https://www.faz.net/-gum-8ubww

Chefkoch : Hessische Spezialitäten für David Beckham

  • -Aktualisiert am

Bild: Andrea Koopmann

Oberhesse Peter Find ist Chefkoch im Ritz-Carlton, im höchsten Gebäude Hongkongs. Seinen prominenten Gästen tischt er blauen Hummer und Mutters Kuchen auf.

          In Bahrein habe ich einmal Formel-1-Rennfahrer Michael Schuhmacher bekocht, aber auch Politikgrößen wie Gerhard Schröder oder die Pop-Ikone Michael Jackson“, sagt Peter Find und blickt zufrieden auf die Skyline von Hongkong. Der fast zwei Meter große Küchenchef spricht gerne mit seinen Gästen, die oft keine gewöhnlichen Touristen sind: „In Hongkong sind unsere prominenten Gäste häufig aus der Musikindustrie und heißen Robin Schulz oder Lady Gaga. Aber auch David Beckham samt Familie war bei mir im Restaurant. Man hat schon Respekt vor solchen Persönlichkeiten.“

          Sündhaft teure Cocktails

          Der 52 Jahre alte Oberhesse ist Executive-Chef im Ritz-Carlton Hotel in Hongkong, einem Luxushotel, das sich mit seinen 312 Zimmern in den oberen 16 Etagen des International Commercial Centre, dem höchsten Gebäude der Stadt und dem siebthöchsten der Welt, befindet. An diesem klaren Tag ist Peter Find in der höchstgelegenen Hotelbar der Welt, der Ozone-Bar, unterwegs und sucht den Kontakt zu den Besuchern, die die atemberaubende Skyline genießen. Neben der High Society der südchinesischen Millionen-Metropole sind hier auch viele Touristen anzutreffen, die im 118. Stockwerk bei dezenter Musik sündhaft teure Cocktails schlürfen. Die unbeschreibliche Aussicht von Kowloon auf Victoria Harbour, die glitzernde Skyline von Hongkong Island und die Beratung des Küchenchefs sind im Preis inbegriffen.

          Für 130 Köche verantwortlich

          Peter Find ist für sechs Restaurants, die teilweise mit Michelin-Sternen ausgezeichnet sind, und 130 Köche verantwortlich. „Allerdings ist mein Beruf kein Zuckerschlecken. Der Arbeitstag beginnt um 8.30 Uhr und endet frühestens um 22 Uhr, oft auch um Mitternacht - und das bei einer Sechs-Tage-Woche“, sagt der zweifache Familienvater. Der gelernte Metzger, der noch eine Kochlehre absolviert hat, gehört mit seiner beachtlichen Körpergröße von 1,93 Meter sicherlich zu den größten Küchenchefs der Welt. Aufgewachsen in einem Dorf nahe Gießen dachte er in jungen Jahren nie daran, eines Tages im Ausland Karriere zu machen. Nachdem er in Deutschland und in der Schweiz in einigen Gourmet-Restaurants Erfahrung gesammelt hatte, gab es eine asiatische Welle, die die europäischen Gourmet-Restaurants überflutete. „Es wurde viel mit Gewürzen und Einflüssen aus dem asiatischen Raum experimentiert. Weil irgendwann alles gleich schmeckte, wollte ich wissen, wie man wirklich asiatisch kocht.“

          Lernen auf Reisen und durch Lektüre

          Ein Praktikum 1995 im Hyatt Hotel in Singapur erschloss ihm die asiatische Kochkunst. Danach arbeitete er bis 2001 im Pierrot in Hongkong und vier Jahre im Ritz-Carlton in Bahrain. Vor sieben Jahren, mit der Eröffnung des neuen Hotels, wurde er schließlich zum Küchenchef des Ritz-Carltons in Hongkong ernannt. „Kochshows schaue ich eher selten, aber die von Johann Lafer auf dem Auslandsrundfunkkanal Deutsche Welle finde ich ganz interessant und unterhaltsam.“ Ab und zu verrate Lafer ein paar Tricks oder habe tolle Ideen. Lernen könne der Spitzenkoch davon allerdings wenig: „Um besser zu werden, gehe ich aber gerne auf kulinarische Reisen oder lese Bücher“, sagt Find mit hessischem Akzent. Der leidenschaftliche Koch, der nur noch zwei- bis dreimal im Monat bei einem sogenannten Chef-Table selbst vor den Augen der Restaurant-Gäste Hand anlegt, stellt klar: „Morgen gibt es blauen Hummer und Kürbissuppe. Für das perfekte Ambiente ist gesorgt.“

          Weitere Themen

          Die Freiheit des Andersschmeckenden

          Geschmackssache : Die Freiheit des Andersschmeckenden

          Ulrich Heldmann hält in der Arbeiterstadt Remscheid mit bemerkenswerter Beharrlichkeit die Fahne des sehr guten Essens hoch. Doch das wird selbst für ihn immer schwieriger. Die Kolumne Geschmackssache.

          Topmeldungen

          Ehemaliger Lebensmittelladen in Loitz: Der Solidaritätszuschlag dient in erster Linie zur Finanzierung der Kosten, die die deutsche Wiedervereinigung verursacht hat. (Archiv)

          Wortbruch der Union : Soli-Schmerzen

          Dass ein Teil des Soli bleibt, dürfte für die Betroffenen finanziell zu verschmerzen sein. Nicht aber der Wortbruch der Union – und das bittere Gefühl, dass ihr Sondereinsatz für das Land nicht einmal wertgeschätzt wird.
          Trotz Sanktionen: Schweißer arbeiten Anfang April im Karosseriebau des Mercedes-Benz Werks im Industriepark Jessipowo bei Moskau

          Russland-Sanktionen : Der Preis des Zurückweichens

          Die Russland-Sanktionen waren ein Signal. Deren Aufhebung wäre es erst recht – die EU würde damit demonstrativ vor Moskaus Politik der Gewalt und Drohung zurückweichen.

          FAZ Plus Artikel: Youtube : Die neue Mündlichkeit

          Rezos Video rechnet mit Lesern, die lesen können, aber meistens nicht gelesen haben, was er für sie gelesen hat. Wie Youtube das Verhältnis von gesprochenem Wort, Schrift und Wissen verändert.
          Der frühere Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Olivier Blanchard. (Archiv)

          EZB-Konferenz in Sintra : „Es gibt keine Schuldenkrise“

          Die Eurozone braucht eine expansive Finanzpolitik und weniger strenge Schuldenregeln, sagt der Ökonom Olivier Blanchard bei der EZB-Konferenz in Sintra. Strukturreformen alleine genügten nicht, um das Wirtschaftswachstum zu beleben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.