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Bad Kissingen : Kuren nach der Schlacht

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Sechs Tage in der Woche wird in der Wandelhalle Musik von der Staatsbad Philharmonie Kissingen gespielt. „Diese Konzerte, zweimal am Tag, werden auf der einzigen drehbaren Konzertbühne in ganz Europa gespielt“, erklärt Burghard Toelke, der Leiter der Philharmonie. Er ist stolz auf die Konzertmuschel, die eigentlich für Freiluftkonzerte konzipiert war. Die Staatsbad Philharmonie ist das einzige festangestellte Orchester einer Stadt weltweit, das in der großen Berliner Salon-Orchester-Besetzung spielt. Es wirken mit: drei Geigen, Cello, Kontrabass, Flöte, Klarinette, Oboe, also drei Holzbläser, Trompete, Posaune, Schlagwerk, Klavier und Harmonium.

Anerkannt von Guinness World Records

„Es ist das letzte festangestellte Kurorchester in dieser Formation“, sagt Toelke. „Alle Mitglieder, die neu hinzukommen, haben einen Doppelmaster, wir haben Mitglieder aus Weißrussland, Polen, Korea, Deutschland und Persien.“ An der Bühne prangt ein Zertifikat: Das Orchester wurde mit einer Bilanz von 727 Auftritten im Jahr von Guinness World Records als meist spielendes Ensemble der Welt anerkannt. „Unser Moderator Reinhold Roth, der auch Trompeter ist, nimmt nach jedem Konzert Wünsche entgegen“, sagt Toelke, „beispielsweise von Menschen, deren Partner vor kurzem verstorben ist, dann spielen wir das Stück, das beide besonders verbunden hat, oder Geburtstagswünsche.“ Schwerpunkt ist natürlich das Wiener Repertoire, also Walzermusik. Ein treuer Stammhörer wird 97 und an diesem Nachmittag mit der Marschmelodie „American Patrol“ geehrt. Eine Swing-Melodie, die das Glenn-Miller-Orchester groß herausgebracht hatte. „Wir müssen darauf achten, dass wir keine Werke spielen, die wir gar nicht spielen dürfen. Wenn die Leute einen Wunsch haben, den wir nicht im Repertoire haben, kommt es vor, dass wir diesen innerhalb eines halben Jahres anmelden. Insgesamt haben wir ungefähr 3000 Stücke im Repertoire. Der Orchesterchef pendelt einen Tag die Woche nach Wien, unterrichtet dort als Violin-Professor sechs Schüler.

Reichskanzler Bismarck war regelmäßig in der Wandelhalle

An der Heilwasserausgabe steht das kupferfarbene Rohrsystem, aus dem das Wasser läuft oder von Brunnenfrauen gezapft oder auch entgast wird. Lisa Schleicher arbeitet als Brunnenfrau: „Früher, als es noch im Freien war, wurde das Wasser von Hand von Männern geschöpft, da gab es dann eine Treppe, die bis nach unten zum Brunnen führte.“ Die Heilquellen Rakoczy und Pandur verlaufen direkt unter der Wandelhalle. „Sogar Reichskanzler Bismarck war hier früher regelmäßig in der Wandelhalle, um durch Trinkkuren abzunehmen“, erwähnt Schleicher. Bei der Verkostung stellt sich schnell heraus, was am besten schmeckt. Recht neutral und wenig metallisch schmeckt der Max-Brunnen. Deshalb sei er beliebt, sagt Lisa Schleicher. Max-Wasser habe einen erhöhten Magnesiumgehalt: „Es ist gut für die Bronchien, befeuchtet diese und hilft somit bei der Atmung. Außerdem spült es die Nieren durch.“ Die Brunnenfrauen geben das Wasser, das durch die höhere Konzentration an Mineralstoffen zum Heilwasser wird und engmaschig laborförmig überwacht ist, täglich morgens und abends aus. Dann „wandeln“ die Gäste durch die große Halle.

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