend. „Diese Menschen haben, wenn sie die Anfangsschwierigkeiten, sich anzuvertrauen, überwunden haben, einen unheimlichen Bedarf an Gesprächen. Sie sind ja eine weitestgehend isolierte Gruppe.“

Aus den Schulden herauszukommen, falle vielen schwer. Einige sind bei der „Schufa“ aktenkundig, erhalten deshalb weder eine neue Arbeit noch eine Wohnung. „Für sie ist es verdammt schwierig“, bestätigt Piechowicz. Mit der Unterstützung der Angestellten können Besucher Privatinsolvenz anmelden und die Schulden Stück für Stück abbezahlen. Die Strategie der Mitarbeiter ist klar definiert: „Wir unterstützen die Hilfe zur Selbsthilfe, aber manche brauchen da einen kleinen Anstoß, sich für sich selbst einzusetzen.“ Dennoch erhält die Mitarbeiterin viel positive Resonanz von den Stammbesuchern, die die Zeit und Geduld, die ihnen entgegengebracht werden, zu schätzen wissen. „Sie merken eben, dass es hier in der Diakonie Menschen gibt, die Verständnis dafür haben, wie viel Auswirkungen ein Schicksalsschlag auf ein davor gutes und normales Leben haben kann. Aber ob es sie glücklicher gemacht hat, weiß ich nicht. Viele sitzen ja immer noch hier und haben nicht mehr ins alte Leben zurückgefunden. Darüber muss ich wohl noch nachdenken.“

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