https://www.faz.net/-gum-ovqh

Johnny Weissmüller : Der Tarzan-Jodler

  • -Aktualisiert am

Hört mich auch der Studioleiter? Bild: dpa

In seiner Jugend war Johnny Weissmüller ein Rekorde brechender Schwimmstar, Karriere machte er jedoch im Dschungel. Noch im Altersheim erschreckte er die Mitbewohner nächtens mit seinem legendären Tarzanschrei.

          Der alte Herr, ein Hüne und trotz der Jahre ungebrochen, saß am Rande des Beckens und erzählte über sein Leben, von den Olympiasiegen, den Weltrekorden, vom Beginn und von den Höhepunkten seiner Filmkarriere. Sein filmisches Markenzeichen erklärte er mit einer unglaublichen Anekdote: "Meinen Dschungelschrei lernte ich von meinen Vorfahren. Die gingen an den Wochenenden immer ins Gebirge, in the mountains - jodeling." Der alte Mann stieß einen echten alpinen Jodler aus und transponierte ihn zu Tarzans weltberühmtem Dschungelschrei. Daher also hatte der Hüne namens Johnny Weissmüller seine Fähigkeiten!

          Hatte Weissmüller nicht ein Leben lang als Inbegriff des amerikanischen Sunny Boy gegolten? Wiesen ihn nicht Biographien und Lexika als einen in Winbar in der Nähe von Chicago geborenen amerikanischen Staatsbürger aus? Den österreichischen Sportjournalisten und -historiker Erich Kamper ließen Weissmüllers Andeutungen nicht ruhen. Nach jahrelangen Recherchen fand er die Wahrheit: Tarzan kam am 2. Juni 1904 als Hans Weissmüller, Sohn Siebenbürger Schwaben, in Freidorf bei Klausenburg (damals Ungarn, heute Rumänien) zur Welt. 1907 wanderten seine Eltern mit dem dreijährigen Hans in die Vereinigten Staaten aus. Zwischenstation war der Wiener Vorort Liesing-Siebenhirten, wo der Vater einige Zeit lang als Ziegeleiarbeiter Geld für die Überfahrt sparte.

          Freistil-Wunder

          Im Jahr 1920 entdeckte in Chicago der Schwimmtrainer William Bachrach das Talent des Sechzehnjährigen. Bachrach hatte schon einige Weltklasseschwimmer herausgebracht, keinen aber führte er so schnell in die Weltklasse. Schon 1921 wurde Weissmüller amerikanischer Meister über 50 Yards: "Bill band mir mit einem Gummischlauch die Beine zusammen und ließ mich eine Stunde ausschließlich den Armzug trainieren. Dann wurden mir die Arme zusammengebunden, und ich mußte eine weitere Stunde lang nur den Beinschlag üben!" Dichtung oder Wahrheit? Schwer zu sagen. Jedenfalls hatte er Ernst Küppers, der 1928 und 1932 zwei fünfte Plätze bei den Olympischen Spielen über 100 Meter Rücken für Deutschland erschwamm, versichert, daß er selbst in seiner Glanzzeit nicht täglich trainiert habe.

          Im Kreise seiner Dschungel-Liebsten: In seine Paraderolle als Tarzan schlüpfte Johnny Weissmüller in 19 Filmen

          Seinen sportlichen Weltruhm begründete Weissmüller - dessen Eltern sich seit der Umsiedlung ins umlautunkundige Amerika Weissmuller schrieben - am 9. Juli 1922, als er als erster Mensch in 58,6 Sekunden die Traumgrenze von einer Minute über 100 Meter Freistil unterbot. Es folgten noch 25 weitere offizielle Weltrekorde, vier davon in der Staffel. Dazu kamen noch 52amerikanische Meistertitel. Verklärend blickte Weissmüller auf Paris 1924 zurück: "Die Stadt und ihr Flair hatten mich bezaubert." Seinerseits verzauberte er die Pariser mit drei Goldmedaillen (100 Meter und 400 Meter Freistil, 4x200-Meter-Freistil-Staffel) und einer Bronzemedaille mit dem amerikanischen Wasserballteam. 1928 wiederholte er in Amsterdam seine Siege über 100 Meter Freistil und in der Staffel.

          „Me Tarzan, you Jane“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.