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Nach Hurrikan Ian : Biden verlängert Nothilfe für Florida auf 60 Tage

Joe und Jill Biden bei ihrer Ankunft am Flughafen in Florida am 5. Oktober Bild: Reuters

Eine Woche nachdem der Hurrikan Ian viele Küstenorte zerstört hat, besucht Präsident Joe Biden Florida und verspricht mehr Hilfen. Die politische Fehde mit Gouverneur Ron DeSantis liegt angesichts der Katastrophe auf Eis.

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          Eine Woche ist es her, dass der Hurrikan Ian mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 230 Kilometern pro Stunde auf die Küste im Südwesten Floridas traf. Von vielen Urlaubsorten des sogenannten Sunshine State sind nur Trümmer geblieben. Satellitenaufnahmen zeigen, dass ganze Siedlungen von den Wassermassen weggespült wurden, Brücken sind eingestürzt, einige Straßen immer noch nicht passierbar. Laut amerikanischen Medienberichten sind mindestens 100 Menschen bei dem Hurrikan ums Leben gekommen. In solchen Zeiten, das hatte Joe Biden nach dem Hurrikan immer wieder formuliert, gehe es nicht um politische Differenzen.

          Sofia Dreisbach
          Politische Korrespondentin für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Und so reiste der amerikanische Präsident am Mittwoch nach Florida, um die Schäden in dem Bundesstaat seines politischen Gegenspielers, dem republikanischen Gouverneur Ron DeSantis, zu begutachten. Schon am Morgen hatte Biden bekanntgegeben, der Zeitraum der Nothilfe der Regierung für den schwer getroffenen Bundesstaat werde von 30 auf 60 Tage verdoppelt. Sie deckt unter anderem die Kosten für Such- und Rettungsmaßnahmen, Notunterkünfte und die Versorgung mit Nahrungsmitteln.

          Es gehe hier nicht um einige Tage oder Wochen, sagte Biden bei seiner Ansprache in Fort Myers am Mittwoch, es gehe um Monate oder Jahre. „Das einzige, was ich versichern kann, ist, dass die Regierung bis zum Ende dabei sein wird“, versprach der Präsident. „Gerade haben wir nur eine einzige Aufgabe: Sicherzustellen, dass die Menschen in Florida alles haben, was sie brauchen.“

          „Vor Ort ist es sicher noch schlimmer“

          Nach einem rund dreißig Minuten langen Hubschrauberflug, bei dem er die Schäden des Hurrikans der Stärke 4 von 5 aus der Luft begutachtete, sagte Biden: „Ich bin sicher, es ist vor Ort noch viel schlimmer, aber man sieht schon aus der Luft eine ganze Menge.“ Vor seiner Rede kam er mit einigen Bewohnern des besonders hart getroffenen Bezirks Lee County und Inhabern lokalen Unternehmern zusammen.

          An Bidens Seite war auch Gouverneur DeSantis, einer der lautesten Kritiker des Präsidenten und möglicher republikanischer Herausforderer bei der Präsidentenwahl 2024. Doch an diesem Tag hoben beide Männer hervor, wie gut die Zusammenarbeit laufe. DeSantis sprach von „Teamarbeit“. Florida könne sich glücklich schätzen, von Anfang an das Weiße Haus und die Katastrophenschutzbehörde an seiner Seite gehabt zu haben. Er wisse zu schätzen, was getan worden sei. Biden sagte auf die Frage eines Journalisten, wie der Gouverneur die Notlage handhabe, er habe gute Arbeit geleistet. Man habe „Hand in Hand“ gearbeitet.

          Die Erholung werde lange dauern, äußerte auch die Leiterin der nationalen Koordinationsstelle für Katastrophenhilfe, Deanne Criswell, vor Journalisten auf dem Flug nach Florida am Mittwoch. Einige Gemeinden müssten „komplett wieder aufgebaut werden“. Vor allem die langfristige Unterbringung von durch den Hurrikan obdachlos gewordenen Menschen stelle deswegen eine große Herausforderung dar. Laut Criswell sind derzeit 17 Rettungsmannschaften des Bundes in Lee County unterwegs, um die Statik von Häusern zu überprüfen.

          Am Dienstag hatten die nationale Koordinationsstelle für Katastrophenhilfe und der Bundesstaat Florida in Fort Myers das erste sogenannte Disaster Recovery Center eröffnet. Es ist eine Anlaufstelle mit Hilfsangeboten verschiedener Bundes- und Landesbehörden sowie Nichtregierungsorganisationen. Hier können sich Betroffene etwa für die Katastrophenhilfe registrieren, sich über Versicherungsleistungen informieren oder sich um Ersatz für verlorene Dokumente kümmern. Drei weitere solcher Zentren sollen am Donnerstag in Lee County eröffnen. In Gegenden, in denen die Internet- und Telefonverbindung weiter gestört ist, können sich Einwohner bei Teams der Katastrophenhilfe für Unterstützung registrieren.

          Man arbeite mit den Menschen, „bis alles abgeschlossen ist“, versprach Criswell am Mittwoch. Noch befinde man sich im „Modus, Leben zu retten“, deswegen gebe es noch keine konkreten Zahlen, wie viel die Hilfen die Bundesregierung insgesamt kosten werden – der Hurrikan Ian habe jedoch „sicherlich“ einen Schaden in Milliardenhöhe hinterlassen. Sie wolle keine Naturkatastrophen gegeneinander aufwiegen, aber Ian sei ohne Frage „eine Katastrophe“.

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