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Baskisch : Alles bis auf Spanisch

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Baskisch gilt als eine der schwersten Sprachen der Welt. Die 16 Jahre alte Ane ist stolz darauf, eine Ikastola zu besuchen.

          3 Min.

          Ich kann mich glücklich schätzen, einer der schwersten Sprachen der Welt in meiner Schule zu lernen“, erklärt Ane Larrañaga, die eine Ikastola namens Ibaizabal in Durango besucht. Eine Ikastola ist ein Bildungszentrum, das Baskisch als Unterrichtssprache hat und Teil des baskischen Bildungssystems ist. Diese Schulen gibt es in den spanischen Regionen des Baskenlands, Navarra sowie im französischen Baskenland. Das Wort „Ikastola“ hängt mit dem baskischen Verb „ikasi“ für „lernen“ und mit dem Substantiv „Eskola“, Schule, zusammen. Zuvor war die 16-Jährige auf der Ikastola Txintxirri im Städchen Elorrio, wo sie wohnt. Doch diese Ikastola bietet keine Oberstufe an, weshalb sie sich morgens 15 Minuten lang mit dem Bus in die Stadt Durango im Nordwesten begeben muss. Seit 2019 ist sie an der Ikastola Ibaizabal und fühlt sich unglaublich wohl. Die Schule wurde nach dem Fluss Ibaizabal benannt, der durch die Stadt Durango fließt. In der autonomen Region Spaniens gibt es laut dem Bildungsministerium der baskischen Regierung 1783 Ikastolas. Im Baskenland sind 51,1 Prozent staatliche, 48,1 Prozent halbstaatliche und 0,8 Prozent private Ikastolas. „Ibaizabal Ikastola ist eine der wenigen privaten Schulen im Baskenland, es ist eine kleinere Schule und für mich wie eine kleine Familie“, sagt Ane. Warum Eltern 250 Euro monatlich für diese Ikastola zahlen, liege darin begründet, dass man mit den Lehrern und Klassenkameraden ein enges Verhältnis hat und die Naturwissenschaften besonders gut sind. Rund 280 Schüler sind an der Schule. „Alle 20 Lehrer kommen aus dem Baskenland und beherrschen Baskisch auf hohem Niveau“, unterstreicht Ane Larrañaga. „Baskisch ist eine der schwersten Sprachen der Welt, und man kann sie von keiner anderen Sprachen ableiten, das macht sie so besonders.“ Alles bis auf das Fach Spanisch ist auf Baskisch. Sie ist die einzige vor-indoeuropäische Sprache Westeuropas, die bis heute überlebt hat, und ist somit eine der ältesten Sprachen Europas. „Baskisch an Ikastolas lernen zu dürfen und somit mehr über meine Kultur, Traditionen und Geschichte zu erfahren, damit diese einzigartige Sprache erhalten bleibt, ist für mich das bedeutendste an Ikastolas“, erklärt sie stolz.

          In der Großstadt ist das anders

          Sprachlich begabt sind die Basken jedoch nicht besonders. Baskische Muttersprachler haben meistens Probleme, sich auf Spanisch auszudrücken. „Ich rede mit meinen Eltern grundsätzlich nur auf Baskisch, und tatsächlich fällt es mir schwer, mich auf Spanisch auszudrücken, so geht es vielen.“ Es kommt jedoch auch darauf an, wo man sich befinde. In Ikastolas in der Großstadt Bilbao oder Vitoria reden die Schüler außerhalb der Schule meist nur Spanisch. In Dörfern wie Elorrio, Oñati oder Berriz ist teilweise nur Baskisch zu hören. Dies liegt daran, dass in Städten mehr Spanier wohnen und im Gegensatz auf den Dörfern meist nur native Basken. Wie in allen Ikastolas hat man auch bei Ibaizabal die Möglichkeit, ab der Oberstufe den naturwissenschaftlichen, den sprachlichen Zweig oder Kunst zu wählen, um so für die Universität vorbereitet zu sein. „Da ich Medizin studieren möchte, habe ich mich für den naturwissenschaftlichen Zweig entschieden. Pflichtfächer sind immer noch Englisch, Philosophie, Baskisch, Spanisch und Mathe, aber dafür habe ich Biologie und Chemie gewählt.“ Auf dem Pausenhof unterhalten sich Mädchen und Jungen meist auf Baskisch. Kurios ist jedoch, dass trotzdem viele spanische Wörter mit eingebunden werden. Gruppen von Mädchen mit kurzen Ponys und halbrasierten Köpfen und Jungs mit Ohrringen sind zu sehen. „Wir Basken haben ein sehr charakteristisches Aussehen, wie ich finde. Wir ziehen uns meist sportlich an, da wir Basken auch viel Sport vor allem in den Bergen treiben“, erklärt sie und schaut auf ihre Salomon-Schuhe.

          Nachmittags spielen sie Pelota

          Die Klassenzimmer sind klein gehalten. Statt Bücher zu verwenden, hat jeder Schüler seinen eigenen Computer, Hefte gibt es auch noch. „Ich finde Computer im Unterricht anzuwenden einerseits gut, da ich nun nicht so schwere Bücher tragen muss, doch es besteht eine sehr große Ablenkung“, meint Ane Larrañaga und verzieht ihr Gesicht. Im Englischunterricht ist tatsächlich ein ständiges Kichern zu hören, alle schauen Youtube-Videos. „An einer gut ausgerüsteten Turnhalle fehlt es zurzeit noch, aber bis zum nächsten Jahr solle dies verbessert werden“, sagt sie. Im Hof ist ein großer Frontón zu sehen, wo Schüler nachmittags Pelota spielen können, ein Rückschlagspiel. Dabei schlagen zwei oder vier Spieler in Zweierteams abwechselnd einen Ball gegen eine Prellwand, den Frontón, bis eine Seite den Regeln gemäß einen Punkt erzielt. Jedes Jahr wird in jeder Provinz des Baskenlands ein Fest gefeiert, das von den Ikastolas organisiert wird, um Spenden zu sammeln, um neue Ikastolas zu finanzieren und um die baskische Sprache zu verbreiten. „Ich freue mich auf das Ibilaldi, dieses Jahr wird es von meiner ehemaligen Ikastola Txintxirri in Elorrio organisiert“, erklärt Ane. Ibilaldi heißt Reise oder Marsch, denn gelaufen wird dort einiges. In jeder einzelnen Provinz wird ein anderes Fest gefeiert. „Jedes Jahr wird in einer Provinz eine Ikastola ausgelost und organisiert.“ Bei diesen Festen gibt es Konzerte von baskischen Musikgruppen und Essensstände mit leckeren Pintxos, eine Spezialität, bestehend aus einem Häppchen Sardellen, Schinken, Ziegenkäse und vielen anderen Zutaten, die auf Brot serviert und mit einem Zahnstocher aufgespießt werden. Der Spieß, mit dem sie serviert werden, heißt Pintxo. „Gora Euskal Herria! Hoch lebe das Baskenland!“, ruft sie stolz auf.

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