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Bloggen : Fragen Sie Frau Freitag

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Bloggen fürs gute Lebensgefühl. Eine junge Frau aus Zürich gibt online Auskunft zu allem und berät dankbare Leser, die ihr anonym Fragen stellen.

          2 Min.

          Was zieht man zu einem Abendessen mit dem Chef an? Wie spart man Geld für die neue Wohnung? Und wie erklärt man jemandem, dass man keine Beziehung eingehen will? Antworten auf diese Fragen zu finden, hat sich die Zürcherin Kafi Freitag auf ihrem Blog zur Aufgabe gemacht. Hier hilft und berät sie jede Woche ihre Leser zu allen möglichen Themen. Auf einem blauen Fahrrad erreicht Kafi Freitag ihren Arbeitsplatz mitten in Zürich. Sie trägt hellblaue Jeans, ihre Lippen sind rot geschminkt, die roten, lockigen Haare hat sie zu einem losen Dutt zusammengenommen. Als sie über ihren Blog „FragFrauFreitag“ spricht, leuchten ihre grün-blauen Augen. „Er ist ein Weihnachtsgeschenk an mich selbst gewesen“, erklärt sie lachend. „Ich wollte schon immer schreiben. Doch ein Thema für einen Blog habe ich nur schwer gefunden.“ Dann kam die Idee, einfach die Leser den Inhalt bestimmen zu lassen. Seither beantwortet sie jede Woche drei Fragen, die ihr die Leser anonym zuschicken.

          Hat diese Liebe eine Chance?

          Als sie das Projekt 2011 startete, kamen kaum Fragen rein. Doch nach einiger Zeit explodierten die Besucherzahlen auf der Website. Heute bekommt die gut gelaunte Zürcherin täglich drei Fragen zugeschickt. Die Themen erstrecken sich von alltäglichen Sorgen bis hin zu Konflikten im Büro und Beziehungsproblemen. Letztere sind am populärsten. Auf die Frage, ob die 27-jährige Cordula bereit sei, eine gute Mutter zu sein, antwortet Kafi humorvoll: „Wenn wir anfangen, eine Plus/Minus-Liste zu führen und die Frage mathematisch lösen wollen, werden Sie kinderfrei bleiben und die Menschheit in spätestens 103 Jahren ausgestorben sein.“ Soll ich ihn wieder treffen? Wieso ruft sie nicht zurück? Hat die Liebe eine Chance? „Ich antworte immer mit meiner persönlichen Meinung und eigenen Erfahrung. Nur ganz selten recherchiere ich etwas oder suche Rat bei meiner Freundin“, erklärt die Bloggerin.

          Noch kann sie nicht davon leben

          Vom Blog-Schreiben leben kann sie nicht. Nach ihrer Lehre als kaufmännische Angestellte hat sie Weiterbildungen im Bereich Coaching gemacht. Noch heute arbeitet sie hauptberuflich in einer Praxis für prozessorientiertes Coaching. Sie und zwei Bekannte führen die PraxisChreis1. „Das ist eigentlich genau das Gegenteil vom Blog“, erklärt die 40-Jährige. Während sie auf dem Blog mit konkreten Ratschlägen und Tipps hilft, begleitet sie die Kunden der Praxis auf ihrem eigenen Weg zur Lösung eines Problems. So sollen sie selbst auf die Lösung kommen.

          Mit ihrem Blog will sie „einfach Spaß haben“. Am besten gefallen ihr kurze, knackige Fragen, die sie zum Grübeln anregen. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag beantwortet sie eine Frage, die sie zum Schreiben anregt. „Die Antwort muss in 40 Minuten getippt sein“, sagt die Mutter eines Zehnjährigen. Sie sei sich ihrer Verantwortung bewusst. „Es gibt Fragen, die kann man nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Es ist wichtig, dass sich die Leser bewusst sind: Die Antworten reflektieren nur die persönliche Meinung der Autorin.“

          Sie selbst fragt ihre beste Freundin

          Doch dies exponiert sie auch. „Die Vorstellung, dass jemand alle meine 600 Antworten liest, ist mir unheimlich. Man kann sehr viel über mich erfahren.“ Und was macht die lebhafte Bloggerin, wenn sie selbst Rat braucht? „Da frage ich immer meine beste Freundin“, sagt sie lachend. Welchen Einfluss ihre Antworten haben können, hat sie in der Stadt erlebt. Eine Frau sprach sie an, zeigte auf ihren Kinderwagen und meinte humorvoll: „Das hier ist deine Schuld.“ Zwar hat die junge Frau nie selbst eine Frage gestellt, doch half Kafi Freitags Antwort zum Thema Abtreibung bei ihrer persönlichen Entscheidung. „Deshalb schreibe ich so gerne. Ich habe gelernt, wie viel man mit relativ wenig bewirken kann.“

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