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Bad Kissingen : Kuren nach der Schlacht

  • -Aktualisiert am

Bild: Anke Kuhl

Eine Wandelhalle, Zwerggalerien, sieben Quellen, 130 Palmen und Offiziere, die zu viel Heilwasser tranken. Ein Besuch im fränkischen Bad Kissingen.

          Wir haben hier in Bad Kissingen eine der schönsten Wandelhallen überhaupt, und weil es sonst auf der Welt keine vergleichbare Form von Kuraufenthalten gibt, auch weltweit die größte Wandelhalle“, behauptet Harald Hümmer, bis 2018 in Bad Kissingen zuständig für die Gebäude des Freistaats Bayern in der Kurstadt. Der Beamte im Ruhestand führt regelmäßig durch die Gebäude des Bayerischen Staatsbads. Die Wandelhalle umfasst ein rund 1700 Quadratmeter großes Areal. Sie ist etwa 90 Meter lang, 14 Meter hoch und 70 Meter breit. Die Halle ist, wie oft bei Kirchen, im Innenraum durch Säulenreihen in drei Längsschiffe geteilt. Am Anfang, noch im 19. Jahrhundert, gab es nur den Arkadenbau, der etwa 250 Besucher fasste. Schon damals kamen rund 30 000 Besucher im Jahr, um zu kuren. Friedrich von Gärtner und der bayerische König Ludwig I. ließen in der Verlängerung des Arkadenbaus einen gusseisernen Kur-Brunnen-Pavillon erbauen. Da dieser nach allen Seiten offen war, wurde es dort an kühlen Tagen ungastlich. So beauftragte Prinzregent Luitpold den Architekten Max Littmann, großzügige Räumlichkeiten anzubauen. Der Pavillon wurde abgerissen und die prunkvolle Wandelhalle 1910 in nur acht Monaten von 400 Arbeitern geschaffen. Ein Grund für die kurze Bauzeit sei auch, dass erstmals Eisenbeton benutzt wurde. „Das kostete ungefähr 700 000 Goldmark, also heute ein deutlicher Millionenbetrag in Euro“, rechnet Hümmer vor: „Der Architekt und seine Mitarbeiter haben alles gegeben, damit sich die Wandelhalle für den Besucher anfühlt, als wäre man in einem mediterranen Garten.“ Majolika-Brunnen und die umlaufenden und für Gärtner begehbaren Zwerggalerien mit Pflanzen gehören dazu, auch die großen Palmen. „Mit 130 Palmen im Kurgebiet, die in einem eigenen Gewächs- und Pflanzenhaus untergebracht sind, ist Bad Kissingen ebenfalls Spitzenreiter, einen weiteren Superlativ also, das ist mehr als der Frankfurter Palmengarten beherbergt“, sagt er stolz.

          Turbulenzen im Körper mit durchschlagender Wirkung

          „Die Generalsanierung des Regentenbaus, des Arkadenbaus und der Wandelhalle zusammen dauerte bis 2008“, erklärt Ines Hartmann von der Staatsbad GmbH. Mit 12 Millionen Euro war das eine große Sanierung, bei der eine Lautsprecheranlage, eine Fußbodenheizung und vieles mehr eingebaut wurden. Besondere Augenweiden sind in den Augen Hümmers die himmelblaue Decke mit Lichtkuppel, die symbolisch für die Sonne steht. In Bad Kissingen werden sieben Heilquellen gezählt, vier trinkbare Heilwässer werden dem Gast angeboten, darunter das bekannteste Heilwasser, das aus dem Rakoczy-Brunnen stammt. Die anderen drei trinkbaren Quellen heißen Luitpoldsprudel, Max-Brunnen und Pandur. „Die Würzburger Fürstbischöfe, die hier vor der Säkularisation Eigentümer waren, haben auch die an die Habsburger ausgeliehenen Truppen unterhalten. Truppen haben gegen den rebellischen siebenbürgischen Fürsten Ferenc Rákózci gekämpft, nach solchen Schlachten haben die Fürstbischöfe ihre höchsten Soldaten und Offiziere nach Bad Kissingen zur Erholung geschickt“, erzählt Hümmer. „Diese Offiziere haben der Sage nach im Kurort auch von dem damals bekannten Heilwasser getrunken. Morgens, aber nicht in angeratenen kleinen Mengen, haben sie das Wasser literweise getrunken, nach dem Motto: Viel hilft viel. Dann haben sich aber Turbulenzen im Körper eingestellt, mit einer durchschlagenden Wirkung, und auf diese Weise haben sie sich an die Kämpfe gegen Soldaten des Fürsten Rákózci erinnert und aus Spaß die Quelle nach ihm benannt.“

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