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Boa Vista : Hart, interessant und wunderschön

  • -Aktualisiert am

Große Armut und große Offenheit: Eine Reise auf die Kapverden im Atlantik. Auf Boa Vista werden kilometerweite Sanddünen Hotelbauten weichen.

          3 Min.

          Seit drei Jahren hat es auf Boa Vista nicht mehr geregnet. Rotbrauner Staub und braune Steine kennzeichnen die Landschaft. „Bei einer längeren Busfahrt habe ich lange Zeit nur Vulkanlandschaften gesehen, bis irgendwann inmitten der staubigen Umgebung ein vereinzelter Baum zu sehen war“, berichtet Sophie Janz, die mit ihrer Familie auf die Insel der Kapverden, einer kleinen Inselgruppe im Atlantik, gereist ist. Unscheinbar liegt sie vor der Westküste Afrikas auf der Höhe Senegals. Nur neun der 15 Inseln sind bewohnbar. Knapp 550 000 Einheimische leben auf den Kapverden, auf Boa Vista sind es 12 000. Die Straßen sind nicht ausgebaut. Bei Autofahrten geht es regelmäßig über unbefestigte Straßen und Schotterwege. „Wir wurden die ganze Zeit über durchgeschüttelt. Steine prallten gegen das Auto, doch der Fahrer war überhaupt nicht beunruhigt. Im Radio lief laut Musik, zu der gesungen wurde. Selbst als wir einen so steilen Hügel hochfuhren und wir das Gefühl hatten, rückwärts wieder runterzurutschen, blieb der Fahrer ganz entspannt“, erzählt Sophie Janz. Es fahren nicht viele Autos auf den wenigen Straßen, die es auf Boa Vista gibt. Stau kennen die Menschen dort nicht, nur wenige besitzen ein Auto.

          Ohne Dach zahlen sie keine Steuern

          Die Dörfer liegen kilometerweit voneinander entfernt. „Gelbe, blaue, rote, lilafarbene und grüne Häuser sind überall zu sehen. Bunte Häuser stehen hier für Reichtum. So viele Farben machen direkt gute Laune“, berichtet die Biologiestudentin der Hochschule Fresenius in Idstein nach einer Inselrundfahrt. Die Kapverdier unterhalten sich gerne und haben keine Berührungsängste Fremden gegenüber. Neben den vielen bunten Häusern sind auch viele unfertige zu sehen, da Armut herrscht. Es fehlt das Dach oder die Farbe. „Die Einwohner sind schlau. Wenn das Haus noch nicht fertig gebaut ist, müssen sie dafür keine Steuern zahlen, und da es so lange nicht mehr geregnet hat, müssen sie sich auch keine Gedanken darüber machen, ob es reinregnen könnte“, gibt die 20-Jährige die Worte eines Reiseführers wieder. Stromausfälle stehen auf der Tagesordnung. Auch fließendes Wasser steht noch immer nicht der ganzen Insel zur Verfügung. Die Dörfer auf Boa Vista haben meist einen ähnlichen Aufbau. In ihrer Mitte befindet sich ein Dorfplatz mit einigen Steinbänken. Veranstaltungen wie Hochzeiten und Feiertage werden dort gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft gefeiert. Da es wenige Freizeitaktivitäten gibt, spürt man den engen Zusammenhalt der Gemeinde. Der Klang der Djemben, der afrikanischen Trommeln, ist von weitem zu hören. Ein Rhythmus, der die Zusammengehörigkeit spüren lässt. Wenige Tage bevor Sophie Janz und ihre Familie das Dorf besucht haben ist hier eine alte Frau gestorben. Die Dorfgemeinschaft hat sich von ihr verabschiedet, auch Jugendliche und Kinder. „Die Kinder werden schon sehr früh mit dem Tod konfrontiert, aber sie werden mit ihrer Trauer nicht allein gelassen. Wir konnten eine ganz neue Form des Zusammenlebens zwischen vielen Generationen erfahren.“

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