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Affenberg von Salem : Die Affen rasen durch den Wald

  • -Aktualisiert am

Bild: Philip Waechter

Immer Distanz zu den Tieren halten, sagt der Vollblutprimatologe und Direktor des Affenbergs von Salem. Ein Besuch bei 200 Berberaffen nahe des Bodensees.

          Gleißendes Sonnenlicht scheint durch den dichten Wald, der Duft von Fichten und Buchen liegt in der Luft. Plötzlich ein Rascheln in den Baumkronen. Zwei Schatten, braungraues Fell ist gerade so zu erkennen, springen von Ast zu Ast. Darunter auf einer Lichtung Geschrei: Zwei Affen brüllen sich an. Erst nachdem der jüngere von einem gleichaltrigen Unterstützung bekommt, zieht der ältere ab. Stille kehrt wieder ein. Im Park leben laut Roland Hilgartner, Direktor des Affenbergs Salem, ungefähr 200 Berberaffen. Die Tiere leben in einem eingezäunten, hügeligen, 20 Hektar großen Waldstück im südbadischen Salem nahe dem Bodensee, wenige Kilometer nördlich von Meersburg. 400 000 Besucher zählt der von März bis November geöffnete, privatwirtschaftlich betriebene Park jährlich. Bei der Haltung der Affen geht es vor allem darum, dass sie wie in freier Wildbahn leben können. „Der Kontakt zwischen Mensch und Affe wird so gut wie möglich vermieden“, erklärt der Direktor.

          Eine Armlänge Abstand

          Für Besucher und besonders für Mitarbeiter gelten spezielle Regeln, die besagen, dass man immer eine Distanz zu den Tieren einhalten und der Mensch in der Hierarchie über ihnen gestellt sein muss. „In einem Park mit einer solchen Konzeption zu arbeiten ist für mich Vollblutprimatologen ein riesengroßes Privileg“, freut sich Hilgartner, während er einem kleinen Kind zuschaut, das sich einem auf einem Holzgeländer sitzenden Affen nähert und ihm mit der vorgeschriebenen Armlänge Abstand auf offener Handfläche ein Popcorn hinhält. Das Affenmännchen ergreift es vorsichtig mit seinen kleinen, mit Fingernägeln versehenen Fingern, um es zu essen. „Seit meiner Kindheit finde ich die Natur und das Verhalten von Tieren spannend“, erklärt der promovierte Biologe. Diplom- und Doktorarbeit verfasste der 41-Jährige über Lemuren auf Madagaskar, die er beobachtet und erforscht hat. Der begeisterte Naturfotograf entdeckte dabei ein bis dato unbekanntes Verhalten, einen Tränen trinkenden Nachtfalter, der sich von der Augenflüssigkeit schlafender Vögel ernährt. „Auch heute ist es für mich wichtig, über den Tellerrand der Berberaffen hinauszublicken.“ Seine Urlaube verbringt er auf Expeditionen, um mit anderen Forschern in Peru, in Zentralafrika oder in Kongo mit verschiedenen Primaten mitzuziehen. Mit neuen Eindrücken kehre er in den Park zurück, an dessen Eingangsbereich er mit seiner Familie wohnt. Seine Frau unterstützt ihn als Biologin bei der Betreuung der Population.

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