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Café in Göttingen : Geheime Rezepte

  • -Aktualisiert am

Edel, altmodisch und ein wenig wie aus der Zeit gefallen ist das Kaffeehaus „Cron & Lanz“ in Göttingen, das sich mit handgefertigten Pralinen und Baumkuchen auch in der Pandemie behauptet.

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          Trotz der selbstverständlich vorgeschriebenen Maske ist der feine und schokoladige Geruch von Pralinen und Baumkuchen unverkennbar. Hell leuchtet das Kaffeehaus „Cron & Lanz“ mitten in der Fußgängerzone der Göttinger Innenstadt. Im Zentrum des Verkaufsraumes sind unzählige golden glänzende Pralinenschachteln säuberlich gestapelt. „Alles von Hand gefertigt, vom Champagner-Himbeer-Trüffel bis zum Mandelsplitter“, versichert Ulrike Grummes-Salamon, die mit ihrem Vater das Café führt, sichtlich stolz. Im Raum dahinter, wo im Sommer noch Menschen saßen, die Kaffee tranken und Schwarzwälder Kirschtorte oder gefüllte Baumkuchentorte aßen, ist es dunkel und leer – fast ein wenig trostlos. Trotzdem stehen hinter dem Verkaufstresen vier Mitarbeiterinnen und bedienen die teils entspannten, teils gestressten Kunden des Kaffeehauses, die ihren Weg hierher gefunden haben und die Corona-Regeln streng befolgen.

          Seit mehr als 140 Jahren

          Die Infobroschüre, die auch eine Speisekarte beinhaltet, sieht aus wie fast alles in dem Kaffeehaus: edel, altmodisch und ein bisschen vergoldet. Aus ihr lässt sich entnehmen, dass das traditionsreiche Unternehmen samt Café schon seit 1876, also seit mehr als 140 Jahren existiert. Auch das gedimmte Licht der Kronleuchter und das Logo – eine goldene Krone mit zwei gekreuzten Speeren –, die einkaufenden Rentner und die vornehme Einrichtung lassen das Café ein bisschen aus der Zeit gefallen wirken. Die lange Tradition ihres Cafés ist für Grummes-Salamon von großer Bedeutung. Sie erzählt von den sieben Schichten Fußboden, die es aufgrund der Renovierungen im Haus gebe, und von den zum Teil über 100 Jahre alten Geheimrezepten für Kreationen, die das Kaffeehaus auf keinen Fall verlassen dürften. Trotzdem betont Grummes-Salamon, die das Café in vierter Generation führt, dass sie ihre Kinder keinesfalls dazu zwingen möchte, das Café als Familienbetrieb auch in fünfter Generation weiterzuführen.

          Mit einem blauen Auge davongekommen

          Den Gesichtsmasken, die alle Beteiligten tragen, zum Trotz wirkt die Situation alltäglich. Doch natürlich ist die Lage aufgrund von Corona alles andere als normal. Schließlich geht es bei vielen Unternehmen um nichts weniger als die Existenz, und Frau Grummes-Salamon sorgt sich entsprechend um ihr Café. Corona habe zu massiven Umsatzeinbußen geführt. Vor allem, da das Kaffeehaus im ersten Lockdown im März und April komplett schließen musste. Die geltenden Regeln erlauben zumindest einen Lieferservice und die Öffnung der reinen Verkaufsfiliale. Damit das möglichst reibungslos funktionieren kann, habe, so Grummes-Salamon, das Unternehmen bereits im Frühling den vorhandenen Versand- und Lieferservice ausgebaut. Aufgrund dieses Service, der Verkaufsfiliale und Rücklagen sei Cron & Lanz noch mit einem blauen Auge davongekommen. Grummes-Salamon blickt optimistisch in die Zukunft ihres traditionsreichen Cafés. Vielleicht ist es ja genau das, was wir in der Krise brauchen. Ein bisschen Optimismus!

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