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Airboarden : Auf fliegenden Kissen durch den Schnee

  • -Aktualisiert am

Bild: Zuni von Zubinski

Zum Airboarden nach Graubünden. Wer das beherrscht, kann 140 Kilometer in der Stunde erreichen – behauptet zumindest Kursleiter Kov aus Chicago.

          4 Min.

          You can do it – even without experience in the snow“, sagt der warm eingepackte Airboard-Guide namens Kovaldas Balciauskas, kurz Kov genannt, nach einem anstrengenden Aufstieg über die Trendsportart Airboarden. Währenddessen formt er auf der Terrasse der „Mäderbeiz“, eines Restaurants, das sich mitten in der Piste befindet, den schwarzen Sitzsack. Das Likal liegt über der Flüela-Passstraße in der Nähe von Davos-Dorf und bietet ein wunderschönes Panorama auf die schneebedeckten Berge Graubündens. Zu Beginn des Kurses um 10.15 Uhr wartet der braunhaarige, sportlich gebaute Guide am Fuße des Berges. Dort hält er Ausschau nach den fünf Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern, die sich für das heutige Airboard-Training angemeldet haben. Dabei spiegelt sich ein Teil des Berges in seinen himmelsblauen Augen. Nach einer kurzen Begrüßung betritt die Gruppe ein Gebäude, in dem viele Sportgeräte stehen: Snowboards, Ski, Paddelboards und Lenkschlitten. Dort angekommen bittet Kov die Teilnehmer vor dem Kurs um eine Unterschrift. Ihnen ist es anschließend selbst überlassen, ob sie den 1,5 Kilometer langen Pistenweg mit Schneeschuhen oder mit herkömmlichen Winterschuhen besteigen möchten. Die 18-jährige Natasa Vukovic aus dem Appenzellerland entscheidet sich für die Schneeschuhe: „Ich möchte sichergehen, genug Stabilität unter den Füßen zu haben. Denn mit herkömmlichen Schuhen habe ich Angst, umzufliegen, da der gewalzte Weg stark vereist ist.“ Umgehend werden den Wanderern die Schneeschuhe eingestellt beziehungsweise an den Fuß angepasst. Dann geht es los.

          Die Gebirgskette Silvretta in großer Ferne

          Zu Beginn des gewalzten Weges steht ein gelbleuchtender Wegweiser, der die Gruppe nach oben führt. In kleinen Schritten und einem gemütlichen Tempo steigt die Gruppe entlang eines Waldes die steile Piste hinauf. „Das Hinaufsteigen ist sehr anstrengend, man braucht eine gute Kondition, und ich bin froh, dass ich mich dazu entschieden habe, den Weg zu Fuß zu gehen, denn dies ist auch eine neue Erfahrung für mich“, sagt die Gymnasiastin. Dabei werden beliebig oft Pausen gemacht, um ausruhen zu können oder die schöne Aussicht zu genießen. Nordwestlich des Berges Pischa ist ein kleines Bergtal im Sonnenlicht zu sehen, das in der großen Ferne von der Gebirgskette Silvretta scheinbar verschlossen wird. Die Sonne steht dabei unmittelbar über den Airboardern. Unter den dicken Skijacken wird es sehr warm, so werden die diese schnell geöffnet. „Der kühle Wind ist ein guter Ausgleich, ich habe den Aufstieg unterschätzt“, gibt Natasa zu. Weit und breit ist kein Schatten zu sehen. Nach 45 Minuten kommt die Gruppe bei der heimeligen Holzhütte an, die von zwei Ski- und Snowboardpisten umgeben ist. Diese ist auch durch eine Seilbahn zugänglich, die gerne von den Besuchern und Sportlern genutzt wird. Während sich alle mit kalten Getränken des Restaurants verpflegen, sind die schabenden Geräusche der zahlreichen Skifahrer und Snowboarder während der Bergabfahrt hörbar und ein leichter Luftzug zu spüren. Die Verschnaufpause bietet ebenfalls eine Gelegenheit, den Airboard-Guide besser kennenzulernen. Kov, der ursprünglich aus Chicago kommt, erzählt mit einem breiten Grinsen, roten Wangen und seinem amerikanischen Akzent von seinem Job. „The most beautiful thing is to see the progress which the people have, in such a short time“, sagt der ausgebildete Airboarder. Eines seiner größten Ziele ist es, das Airboard auch in den Vereinigten Staaten auf die Pisten zu bringen, denn die Trendsport wird derzeit lediglich in der Schweiz ausgeübt. Nach dem Plaudern geht es nun zur Sache. Auf der Terrasse der „Mäderbeiz“ zeigt Kov, wie wenig Platz ein solches Airboard braucht. Dieses aufblasbare ovale Kissen aus robustem Gummimaterial, das einem Surfbrett ähnelt, kann leicht gefaltet werden und ist beim Transport platzsparend.

          Aufgeblasen werden kann das Kissen mit Hilfe einer Pumpe oder durch eigene Atemluft. Die Kursteilnehmer schauen zu, wie der Guide erklärt, was zu beachten ist. Er legt sich auf das Kissen und zeigt, wie er sich an den Griffen festhält, dabei sollten die Beine genügend Platz haben, um das Airboard mit Hilfe der Gewichtsverlagerung zu steuern. Dies ist die Kunst. Da es aber auch öfters dazu kommt, dass jemandem das Airboard aus den Händen rutscht, hat dieses ein Band, das vor der Abfahrt um die Hand gebunden wird.

          Abseits der Piste fällt sie vom Kissen

          Natürlich geht nicht immer alles glatt. „That one girl has lost it four times, it took me 15 minutes to go down there and come back up again, it was the worst“, schmunzelt er und beteuert, dass dies bisher seine einzige schlechte Erfahrung beim Airboarden gewesen sei. Dann legt sich Natasa zum ersten Mal skeptisch auf das Board. Es fühlt sich unstabil an, da sich die Luft unter dem Körper entweicht. Bevor es losgehen kann, zieht die 17-Jährige den Helm so über ihre kastanienbraunen Haare, wie es der Leiter vormacht. Zur Sicherheit überprüft er, ob der Helm eng genug sitzt. Nach Belieben werden zusätzlich Knieschoner angezogen. Kov zeigt an einer fünf Meter langen Strecke entlang des Aufstiegs, wie gewendet werden soll. Danach sind die Teilnehmer an der Reihe, das Gelernte umzusetzen. Natasa hat anfangs Schwierigkeiten und daher kommt es öfters dazu, dass sie abseits der Piste fährt und vom Kissen herunterfällt. „Es ist schwierig, mit den Füßen zu steuern, da diese sich nicht auf dem Kissen befinden“, aber sie lacht und möchte nicht aufgeben, bis sie es kann. „Es scheint mir, als würde ich über den Schnee fliegen, jedoch finde ich es sehr ungewohnt, eine so kurze Sichtweite zu haben.“ Sie sieht, wie die weißen Flocken hinter Kov hochwirbeln, in der Sonne glitzern und hinter ihm liegen bleiben. Kov erweckt ein großes Staunen in den Augen der Airboarder, als er sagt: „You can reach a speed up to 140 kilometer.“ Immer wieder fährt er der Gruppe ein kleines Stück voraus und wartet, bis alle nachkommen, dabei hält er seine Kamera griffbereit, um Fotos zu schießen. Nach einer fünfminütigen Abfahrt ist der Spaß schon zu Ende. „Den Kurs würde ich auf jeden Fall nochmals besuchen und freue mich nun endlich auch allein auf der Piste zu fahren zu können“, sagt Natasa grinsend.

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