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Jugend schreibt : Abschied in Würde für die Wissenschaft

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Bild: Philip Waechter

An der Universität des Saarlandes gibt es eine ganz besondere Trauerfeier. Das Anatomische Institut richtet sie für die Angehörigen von Körperspendern aus.

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          Die Kirchengemeinde schweigt, nur ein Student spielt am Klavier in der Mitte der großen Kuppel der Kirche St. Fronleichnam in Homburg an der Saar. Das Stück von Schubert ist andächtig und ein wenig melancholisch. Es passt zum Anlass. Die akademische und ökumenische Trauerfeier richtet sich an alle Studenten und Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes (UdS). Ausgerichtet wird sie vom Anatomischen Institut der UdS. Sie findet für die Angehörigen der 68 Körperspender statt, die heute bestattet werden. Etwa 95 Prozent der Anatomieinstitute im deutschsprachigen Raum veranstalten eine solche Gedenkfeier.

          „Die Feier ist etwas sehr Individuelles und Spezielles. Oftmals ist es für die Angehörigen schwierig, da zwischen dem Tod und der Bestattung zwei bis drei Jahre liegen“, erklärt Thomas Tschernig. Er leitet die Arbeitsgruppe Körperspende an der Universität. Jeder Medizinstudent steht in seinem 3. Semester vor der Aufgabe, einen menschlichen Körper zu präparieren. Das kann am Anfang belastend sein, ist allerdings eine unverzichtbare Vorbereitung auf die ärztliche Tätigkeit. Dies betrifft insbesondere alle bildgebenden und operativen Fächer. „Jeder Mensch hat seinen eigenen Fingerabdruck. So ist auch die Anatomie jedes Menschen anders“, sagt der Professor. Die Arbeit an Puppen oder an Modellen ist nicht vergleichbar mit der Präparation an einem menschlichen Leichnam.

          1100 Euro für die Einäscherung

          Tschernig steht am Rednerpult neben dem Altar. Mit bedachten Worten dankt er den Spendern und ihren Angehörigen. Seinen Körper der Wissenschaft zu überlassen ist keine einfache Entscheidung, die man von einem auf den anderen Tag treffen kann. Oft zieht sich der Prozess über mehrere Jahre oder Jahrzehnte. Dennoch liegen der Anatomie in Homburg ungefähr 2500 unterzeichnete Vereinbarungen vor, die das Vermächtnis des Körperspenders an die Universität regeln. Die Intentionen sind dabei ganz unterschiedlich. Einige sehen den wissenschaftlichen Dienst, den sie leisten, als ausschlaggebendes Argument. Andere hingegen wollen ihre Familie finanziell entlasten. Zwar fallen für eine Körperspende in Homburg Kosten für den Spender in Höhe von 1100 Euro für die Einäscherung, Überführung und Bestattung an, dennoch liegen diese weit unter den üblichen Kosten für eine Bestattung. „In der Regel wenden sich eher ältere Menschen an uns. Schließlich denkt man häufig erst dann über den Tod nach“, sagt Tschernig.

          Zwischen den einzelnen Ansprachen im Verlauf der Messe singen der Studentenchor der Medizinischen Fakultät und Solisten kurze Stücke. Besonders das christliche Kirchenlied „Cannot keep you“ ist ergreifend. Viele Angehörige wischen sich Tränen fort und lauschen den sanften Klängen der begleitenden Gitarre und den drei Studenten, die das Lied darbieten. Auch Mathias Aan’t Hecks Blick ist auf das Podest vor der Orgel gerichtet. Er ist wie alle anderen schwarz gekleidet. Dennoch wird durch seinen bunten Schal und seine farbigen Socken die künstlerische und lebensfrohe Einstellung des 28-Jährigen deutlich.

          Sich vor dem Anblick schützen

          Der Student der Hochschule für Bildende Künste Saar arbeitet seit fast einem Jahr an einem Projekt in der Anatomie Homburg. Für seine Diplomarbeit im Studiengang der Freien Kunst zeichnete er Leichen mit akribischer Genauigkeit. Die freie Kunst beinhaltet ein breites Spektrum der künstlerischen Fähigkeiten wie Malerei, Bildhauerei, aber auch Lichtkunst oder Fotografie. „Wenn man stirbt, ist man innerhalb eines Tages aus der Gesellschaft verschwunden. Der Tod wurde unsichtbar. Im Gegensatz zu früher, als man in der Familie noch die Totenwache abhielt, sind viele der Meinung, man müsse sich und insbesondere seine Kinder vor dem Anblick schützen. Dadurch findet eine Entfremdung statt. Mit meiner Arbeit möchte ich eine realistische Darstellung des Todes bieten, ohne die mythologische Überhöhung, wie sie beispielsweise in Kirchen, Subkulturen und Medien geschieht“, erklärt er.

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