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Buchbinder : Gute Bindung im Kloster

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Bruder Jakobus ist Buchbinder in der Benediktinerabtei Maria Laach in der Vordereifel. Mit Begeisterung näht der gelernte Tischlermeister Bücher zusammen.

          Mit einer Schraubahle, einem nadelartigen Werkzeug, sticht Bruder Jakobus auf Höhe der Faltstelle in regelmäßigen Abständen Löcher in die Lage, durch die später der Faden geführt wird. Bevor man mit dem Nähen, was in der Fachsprache als Heften bezeichnet wird, beginnen kann, ist es wichtig, die Lage genau über den schon gebundenen Blättern zu positionieren. Andernfalls ist der Buchrücken am Ende nicht gerade und das Buch weniger stabil. „Der Faden wird vor dem Nähen gewachst, dadurch wird er robuster und ist konserviert“, deutet Bruder Jakobus auf das Bienenwachs in der Tischmitte. Er betreibt seit sieben Jahren die Buchbinderei in der seit 926 Jahren bestehenden Benediktinerabtei Maria Laach in der Vordereifel am idyllischen Laacher See gelegen. Mit großer Sorgfalt widmet er sich dem Binden eines Büchleins. Die im Vergleich zur Klebebindung aufwendigere Fadenheftung soll es werden. „Dafür muss man das Buch so richtig nähen“, erklärt er und steckt vier gefaltete Blätter Papier zu einer Lage zusammen. „Das dauert je nach Aufwand bis zu einer Woche. Es macht Spaß, mal schnell ein Buch zu binden, es macht aber auch Spaß, ein ganz aufwendiges zu machen.“ Zurzeit steckt sein Herzblut im Binden eines Buches, das optisch mittelalterlichen Werken nachempfunden ist. Ein Pfarrer aus der Region möchte es als Gedenkbuch verwenden. Der Buchdeckel wird aus Ahornholz angefertigt. „Die Buchseiten sollen von Hand beschriftet werden, so wie es im Mittelalter üblich war“, schwärmt Jakobus.

          Handschrift aus dem Jahre 800

          Neben dem Wachs liegen kleinere Gewichte, mit denen man während des Bindens die Lagen beschweren kann, um ihr Verrutschen zu verhindern. Die Nadel mit gewachstem Faden wird nun durch die einzelnen Löcher im Papier geführt und am Ende jeder Lage mit der vorherigen verknotet. Mit einem Falzbein wird die Lage glattgestrichen. Als alle Lagen angebracht sind, verteilt Bruder Jakobus mit einem Pinsel Leim auf dem Buchrücken; dieser verbindet die Lagen miteinander und dient als Scharnier. Das Büchlein legt er zum Trocknen beiseite und beschwert es mit einem Gewicht. Um sein Ordensgewand zu schützen, trägt der hochgewachsene Mönch eine blaue Handwerkerschürze. Zu seiner Arbeit gehört das Restaurieren von Büchern. Oft bekommt er Aufträge von außerhalb, auch die Klosterbibliothek hat beschädigte Bücher. „Das älteste, was wir haben, ist eine Handschrift aus dem Jahre 800.“ Daran traue er sich noch nicht heran. „Da hab’ ich wirklich große Ehrfurcht und Respekt vor. Ich habe schon Bücher gesehen, die auch jemand repariert hat, das war so grauenhaft.“ Er besucht regelmäßig Kurse, um dazuzulernen, und bietet selbst welche an. Den Beruf kann man in einer dreijährigen Ausbildung erlernen. Bruder Jakobus hat eine neunmonatige Ausbildung in der Landesbibliothek Koblenz absolviert.

          In jahrhundertealter Tradition

          Nach einer Stunde Trockenzeit legt er das Büchlein unter eine alte Schneidemaschine der Firma Herold. „Die Maschinen haben schon alle einen Museumswert“, gibt er grinsend zu. „Die älteste, die ich habe, ist diese Heißprägepresse von 1897.“ Begeistert sagt der 53-Jährige: „Die wird noch mit Gas betrieben.“ Mit Hilfe der Schneidemaschine werden die Buchblöcke auf Länge und Breite geschnitten. Zufrieden mit dem Ergebnis, kümmert sich Bruder Jakobus um die Rundung des Buchblocks. Dazu hämmert er vorsichtig auf den oberen und danach den unteren Rand des Buchrückens und zieht mit der linken Hand gleichzeitig die Seiten zu sich heran. „Die Bücher werden eigentlich so gebunden wie vor 500 Jahren auch. Ich bin da in einer jahrhundertealten Tradition.“ Dies sei eines der Dinge, die ihn faszinierten. „Die Bücher, die ich mache, sind wirklich individuell.“ Als gelernter Tischler und auch Meister in diesem Handwerk hat der gebürtige Westerwälder die Abtei als Gast besucht und trat 1995 in den Orden ein. Dort war Bruder Jakobus zunächst in der Schneiderei, Küche und im Besucherbereich tätig.

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