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Demo für „Hobbit“ : Mittelerde probt den Aufstand

  • -Aktualisiert am

Tausende Neuseeländer in mehreren Städten sind für den „Hobbit” auf die Straße gegangen Bild: dpa

Neuseeland will Drehort des „Hobbit“-Films bleiben. Am Dienstag versuchte sogar der Premierminister den Standort zu retten. Der Verlust des zweiteiligen Films wäre für das Land ein schwerer Schlag.

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          Am Dienstag schaltete sich der Premierminister selbst ein. John Key verhandelte mit Managern der Filmgesellschaften Warner Brothers und New Line Cinema in Wellington über das Filmprojekt „The Hobbit“. So weit musste es kommen, weil Streikdrohungen einer Schauspielergewerkschaft dazu geführt hatten, dass die Produzenten und der neuseeländische Regisseur Sir Peter Jackson drohten, die Verfilmung aus Neuseeland abzuziehen. Daraufhin waren Tausende Neuseeländer in mehreren Städten für den „Hobbit“ auf die Straße gegangen.

          Der Regierung des Landes mit dem Werbespruch „Am schönsten Ende der Welt“ ist das Projekt offenbar wichtig. Drei Regierungs-Limousinen chauffierten die Filmmanager ins „Premier House“, die Residenz des neuseeländischen Regierungschefs. Dort warteten neben Key auch der Verkehrsminister, der Minister für wirtschaftliche Entwicklung sowie der Kunst- und Kulturminister. Nach zweistündigen Gesprächen berichtete Key, Anwälte beider Seiten würden über Nacht weiter beraten. Er sei sogar bereit, gewisse Gesetze zu ändern, um die Produktion in Neuseeland zu halten. Man werde sich aber nicht an einem „Bieterwettbewerb“ mit konkurrierenden Ländern beteiligen. Der Regierungschef rechnet mit einer Entscheidung bis Ende dieser Woche und schätzt die Chancen für sein Land mit 50 zu 50 ein.

          Andere Länder bieten höhere Steuerersparnisse

          Die australische Schauspielergewerkschaft, deren neuseeländische Zweigstelle die Streikdrohung ausgesprochen hatte, ist inzwischen von ihren Forderungen nach einem einheitlichen Vertrag für alle Mitwirkenden abgerückt. Jackson, der mit seiner Trilogie „Herr der Ringe“ (die in den Jahren 2001, 2002 und 2003 in die Kinos kam) einen der größten Erfolge der Filmgeschichte erzielte, sprach trotzdem von der Zerstörung eines Vertrauensverhältnisses.

          Schauspieler Mark Harrison in Aktion

          In Neuseeland werden allerdings noch weitere Gründe für einen möglichen Umzug der Produktion nach London in die „Leavesden Film Studios“, wo auch „Harry Potter“ gedreht wurde, oder nach Osteuropa genannt. So bieten andere Länder höhere Steuerersparnisse an, außerdem hat der neuseeländische Dollar im Vergleich zu seinem amerikanischen Namensvetter gewaltig zugelegt.

          Ein Verlust des zweiteiligen Films, dessen erste Hälfte Ende 2012 in die Kinos kommen soll, wäre für die neuseeländische Film- und Tourismusbranche ein schwerer Schlag. Die Filmindustrie selbst hat einen gewaltigen Aufschwung erlebt, auch andere Mainstream-Filme wie „Der letzte Samurai“ (mit Tom Cruise) oder „King Kong“ (ebenfalls von Jackson) wurden in Neuseeland gedreht. In der Hauptstadt Wellington etablierten sich der Weta Workshop, in dessen Büros die meisten Computeranimationen für den „Herr der Ringe“ und für andere Filme und Fernsehserien entstanden.

          Die Verfilmungen der Bücher von Tolkien sollen mehr als 600 Millionen neuseeländische Dollar (320 Millionen Euro) ins Land bringen. Neuseelands wichtigste Industrie, Tourismus, hatte von der Tolkien-Triologie enorm profitiert, das gesamte Land hatte sich im Ausland als „Mittelerde“ vermarktet. Die eindrucksvolle Natur war von Jackson, der aus Neuseeland stammt und am kommenden Sonntag seinen 49. Geburtstag feiert, genial eingesetzt worden und hatte Zehntausende Touristen bewogen, den langen Flug ans andere Ende der Welt in Kauf zu nehmen. Ein Marketingexperte sagte jetzt, die Filme hätten sogar darauf Einfluss genommen, dass ein Franzose im Supermarkt schon einmal zu einer Flasche Sauvignon Blanc aus Neuseeland greift.

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