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Dauercamperin : Fünf Liter zum Duschen

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Mehr Hunde als Camper

Den typischen Camper gebe es auf dem Campingplatz Sonnenwiese nicht. „Die sind alle aus verschiedenen Gründen hier.“ Viele kommen am Wochenende oder im Sommer, um dort Zeit zu verbringen. Samstags und sonntags sind deutlich mehr Kinder zu sehen. Grundsätzlich leben dort eher ältere Menschen, obwohl Anne gerne sagt: „Hier sind mehr Hunde als Camper.“ Es gibt hier auch Menschen, die der Typ Aussteiger sind. Das heißt, dass sie ohne Internet leben und nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen wollen. So lebt Anne nicht, sie bekommt oft Besuch von Freunden oder fährt zu ihnen. Auch in der Umgebung des Platzes fühlt sich die Frau mit den blonden Haaren, die sie zu einem lockeren Dutt zusammengebunden trägt, wohl. Er liegt nah an der Ems, wo sie gerne mit ihrem Hund spazieren geht, und es ist nicht weit zu dem Pferdestall, in dem ihr Pony steht. Allerdings gibt es keinen Bahnhof in der Nähe, und um mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, ist es zu weit. Daher muss die Camperin meistens auf ihr Auto zurückgreifen. Das ist etwas, was sie vermisst: einfach mal mit dem Drahtesel in die Stadt radeln. Was ihr auch fehlt, ist ein Backofen, denn in ihrer WG hat sie gerne gebacken: „Ich freue mich schon total darauf, wieder einen Backofen zu haben. Aber ansonsten genieße ich es hier total.“ Die Münsterländerin hat eine Wasser-Flatrate, kann also unbegrenzt Wasser nutzen, muss allerdings für den Strom extra bezahlen. Eine Gasheizung gibt es auch, die benutzt sie aber nicht. „Ich hab’ Angst vor Gas. Als ich eingezogen bin, war es nachts schon noch manchmal kalt. Aber dann war das ganz angenehm, wenn der Hund an den Füßen lag.“

Bei Regen ist es „schweinelaut“

Weit gereist ist der Wagen in letzter Zeit nicht mehr. Vor dem Einzug war Anne nur einmal für einige Tage mit ihrem „alten Schätzchen“ in Dänemark. Dennoch hat der Wohnwagen immer noch TÜV, darf also noch auf der Straße fahren. Die bunte Fahrradklingel neben der Tür soll allerdings nicht andere Verkehrsteilnehmer warnen, sondern wurde extra für Besucher angebracht. Benutzt hat sie aber noch keiner. Meistens verbringt Anne ihre Zeit sowieso draußen. Seit die Dauercamperin dort eingezogen ist, gab es auch schon ungemütliche Tage. Wenn der Wind von unten gegen den Wohnwagen drücke, sei das schon ein komisches Gefühl. „Es ist schweinelaut, wenn es regnet.“ Auch ihr Vorzelt ist noch nicht sturmsicher, denn es ist noch nicht richtig im Boden befestigt. Im Moment sei das kein Problem: „Gerade ist alles tutti.“ Auch vor Einbrüchen hat sie keine Angst. Wenn sie tagsüber im Kindergarten ist, bringt sie ihren Hund vorher immer zu ihrem Vater, der in der Nähe ihrer Arbeitsstelle lebt. Im November fängt Annes Referendariat an. Wo genau das sein wird, weiß sie noch nicht. Sicher ist aber, dass sie dann nicht mehr im Wohnwagen leben wird: „Dafür ist hier einfach zu wenig Platz.“ Wenn, dann brauchte sie einen größeren Wagen mit einem richtigen Arbeitsplatz, denn jeden Tag das Bett zum Tisch umzubauen, kommt für sie nicht in Frage.

Korrektur auf der Plastikbank

Um im Wohnwagen zu überwintern, brauchte sie einen Heizlüfter, um es auch an kalten Tagen gemütlich zu haben. Was sich die begeisterte Camperin aber vorstellen kann, ist, den Wohnwagen stehen zu lassen, um am Wochenende dort zu entspannen. „Meine Freunde finden das fast alle cool, wie ich hier lebe.“ Eine gute Freundin, die auch Lehrerin ist, kommt gerne nachmittags vorbei, setzt sich auf die weiße Plastikbank in die Sonne und korrigiert Klausuren.

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