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Wildgarten : Begeistert von Brennnesseln

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ

Ein Schweizer Paar über Biodiversität, hilfreiche Hühner und einen Wildgarten in der Stadt, wo auch das sogenannte Unkraut gerne gesichtet wird. Darüber freuen sich nicht nur die Schmetterlinge.

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          Vogelgezwitscher, herumschwirrende Insekten und Blütenduft. Bereits nach wenigen Schritten hat man vergessen, dass man in einer Stadt ist. Die Farben sind überwältigend: viele verschiedene Grüntöne kombiniert mit einer bunten Farbpalette von Blüten, so weit das Auge reicht. Einige alte Hochstammobstbäume stehen im Garten, unter ihnen Totholzhecken, Beerensträucher und Stauden, die ineinander zu verschmelzen scheinen. Zwischen diesen wilden Flächen liegen Beete mit unterschiedlichsten Gemüsesorten, Kräutern und Blumen. Inmitten von allem ein idyllisches zweistöckiges Haus, von dessen Balkon eine märchenhafte Schlingpflanze hinunterwächst. Die 33-jährige Martina Bertschinger steht zusammen mit dem 36-jährigen Raffael Bühler, ihrem Partner, mitten im beeindruckenden Garten in Dübendorf, Teil der Agglomeration Zürichs. Beide wirken sympathisch, offen und warmherzig, zudem sportlich. Sie ist Ärztin, er Elektroingenieur; beide sind von ihrem Garten begeistert: „Es ist immer schön zu wissen, dass nach der Arbeit in urbanem Umfeld zu Hause ein grünes Paradies auf einen wartet.“

          Laub hilft den Bodelebewesen

          In ihrem Garten hat auch sogenanntes Unkraut seinen Platz. „Wir sind zum Beispiel begeistert von der Brennnessel: Rund fünfzig Schmetterlingsarten dient sie als Futterpflanze, wir mögen sie gerne als Wildspinat und nutzen sie, um natürlichen Dünger herzustellen“, erklären die beiden, während sie zeigen, was genau wo wächst. Viele Pflanzen ergänzen und schützen sich gegenseitig und sind deshalb nebeneinander angepflanzt. Die Grundlage von allem ist aber der Boden. Er sollte nie brach liegen und wird deshalb mit einer Mulchschicht wie Laub oder Rasenschnitt bedeckt. Dies hilft ihm, die Feuchtigkeit länger zu halten, und fördert die Bodenlebewesen, was zu lockerer, humoser Erde führt, auf der die Pflanzen besonders gut gedeihen.

          Das Prinzip hinter ihrer Vorgehensweise lehnt sich an die Permakultur an. Dies ist eine Betrachtungsweise, bei der der Garten als ein sich möglichst selbst erhaltendes System angesehen wird. Jedes Element übernimmt dabei möglichst viele Funktionen. „Dies kann zum Beispiel anhand der sechs frei laufenden Hühner beschrieben werden. Neben Eierlegen leisten die Hühner einen wichtigen Beitrag zur Herstellung von Kompost und regulieren den Insektenbestand.

          Ein starker Kontrast zu monotonen Steingärten

          Zusätzlich ist es eine große Freude, den Hühnern bei der Erkundung des Gartens zuzuschauen. Dank dieses Fokus auf Funktionen und der Optimierung als Gesamtsystem lässt sich der Arbeitsaufwand stark reduzieren“, erläutern die zwei. Martina Bertschinger und Raffael Bühler haben den ungefähr 1000 Quadratmeter großen Garten mitübernommen, als sie vor zehn Jahren in das vom Garten umgebene Haus einzogen, das zuvor von Bühlers Großmutter bewohnt worden war. Damals gab es außer fünf alten Apfelbäumen nur Zierpflanzen. Heute gedeihen mehr als 80 Obstbäumchen, Beeren und Nutzpflanzen. Der Gemüse- und Kräutergarten macht nur ein Zehntel der Gesamtfläche aus. Der Großteil besteht aus dem Wildgarten, in dem das Paar versucht, möglichst viele verschiedene Lebensräume zu schaffen: „Der Wildgarten erzeugt eine unglaubliche Biodiversität auf kleinstem Raum. Ein wichtiges Element dabei ist der Teich, der Insekten, Vögel und Amphibien anlockt. Unser Garten ist ein starker Kon­trast zu den weitverbreiteten monotonen Rasen- und Steingärten, die heutzutage die Siedlungsgebiete dominieren“, erklären sie stolz.

          Zu Beginn passierten einige Fehler. Beispielsweise fiel einmal eine komplette Tomatenernte der Braunfäule zum Opfer. Oder die erste Kartoffelernte: Sie ergab murmelgroße Kartoffeln mit vielen Pickeln. „Die Familie dachte, es handle sich um spezielle Gourmetkartoffeln“, berichten sie lachend. Auf die Frage, welche Pläne sie haben, sagen sie, dass sie die Biodiversität weiter steigern möchten und hoffen, dass viele Leute ihrem Beispiel folgen. „Es wäre schön, wenn es noch viele andere Gärten gäbe, wo Vogelgezwitscher und das Summen von Insekten herausklingt.“

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