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Berliner Ruderbootfähre : Jeder Schlag sitzt

  • -Aktualisiert am

Bild: Monika Aichele

Marcel Franke führt Berlins einzige Ruderbootfähre. Beim Einsteigen wackelt’s, wenn er über die Müggelspree setzt. Manchmal muss er lautstark rufen.

          Auf dem Haltestellenmast der Berliner Verkehrsbetriebe spiegelt sich das Sonnenlicht. Eine große Weide lässt ihre Blätter neben dem Wasser der Müggelspree hängen. Auffällig viele Menschen stehen vor einem kleinen Steg. An der Fassade eines großen Hauses kündigt ein gelbes Plakat mit einem gezeichneten Fisch im Hintergrund an: „1. Mai, Saisonbeginn der Ruderfähre Rahnsdorf – Müggelheim“. Paule III legt gerade ab. Das blau-rote Ruderboot fährt schon seit langer Zeit auf der Müggelspree und ist an seinem montierten Schild mit dem Buchstaben „F“ zu erkennen, dem Zeichen für Personenfähren. „War’n geiler Start auf jeden Fall!“ Paule zum anderen Ufer zu bringen, das ist die Aufgabe von Marcel Franke. Mit seiner schwarzen Sonnenbrille und einem „Weiße Flotte Stralsund“-Polohemd setzt er die 36 Meter hinüber. Er schaut auf die Ausflügler, die in seinem Ruderboot sitzen. „Unsinkbar, wie die Titanic“, sei es. Dies und anderes Seemannsgarn erzählt der 26-Jährige den Passagieren. Es wackelt beim Einsteigen und bremst abrupt, wenn Franke sich schnell aus dem Kahn hinauszieht, um seinen Fuß gegen den Pfosten des Steges zu bringen, damit das Boot hält. Schließlich bindet der junge Mann einen Knoten mit braunem Tau und beginnt sorgfältig die Fahrräder aus dem Boot zu heben. Nun winkt er andere hinein. Jeder Schritt, jeder Ruderschlag sitzt. Es dauert sechs bis sieben kräftige Armbewegungen, bis die Fähre auf der jeweils anderen Seite ist.

          Das spart den Umweg von acht Kilometern

          Der 1993 gebaute Paule bringt Ausflügler vom historischen Rahnsdorfer Ortskern schnell in den Ortsteil Müggelheim mit den angrenzenden Naturschutzgebieten. So entfällt ein Umweg von rund acht Kilometern. Eine Überfahrt kostet 1,70 Euro. Bei großem Andrang sollte man sich auf Wartezeiten einstellen, es passen nur acht Personen in das Boot der Linie 24. Meist ist Franke die achte Person, wenn er nicht von Kollegen vertreten wird. „Wenn alle anderen am Strand liegen, ist man arbeiten. Das ist halt so.“ Dicht beieinander setzen müssen sich die Fahrgäste in dem Boot am Ende doch, um ihm genügend Platz für seine Ruder zu überlassen. „Traumjob. Kann ich jedem nur empfehlen“, sagt Franke, aber er erklärt auch: „Tatsächlich hatte ich nie einen Berufswunsch.“ Sein Beruf wird Schiffsführer genannt. Es gibt für den Ausbildungsberuf zwei Schifffahrtsschulen in Deutschland: in Schönebeck bei Magdeburg und in Duisburg. Beim Paddeln mit seinem Vater kam dem jungen Franke ein großes Boot entgegen, die wirkliche Lust auf den Beruf entwickelte sich mehr während der Ausbildung. Zu Beginn bekommt jeder ein Schifffahrtsbuch, in das jeweilige Fahrzeiten und Dienstränge eingetragen werden. Am Anfang ist man der Decksmann, arbeitet im Hafen und misst unter anderem die Wassertiefe. Ausgelernt ist man Bootsmann, der nun schon auf dem Schiff beim Be- und Entladen, An- sowie Ablegen behilflich ist und alles ständig überprüfen muss. Nach dem Sammeln von Erfahrung in 180 Tagen Fahrzeit ist der Rang Steuermann erreicht. Ab einem Alter von 21 Jahren hat man die Möglichkeit nun das Schiffsführerpatent zu erlangen. Wer als Kapitän die Meere befahren möchte, der muss acht Semester studiert und eine einjährige Seefahrtzeit gemeistert haben. Franke ist bereits angekommen, wohin er wollte, beim Schiffsführer. „Ich will nichts anderes mehr machen.“

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