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Asturien : Hier spielt die Natur eine glänzende Hauptrolle

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Sie fluchen ununterbrochen

Neben Fisch und Meeresfrüchten, die von Fischern der Küstengebiete feilgeboten werden, handelt man auf diesen Märkten vor allem mit der Sidra, einem gerne zum Essen getrunkenen Apfelschaumwein. Auch der chilenische Schriftsteller Luis Sepúlveda, der nach seiner Flucht vor dem Pinochet-Regime in den 70er Jahren nach Jahren des Exils in Deutschland in Asturiens größter Stadt Gijón seine zweite Heimat gefunden hat, liebt den unverwechselbaren Geschmack des Nationalgetränks. Neu in der Stadt wurde er damals von seinen Kollegen zum Sidratrinken eingeladen, die ihn augenzwinkernd aufklärten: „Entweder bist du ein Asturier wie wir oder ein hijo de puta, ein Hurensohn.“ „Die Asturier sind sehr direkt und fluchen ununterbrochen“, schmunzelt Sepúlveda in seinem Schreibatelier, „dabei sind sie aber unglaublich warmherzig und aufgeschlossen.“ Der Autor, der in seinem populärsten Roman, „Der Alte, der Liebesromane las“, die Rückbesinnung des Menschen auf eine ursprüngliche Beziehung zur Natur thematisiert, bewundert ihre Achtsamkeit im Umgang mit der Umwelt, wofür sie viel Stolz, aber auch Demut empfinden.

Sidra anders zu trinken, ist undenkbar

„Wir leben in einer Region, in der die Natur die Hauptrolle spielt!“, sagt Pedro Sanjurjo González, der als Präsident des asturischen Parlaments Besuchergruppen im Plenarsaal persönlich begrüßt. Sepúlveda bestätigt dies scherzhaft, indem er sagt, das wichtigste Lebewesen hier sei ein Baum. Tatsächlich prägen die zur Herstellung der Sidra benötigten Apfelbäume die ländliche Idylle Asturiens entscheidend mit. Sie befinden sich oft auf polykulturellen und kaum intensiv genutzten Anbauflächen, die einen hohen Stellenwert im asturischen Selbstverständnis haben. „Mar, Manzana, Montaña – also Meer, Apfel, Berg –, auf diesen drei Ms ist unsere Region begründet“, lacht Alonso García, der zum Abschluss mit seiner Reisegruppe in seiner Stamm-Sidrería in Cangas de Onís essen geht. Dort wird die Sidra, wie es in Asturien Tradition ist, vom Kellner auf artistische Art und Weise ausgeschenkt: In seiner linken Hand hält er das breite Sidraglas so tief wie möglich, während er mit erhobenem rechten Arm über dem Kopf den Apfelwein in das Glas gießt. Dabei besteht die Kunst darin, den Strahl so aufzufangen, dass er sich am Rand des dünnen Glases bricht. „Die Sidra anders zu trinken ist völlig undenkbar, denn nur so können sich Geschmack und Farbe der Sidra entfalten“, erklärt der Kellner. Trotz des langen Tages gönnt sich Alonso García keine Pause. Abends trifft er sich mit einer weiteren Reisegruppe, mit der er mehrere Tage die asturische Atlantikküste befahren wird, wo grünes Weideland, schroffe Küsten und weiter Ozean, Kuhglocken und Meeresrauschen aufeinandertreffen. „Darum liebe ich diesen Landstrich so!“, verabschiedet sich Alonso García und winkt mit seiner Cap.

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