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Athletic Bilbao : Stolz auf baskische Ballkontakte

  • -Aktualisiert am

Sie hat großen Respekt vor ihrer Aufgabe und ist stolz darauf: Halbspanierin Bibiane Schulze Solano darf für Bilbao spielen, trotz ihrer Frankfurter Jahre.

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          Was mit einem „Kindheitstraum“ begonnen hat, hat eine ganze Stadt in eine Diskussion gestürzt. „Es war doch erst nur ein Traum, für Athletic Bilbao zu spielen.“ Statt auf dem Schulhof über den neuesten Schrei in der Mode zu reden, hat die heute 21-jährige Bibiane Schulze Solano schon immer alles für ein gutes Spiel in der Pause getan. Doch die Herkunft stand der braunhaarigen Mittelfeldspielerin bei der Erfüllung ihres Traums im Weg. „Ich hätte nie gedacht, dass mir meine Herkunft in meiner Spielerkarriere Probleme machen würde, alles nur, weil ich Halbdeutsche bin.“ Um für den Athletic Club Bilbao spielen zu dürfen, muss man mindestens zwei Anforderungen erfüllen. Zum einen muss man gut Fußball spielen können, was man bei Bibiane auf den ersten Blick erkennen kann, wenn man sich ihr Training anschaut, das sie viermal in der Woche absolviert. Doch es gibt noch eine, eher ungewöhnliche Anforderung: Man muss im Baskenland geboren sein oder dort seine Karriere angefangen haben. „Leider kann ich diese Anforderung nicht erfüllen und werde sie auch nie erfüllen können, weil ich nämlich in Bad Soden am Taunus geboren bin und meine Karriere beim FFC Frankfurt begonnen habe.“

          In den Ferien war sie immer in Spanien

          Es zählt auch nicht, dass sie die Urenkelin des bekannten Athletic-Spielers Patxo Belausteguigoitia ist und dass sie ihre ersten Ballkontakte im baskischen Lekeitio hatte. Bibianes Mutter stammt zwar aus dem Baskenland, ist aber dann mit ihrem deutschen Ehemann in seine Heimat gezogen. Die Ferien haben sie allerdings immer bei der Familie der Mutter in Spanien verbracht. „Ich bin zwar für den Fußball nach Spanien gekommen, aber es ist auch schön, meine spanische Familie öfter sehen zu können.“ Bei dieser Vereinskultur, die es schon seit Jahrzehnten gibt, geht es nicht darum, zu diskriminieren. Wie man an der Mentalität der Fans merkt, soll es eine große Ehre für die Spieler sein, die größte Stadt des Baskenlandes auf dem Spielfeld vertreten zu dürfen. „Ich bin stolz, dass ich den Verein meiner Kindheit jeden Tag mit Freude vertreten darf.“ Die Halbspanierin erklärt mit einem Funkeln in den Augen: „Ich habe in meiner Kindheit zwar nie für diesen wundervollen Verein spielen können, aber ich habe Athletic Bilbao schon immer in meinem Herzen getragen.“

          „Zu Beginn etwas angespannt“

          Auch wenn viele Fans zunächst empört waren, die Fotos der kleinen Bibiane mit dem Athletic-T-Shirt haben die meisten von ihnen wieder ruhig schlafen lassen. „Mein erstes T-Shirt habe ich zu meinem siebten Geburtstag bekommen. Nachdem ich es fünf Tage durchgehend getragen hatte, mussten es mir meine Eltern förmlich vom Körper reißen.“ Genau an dieser Haltung hat auch der Präsident Aitor Elizegi gesehen, dass Bibiane seine Liebe für den Verein teilt. Auch öffentlich wurde bekannt, dass Bibiane Schulze die Philosophie des Vereins vertritt. „Ihre Kenntnisse, ihr Wille, für diese Mannschaft zu spielen, ihr Respekt gegenüber dem Verein und ihr Verständnis für die Vereinsphilosophie passen.“ So rechtfertigt sich Aitor Elizegi vor seinen Kritikern für seine Entscheidung, Bibiane unter Vertrag zu nehmen. Ihr Verhältnis zu den anderen Spielerinnen der Frauenmannschaft der ersten Liga beschreibt sie als „zu Beginn etwas angespannt“. Aber nach wenigen Tagen sahen auch sie Bibiane als einen Teil der Mannschaft. „In der Mitte des Feldes kann ich der Mannschaft Ruhe und Kreativität geben.“

          Durch die Aufnahme der talentierten Profispielerin ist sich der Verein treu geblieben und hat dennoch etwas Neues gewagt. Mit ihrer Freude am Spiel und ihrer Faszination für den erfolgreichen Verein ist klar, dass Bibiane der Mannschaft neue Perspektiven bringen wird. „Ich freue mich auf die kommende Zeit und hoffe, auch die letzten Kritiker mit meiner Art und meinen Leistungen von mir zu überzeugen.“

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