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Brickfilmer : Begeisterter Brickfilmer

  • -Aktualisiert am

Bild: Philip Waechter

Dominik Girod träumt seit seiner Kindheit davon, Filmregisseur zu werden. Für diesen Traum hat er schon viel getan. Das hat mit Fontane und Legofiguren zu tun.

          2 Min.

          Viele junge Leute haben heutzutage keine Ahnung, was sie nach ihrem Schulabschluss machen wollen. Für Dominik Girod gilt das ganz und gar nicht. Bereits seit seiner Kindheit hat er einen Traum: Filmregisseur werden. „Alles fing damit an, dass ich im Dezember 2004 im Kino den Film ,Der Polarexpress‘ gesehen habe.“ Seit diesem Tag verfolgt der Junge aus Eppelsheim in Rheinhessen unermüdlich sein Ziel. Damals hatte der heute 22-Jährige kurz nach dem Kinobesuch ein Making-of des Films mit Tom Hanks angesehen, welches ihn in vollem Maße inspiriert hat. „Eigentlich wollte ich zuerst Filmproduzent werden, bis ich später gemerkt habe, dass das genau alle Aspekte des Filmemachens vereint, die ich eher nicht leiden kann“, erzählt der Mann mit den kurzen, braunen Haaren und der Brille. Er nennt alles, was die Organisation anbelangt, den „uninteressanten und unkreativen Part eines Films“.

          Zu jedem Festival dreht er einen Film

          Etwa vier Jahre später entdeckt er im Internet Videos, in denen Leute James Camerons „Titanic“ mit Lego nachverfilmen. „Das fand ich total toll, also habe ich das nachgebaut, unseren Camcorder genommen und das Band beim Aufnehmen abgespielt und gestoppt, um den Stop-Motion Effekt zu imitieren.“ Mit seiner ersten Digitalkamera verfilmt er 2010 eigenhändig Goethes „Der Zauberlehrling“ und „Die Brücke am Tay“ von Theodor Fontane. Zur gleichen Zeit stößt er auf die Website des Brickfilmfestivals der Steinerei, auf dem junge Leute ihre Brickfilme, so nennt man die Stop-Motion-Filme mit Legofiguren, vorführen. Vor acht Jahren besucht er zum ersten Mal das Festival in Kaiserslautern und lernt viele andere Brickfilmer kennen. Mit einem davon dreht er gemeinsam unter dem Namen „Rainlight“ die folgenden Jahre zu jedem Festival einen Film – mit großem Erfolg. Es wird unterschieden zwischen dem Preis der Jury, dem des Publikums und dem der Brickfilmer. Jedes Mal belegen die beiden Freunde eine Plazierung in den Top 3 bei mindestens einem der drei Preise. „Jede Filmproduktion besteht aus drei großen Phasen. Der Vorproduktion, der Produktion und der Postproduktion“, erklärt Dominik Girod. In der ersten Phase werden die Rollen innerhalb des Produktionsteams festgelegt, und die Arbeit am Drehbuch wird abgeschlossen. Weiter geht es mit den tatsächlichen Dreharbeiten, bei denen die Filmaufnahmen entstehen, die zuletzt in der Nachproduktion bearbeitet werden. Im Falle von Brickfilmen wird allerdings nicht im klassischen Sinne gefilmt, denn sie bestehen ausschließlich aus einzelnen Bildern. Die Brickfilmer müssen nach jeder einzelnen veränderten Position der kleinen Figuren ein Foto machen und diese später zusammenschneiden, animieren, synchronisieren und mit Musik oder Soundeffekten unterlegen.

          Endlich kann er sich bewerben

          Nachdem Girod 2016 sein Abitur gemacht hat, muss er nicht lange überlegen, wie es nun weitergeht. Für ihn war schließlich schon lange klar, dass das Filmemachen nicht nur ein Hobby bleiben soll. Nachdem er drei Praktika abgeschlossen hat, die alle etwas mit dem Aspekt der Filmbearbeitung und Animation zu tun hatten, kann er sich endlich an der Filmhochschule bewerben und ist zu den Aufnahmeprüfungen zugelassen. Während der freien Zeit bis dahin bleibt der leidenschaftliche Animations-Designer natürlich nicht untätig. Zusammen mit einer Freundin plant er aktuell einen neuen Film. Wann dieser allerdings fertig ist, kann er noch nicht sagen. Die Dauer einer Filmproduktion ist immer unterschiedlich. „Einige Filme für den Wettbewerb habe ich sogar innerhalb von einem Tag gedreht“, erinnert er sich. „Die Filme, die man einfach nur zum eigenen Vergnügen macht und die keine Deadline haben, brauchen normalerweise länger, bis sie fertig sind. Außerdem kommt es natürlich darauf an, ob es ein Kurzfilm oder ein längerer Film ist.“ Nichtsdestotrotz verrät er bereits erste Details über den nächsten Film: „Es geht um eine nicht funktionierende Vater-Tochter-Beziehung. Beide müssen lernen, ihre unterschiedlichen Sichtweisen auf das Leben zu akzeptieren, und dass die Nähe, die sich beide zueinander wünschen, nicht möglich ist.“ Der Film wird allerdings nicht aus Legofiguren bestehen. Dieses Mal werden die Figuren mit der Hand gezeichnet und später am Computer zum Leben erweckt. Ein guter Regisseur sollte schließlich nicht nur eine Sache können, sondern auch immer wieder Neues wagen.

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