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Bundesbank-Bunker : Milliarden DM gebunkert

  • -Aktualisiert am

Bild: Moni Port

Es scheint beinah unglaublich: Milliarden DM lagern 30 Meter unter der Erde. Eine Führung durch den Bundesbank-Bunker in Cochem.

          4 Min.

          Es sind 26 Milliarden DM, zunächst sorgfältig gelagert, um später geschreddert zu werden – beinahe unglaublich. „Unser Hauptanliegen ist es, unseren Gästen aus nah und fern einen Teil der deutschen Geschichte und Geldgeschichte im Bewusstsein zu halten“, formuliert Antonia Mentel ihr Anliegen. Schon seit der Öffnung des Bundesbank-Bunkers für die Öffentlichkeit im Jahre 2016 verfolgte sie interessiert die Geschichte des Bunkers, der sich in Cochem an der Mosel befindet, bis sie schließlich 2018 auch hauptberuflich dort tätig wurde und unter anderem mit Hilfe der sozialen Medien den Bekanntheitsgrad des Bunkers in der Öffentlichkeit zu erhöhen versucht. Die Bauarbeiten zur Bunkeranlage begannen im Jahr 1962. Im April 1966 war die Anlage fertiggestellt. Der Bunker wurde ausschließlich für die Lagerung eines Teils der knapp 26 Milliarden DM der Ersatzwährung BBk II verwendet, weshalb seine Existenz auch streng geheim gehalten werden sollte. „Je weniger Mitwisser, desto besser“, nennt Antonia Mentel als Grund dieser Geheimhaltung. Nur wenige, darunter vereinzelte Mitarbeiter der Deutschen Bundesbank, wurden eingeweiht. „Über diverse Entscheidungen, die die Ersatzserie betrafen, wurden sie allerdings nicht informiert.“

          Drei Angestellte machten Kontrollgänge

          Über eine Treppe nach unten wird die kleine Besuchergruppe von Peter Peifer, einem der Führer durch die Bunkeranlage, in einen kleinen, kalten Zwischentresorraum geführt. Peifer war zuvor als Hausmeister in der Bunkeranlage tätig und hilft nun als Rentner aushilfsweise aus. Dort beginnt er mit einer ersten Darlegung geschichtlicher Hintergründe. Drei Angestellte vor Ort waren für die Kontrollgänge über das Außengeländes zuständig. Von diesen hatte jedoch keiner die Möglichkeit, selbst in den Tresor zu kommen. Diese Tresorkontrolle lag bei den Schlüsselführern aus Frankfurt, die in unregelmäßigen Abständen den Bestand kontrollierten. Nach dem „Sechs-Augen-Prinzip“ und der Dokumentierung dreier Unterschriften der Stammpersonen war ein möglicher Diebstahl innerhalb des Bunkers, wenn überhaupt, nur schwer möglich. „Zusätzlich waren die Tresorräume durch Schallsensoren gesichert, die die kleinsten Erschütterungen an der Mauer wahrnahmen und den Alarm auslösten“, erläutert Antonia Mentel. „Kameras gab es jedoch nicht“, ergänzt Peifer. Der Weg führt weiter durch kilometerlange, oval geformte Gänge. Deren aus Beton bestehende Wände weisen eine unterschiedliche Wandstärke von 20 Zentimeter bis zwei Meter auf. An deren Wänden verlaufen diverse Versorgungsleitungen zur Be- und Entlüftung, Abgaslüftung und Wasserversorgung. Entlang des Weges befinden sich mehrere Metalltüren, hinter denen sich die Schlaf- und Arbeitsräume der Mitarbeiter verbergen.

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