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Bubble Hotel : Übernachten in der Seifenblase

  • -Aktualisiert am

Bild: Zuni von Zubinski

Rundum freie Sicht: In der Kartause Ittingen steht an einem versteckten Standort ein transparentes Bubble Hotel mit leisem Gebläse

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          Zwüsched Rebe und Öpfelbaum“, so beschreibt die 23-jährige Miranda Diggelmann die Lage der Seifenblasen lächelnd. Bevor sie begann, bei der PR-Agentur Star Productions zu arbeiten, war sie als Volontärin beim „St. Galler Tagblatt“ angestellt und konnte für einen Artikel der „Thurgauer Zeitung“ selbst im Bubble Hotel in Kartause Ittingen TG, einem kleinen Ort, 20 Kilometer von Winterthur entfernt, übernachten. Da steht das transparente Zelt aus Plastik – als Seifenblase getarnt – auf einem Podest, einer Holzplatte mit einem Durchmesser von vier Metern, von Kieselsteinen umringt. Im Hintergrund sind ein Dutzend dichte Trauerweiden zu sehen, rechts neben dem Zelteingang ein kniehoher Blauglockenbaum, links davon ein schmaler, etwa ein Meter hoch gewachsener Kreuzdornstrauch. Daneben finden sich noch ein runder roter Metalltisch, grüne Stühle mit abgerundeten Holzlatten, der Blick ausgerichtet auf einen riesigen Weinberg.

          Ein Bett aus Massivholz

          Die Kartause Ittingen ist einer von sechs Standorten, an denen man in einem Bubble Hotel übernachten kann. Angeboten werden die Seifenblasen von der Touristeninformation Thurgau in Romanshorn am Bodensee. Die Standorte der Bubbles sind so ausgelegt, dass sie sich in der Nähe einer „festen“ Unterkunft befinden. Sie sind jedoch so versteckt, dass sie keiner sieht, bevor man gezielt eine Seifenblase ansteuert. Im Inneren der Seifenblase sieht es aus wie in einem normalen Hotelzimmer mit dem Unterschied, dass hier die die Sicht begrenzenden Wände fehlen. Am Rand steht ein 1,80 Meter breites Bett aus Massivholz, bedeckt von zwei weißen Decken sowie Kissen. Links und rechts davon zwei Nachttische mit jeweils einer kleinen Lampe darauf. Gegenüber dem Bett stehen zwei weitere Beistelltische, dazwischen ein Papierkorb. Auf dem einen sind cremefarbene Wolldecken sowie Hand- und Duschtücher gestapelt. Auf dem anderen finden sich eine Flasche Wasser, zwei Gläser und ein Gästebuch.Um überhaupt in die Bubble hineinzugelangen, durchquert der Seifenblasengast zuerst einen Eingangsbereich, in dem eine Holzbank steht. Darauf befinden sich eine Taschenlampe und drei Prospekte. Trotz technischer Ausstattung, wie beispielsweise einer Klimaanlage, gibt es im Zelt keinen Fernseher. „Wir möchten so wenig Ablenkung wie möglich schaffen, damit die Gäste die Natur bewusst genießen können“, begründet Kurt Greifeneder. Er ist stolzer Besitzer drei sehr unterschiedlicher Seifenblasen, die er unter dem Namen Bubble Tent Hotel in Steinbach am Attersee in Österreich führt. Verpflegungsmöglichkeiten und Sanitäranlagen befinden sich jeweils in Gehweite von den Schlaf-Seifenblasen entfernt. „Wir bieten grundsätzlich keinen Restaurantbetrieb an, das Frühstück wird aber auf Wunsch ganz frisch ans Zelt gebracht“, sagt Greifeneder. „Gastronomie ist ganz in der Nähe zu finden.“

          Eingang wie eine Raumstation

          Nach Belieben kann man seine außergewöhnliche Übernachtung noch erweitern. Eine spannende Zusatzoption ist ein Sterneteleskop, damit können jede Sternschnuppe und der ganze Sternenhimmel beobachtet werden. Um die Umgebung naturnah erkunden zu können, stellt der Thurgau Tourismus den Gästen zwei E-Bikes zur Verfügung.Der Eingang ähnelt dem einer Raumstation. Geöffnet wird die Seifenblase wie ein normales Zelt durch einen Reißverschluss. Nach dem Öffnen und Betreten der ersten Zelttür steht man nun im Eingangsbereich oder auch Zwischengang. Zuerst muss die Eingangstür wieder verschlossen werden, bevor man durch die zweite Zelttür ins Innere der Seifenblase gelangt. Das ist nötig, um zu vermeiden, dass die Seifenblase an Volumen verliert. Die Luft im Inneren des Zeltes zirkuliert ständig und wird jede Stunde komplett erneuert. Gepumpt wird die Luft durch ein flüsterleises Gebläse. Durch Lüftungsschlitze dringt zusätzlich von außen frische Luft hinein. Für die individuelle Temperaturregulation sowohl für heiße wie auch kalte Tage sorgen Klimaanlagen.

          In Frankreich hat er sich in die Teile verliebt

          Die Zelte stehen von April bis Mitte Oktober. Die Bubbles sind gefragt und bereits jeweils kurz nach dem Buchungsstart auf der Website des Thurgau Tourismus bis auf wenige einzelne Tage ausgebucht. Vor dem Winter werden sie abgebaut. Für eine Übernachtung in einem Bubble Hotel in der Schweiz an einem der sechs Standorte bezahlt man unter der Woche 220 Schweizer Franken und am Wochenende einen Aufpreis von 20 Franken. Das Bubble Tent Hotel in Österreich kostet weniger. Eine Übernachtung kann man dort ab 149 Euro bekommen. Seifenblasenbesitzer Kurt Greifeneder selbst ist hin und weg von den Bubbles, seit er sie zuvor in Frankreich gesehen hat. „Ich habe mich in die Teile verliebt und habe gesagt: Wow, so was geht doch eigentlich auch hier in Österreich, wieso gibt’s des no ned? – Dann haben wir uns auf den Weg gemacht, und jetzt gibt’s es.“ Die 53-jährige Leiterin Kommunikation und Marketing der Kartause Ittingen findet, in der Blase zu schlafen sei wie „übernachte im Öpfelbluescht“ – übernachten unter den blühenden Apfelbäumen. Zumindest im Frühling.

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