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Buswartehäuschen von Bill und Tom : Gemeinde verscherbelt Tokio-Hotel-Gedenkstätte

  • Aktualisiert am

Das Buswartehäuschen von Bill und Tom, als es noch ganz war Bild: dpa

Es ist seit Mai zerstört, für Tokio-Hotel-Fans jedoch immer noch ein heiliges Relikt. Und so sind sie jetzt auch wenig begeistert, dass die Gemeinde Loitsche die Reste des Häuschens, in dem Bill und Tom einst auf den Bus warteten, bei Ebay anbietet.

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          Die Versteigerung des Buswartehäuschens mit Erinnerungen an Bill und Tom Kaulitz hat bei den Tokio-Hotel-Fans keine große Begeisterung ausgelöst. Birgit Erdmann, die im Auftrag der Gemeinde Loitsche für den Verkauf zuständig ist, hat am Montag auch böse Reaktionen erhalten. Ob sie denn verrückt sei, die Teile des Häuschens zu solch horrenden Preisen anzubieten, wurde sie gefragt. Die Einzelteile werden bei Ebay für 500 bis 4000 Euro angeboten - insgesamt für 14.600 Euro.

          Bis zum April dieses Jahres war das Holzhäuschen eine Pilgerstätte der besonderen Art. Die vor allem weiblichen Fans der Band Tokio Hotel pilgerten in Scharen zur Bushaltestelle in Loitsche (Sachsen-Anhalt) und verewigten sich an den Wänden mit Graffitis, Liebeserklärungen für die Stars von Tokio Hotel, mit Bildern und einfachen Namenszügen. Manche übernachteten gar dort. Bis das Häuschen am 1. Mai dieses Jahres von Randalierern zerstört wurde.

          Gekauft hat noch niemand

          Nun stehen die Reste des Buswartehäuschens aus dem Heimatort der Tokio-Hotel-Musiker Bill und Tom Kaulitz zum Verkauf. Seit Sonntag werden den Fans die Reste des Häuschens in sechs Einzelteilen offeriert. Gekauft hat noch niemand, geguckt haben schon viele; circa 2000 Interessenten haben sich die Angebote angeschaut. Doch für die Fans, die selbst noch meist im Teenie-Alter sind, sind natürlich 500 oder gar erst 4000 Euro ein Haufen Geld. Aufzubringen für die allermeisten wohl nur mit elterlicher Hilfe.

          Liebeserklärung an der Wand

          Birgit Erdmann verteidigt die Preise. Sie habe sich mit verschiedenen Leuten unterhalten, die sich auskennen in der Welt der Fans. Und die meinten eben, ein echter Fan sei durchaus bereit, auch eine große Summe zu bieten, um einen solchen Schatz wie die Teile des Kultwartehäuschens zu erwerben. Immerhin könne man die als Raumteiler aufstellen und sich fühlen, als sei man bei seinen Stars, nennt Erdmann einen potenziellen Verwendungszweck. Schließlich haben ja in diesem Häuschen Bill und Tom so manches Mal Unterschlupf vor Regen gesucht.

          Nur ein Versuch

          Geboten werden kann noch bis zum 20. August, wenn die Häuserteile nicht vorher von einem zahlungskräftigen Fan weggeschnappt werden. Interessenten dürfen übrigens auch Angebote unterhalb des festgesetzten Verkaufspreises unterbreiten. Davon haben laut Birgit Erdmann einige bereits Gebrauch gemacht. Allerdings lagen die Offerten alle unterhalb von 10 Euro. Da aber von dem Verkaufserlös ein neues Wartehäuschen für Loitsche errichtet werden soll, sind diese Angebote allesamt abgelehnt worden.

          Birgit Erdmann sieht's gelassen. Das Ganze sei ein Versuch. Man werde sehen, ob es funktioniert. Wenn nicht, dann soll das Häuschen in einzelne Brettchen zerlegt und in ganz kleinen Einzelteilen zur Versteigerung angeboten werden. Das sei zwar nicht dasselbe, doch so könne man mehr Fans glücklich machen und die Teile in alle Welt verschicken. Die derzeit angebotenen Wände und Giebelteile hingegen müssen selbst abgeholt werden.

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