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Anarktisforscher : Rausgraben nach Sturmtagen

  • -Aktualisiert am

Bild: Christopher Fellehner

Der Geophysiker Matthias Mieth über eiskalte Antarktis-Expeditionen, unfreiwillige Messpausen, eingeschneite Flugzeuge und die Faszination von Polarforschung.

          4 Min.

          Sturm peitscht gegen das Schiff. Zur Orientierung dient ein Sextant. So stellte man sich das früher vor, wenn der Begriff „Antarktis- Expedition“ fiel, doch heutzutage läuft das anders ab. Statt Sternen, Schiff und Kompass heißt es hier: Linienflug, Gravimeter und eine Forschungsstation mit dem Namen „Neumayer III“. Geophysiker Matthias Mieth nennt das Ziel: „Wissen über den tektonischen Aufbau und die Entstehungsgeschichte der Antarktis zu erlangen.“ Mehrere Antarktis-Expeditionen hat der 35-Jährige unter anderem für das Verfassen seiner Doktorarbeit genutzt. „Natürlich hat man persönliches Interesse, aber was interessiert, ist, was sich unter dem Eis verbirgt“, erklärt er über Skype aus der nordnorwegischen Stadt Harstad, während er auf seiner Terrasse sitzt. Bis Mitte April liegt im Garten noch Schnee, während wenig später die Sonne 24 Stunden am Tag scheinen wird.

          Minus 30 Grad in der Nacht

          Mit seinen von der frischen Luft geröteten Wangen und den schneebedeckten Bergen im Hintergrund ist es nicht schwer, sich vorzustellen, dass er sich gerne in der Natur aufhält und zu seinen Hobbys Kajakfahren und Wandern zählt. Die Temperaturen Norwegens, die im Sommer durchschnittlich zwischen fünf und 15 Grad liegen, stören den Mann mit den braunen kurzen Haaren und den blaugrauen Augen nicht. Kälteempfindlich sollte man auch nicht sein, wenn man wie er jeweils im antarktischen Sommer der Jahre 2010 bis 2013 an drei Expeditionen in die Antarktis, genauer gesagt im Dronning Maud Land, teilgenommen hat. Dort sei man teilweise Temperaturen von minus 20 Grad tagsüber und minus 30 Grad in der Nacht ausgesetzt, sagt Mieth.

          Auf Schelfeis errichtet

          Dronning Maud Land oder Königin-Maud-Land ist der Teil der Antarktis, der Südafrika zugewandt ist und etwa die achtfache Fläche Deutschlands umfasst. Man fliegt zunächst nach Kapstadt, um von dort mit einem Frachtflugzeug in die Antarktis gebracht zu werden. Im vorderen Teil der Maschine befinden sich rund 80 Passagiere, im hinteren Teil Kleidung, Ausrüstung und Nahrungsmittel, „denn es gibt ja keinen Einkaufsladen“, lacht Mieth. Dafür gibt es Forschungsstationen unterschiedlicher Länder, unter anderem die deutsche Forschungsstation, den Wohnort von Mieth und dem Forschungsteam während der zwei bis vier Monate dauernden Sommerexpeditionen. Benannt wurde sie nach dem deutschen Polarforscher Georg von Neumayer und wird vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) betrieben. Sie ist auf sogenanntem Schelfeis errichtet, unter dem Eis befindet sich also Wasser. Die Zahl steht dafür, dass diese Station die dritte Station ist.

          Geboren ist er in Rostock

          Die Vorgänger wurden infolge des Schneefalls und des Schneedrifts unter dem Eis begraben und verformt, weshalb sie nun keinen sicheren Arbeitsplatz mehr für die Forscher darstellten. Damit Neumayer III länger nutzbar ist, wurde sie so konstruiert, dass sie mit Hilfe einer hydraulischen Hebevorrichtung angehoben werden kann und sich so immer über dem Schnee befindet. In der 29,20 Meter hohen Forschungsstation befinden sich unter anderem Zimmer mit Betten sowie eine Kantine. „Da muss man sich als Wissenschaftler dann nicht drum kümmern“, sagt der gebürtige Rostocker, der sich stattdessen der Lösung von geowissenschaftlichen Fragestellungen widmet, wie der nach der Entstehungsgeschichte der Antarktis.

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