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Deutsche Schule Bilbao : Wilhelm Tell im Baskenland

  • -Aktualisiert am

Bild: Jörg Mühle

Vamos zum Unterricht: An der Deutschen Schule werden Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Baskisch gesprochen.

          3 Min.

          Die Deutsche Schule Bilbao ist eine Schule der Begegnung“, sagt Marius Weinkauf, der seit September 2018 Schulleiter der DSB ist und Politik, Deutsch und Ethik unterrichtet. Die 1917 gegründete Schule ist Teil eines weltweit existierenden Netzes von 140 offiziell anerkannten deutschen Auslandsschulen. Diese Schulen sind wesentlicher Bestandteil der deutschen Kulturpolitik und erhalten eine starke Unterstützung sowohl finanzieller Art als auch in Form von Lehrpersonal aus Deutschland. Schüler schreiben ein anerkanntes deutsches Abitur. Hier unterrichten 64 Lehrer und Lehrerinnen, von ihnen sind zwölf deutsche Beamte. Deutschland investiert laut den Veröffentlichungen des Bundestages jährlich fast 300 Millionen Euro in die Auslandsschulen, die über die ganze Welt verteilt sind. „Wir haben für den weiteren Ausbau des Gymnasiums und für den Bau der neuen Sporthalle hohe Subventionen bekommen“, erklärt Weinkauf. Denn die Einrichtungen, die 1967 eröffnet wurden, sind seit Jahrzehnten für die immer größer werdende Zahl von Schülern viel zu klein geworden. Seit vier Jahren ist jeder Klassenraum mit zeitgemäßer Technologie ausgestattet, mit interaktivem Smartboard und Dokumentenkameras.

          Die Wiesen sind beliebt

          Die Schule befindet sich an einem Berghang in Bilbaos Wohnviertel von Txurdinaga. Das Gelände erstreckt sich über eine Fläche von 33 000 Quadratmetern und besitzt große Grünflächen. Diese Wiesen sind bei den Schülern beliebt: „Bei gutem Wetter spielen wir immer auf der Wiese, und beim Sportfest liebe ich die Wasserrutsche“, erzählt der kleine Diego, der mit anderen auf der Wiese spielt, die die Grundschule mit der Schulmensa, einer ehemaligen Kapelle, verbindet. Auf dem Schulhof redet eine „cuadrilla“, das baskische Wort für „Clique“, über die Klassenfahrt nach Diez, die seit 22 Jahren organisiert wird und bei der die Schüler eine Woche in einer Jugendherberge verbringen. Insgesamt stärken sechs Klassenfahrten nach Hamburg, Berlin oder Schleswig-Holstein die spanisch-deutsche Freundschaft. Es hat gerade geklingelt, und die Grundschüler rennen, fast alle in Schuluniform, die Treppe hoch, die zum Eingang führt. Das Stereotyp der spanischen Unpünktlichkeit scheint sich hier nicht zu erfüllen, zumindest bei den Jüngsten nicht. „Vamos, zum Unterricht!“, ruft eine Lehrerin.

          Die Oberstufe besteht aus vier Klassen, zwei in jedem Jahrgang, mit etwa 20 Schülern je Klasse. Die Schüler der 11A interpretieren gerade eine Szene von „Wilhelm Tell“, um sich für das Abitur vorzubereiten. Faszinierend an einer Schule, an der mehr als 90 Prozent Spanisch als Muttersprache haben und Englisch, Französisch und Baskisch bis zum Abitur lernen. Die Deutsche Schule Bilbao ist eine Schule mit drei Abteilungen, die Oberstufenschüler kennen sich daher seit dem Kindergarten. Hier wachsen Freundschaften, die ein Leben lang halten. Viele Ehemalige schicken ihre Kinder wieder an die Schule, der Vorstand besteht ausschließlich aus ehemaligen Schülern. In den jährlichen Weihnachts- und Frühlingskonzerten trifft sich die Schulgemeinschaft und genießt die Auftritte der Schüler von den Kindergartenkindern bis zu den Abiturienten. Mehr als 100 Schüler sind auf der Bühne und singen in allen fünf Sprachen der Schule, auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Baskisch.

          Helmut Rössler unterrichtet seit mehr als 40 Jahren

          Ziel sei, „die Schüler zu Selbständigkeit, Selbstbestimmung und Verantwortungsbewusstsein“ zu erziehen. „Das deutsche Schulsystem ist anders als das spanische: Es geht in unserer Schule nicht so sehr um das Auswendiglernen von Informationen, um diese dann in der Klassenarbeit anzuführen, wir möchten unseren Schülern beibringen, Zusammenhänge zu erkennen, zu interpretieren, und versuchen, dass sie die geistige Reife erreichen“, erklärt Helmut Rössler, Deutsch- und Ethiklehrer im Gymnasium. Er unterrichtet seit mehr als 40 Jahren an Schulen in Deutschland, Spanien und Portugal. Die Deutsche Schule Bilbao befindet sich im Baskenland, einer autonomen Region Spaniens, in der es neben Spanisch eine zweite Amtssprache gibt: das Baskische. „An der DSB lernen wir natürlich auch die zweite offizielle Sprache der Region“, sagt Weinkauf. Die erfahrene Baskischlehrerin Karmele Alcibar sagt: „Wenn die Schüler vollkommen fließend Baskisch sprechen wollen, dann müssen sie das auch außerhalb der Schule in den Familien trainieren und lernen.“ Sie hat für den Erhalt der baskischen Sprache an der DSB in den vergangenen zwei Dekaden, in denen sie unterrichtet hat, viel gekämpft. Sie ist stolz darauf, dass das Baskische heute fest verankert und akzeptiert im Schulleben ist. Unter den vielen Sprachen hört man immer wieder, wenn auch selten, einzelne Kinder baskische Wörter benutzen. Doch die „cuadrillas“ auf dem Pausenhof reden auf Deutsch oder Spanisch.

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