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Korruptionsprozess in Spanien : Die Geständnisse purzeln nur so

  • -Aktualisiert am

Infantin Cristina und ihr Mann Urdangarin am Dienstag vor dem Gericht in Palma de Mallorca. Der ehemalige Ministerpräsident der Balearen hat ein Geständnis abgelegt, das Urdangarin schwer belastet. Bild: AP

Der frühere Ministerpräsident der Balearen belastet den Schwager des spanischen Königs vor Gericht. Er habe Urdangarin geholfen, sich die Taschen mit öffentlichen Geldern zu füllen, gibt Matas an – und hofft im Gegenzug auf Strafmilderung.

          Wenn es der Präsident befiehlt, wird bezahlt. Das gilt vor allem, wenn es um ein geschätztes Mitglied des Königshauses geht. Dann sind Ausschreibungen, Wettbewerb und ähnliche Verzögerungsmanöver schnurz. So half der der Präsident, von den Spaniern „El Presi“ genannt, auch Iñaki Urdangarin, dem Schwiegersohn von Altkönig Juan Carlos und Schwager von König Felipe VI., sich die Taschen mit öffentlichen Geldern zu füllen. Das ist die Kurzfassung.

          Die längere nimmt seit Anfang dieser Woche wieder am Gerichtshof von Palma de Mallorca ihren Lauf. Dort purzeln in dem Korruptionsprozess um die angeblich gemeinnützige Stiftung Nóos jetzt die Geständnisse nur so heraus. Drei mindere Chargen aus der ehemaligen Regierung der Balearen hatten schon mit dem Finger auf den „Presi“, also den früheren Ministerpräsidenten der Balearen Jaume Matas, gezeigt.

          Er sei es gewesen, der sie per ordre de Mufti angewiesen habe, dem Handballstar Urdangarin sogar schon für die Hilfe bei der Ausrichtung von Sport- und Werbeveranstaltungen Geld zu geben, bevor dieser auch nur einen Finger gekrümmt habe. Am Ende waren es ein paar Millionen hier und von der Regierung der Region Valencia – auch sie damals von der konservativen Volkspartei gestellt – noch ein paar mehr.

          Matas ist geständig und hofft auf Strafminderung

          Am Donnerstag war nun die Reihe an Matas auszusagen. Und dieser sagte kurz und knapp, dass alles wahr sei, was seine Mitangeklagten schon zu Protokoll gegeben hätten. Urdangarin sei ein „Vermittler“ gewesen und habe dafür eben eine „Maut“ eingestrichen. Denn: „Wir hatten ein Interesse mit Urdangarin und vor allem der königlichen Familie gut zu stehen.“ Er, Matas, bekenne sich nun schuldig, das Geld der Bürger nicht so ausgegeben zu haben, wie es sich gehörte. Deshalb habe er auch schon seinen Palazzo in Palma als Pfand für eventuellen Schadenersatz angeboten.

          Das Geständnis des Präsidenten, der auch einmal Umweltminister in der Regierung Aznar war, hat damit zu tun, dass er die ihm drohenden elf Jahre Haft fürchtet. Daher hat er mit der Staatsanwaltschaft einen Pakt geschlossen: Freimut gegen Strafminderung. Denn Matas ist schon in einem anderen Verfahren wegen Korruption und Amtsmissbrauchs zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden, von denen er bereits einen Teil abgesessen hat.

          Seine Aussage zieht nun die juristische Schlinge um den Hals des Ehemanns der Infantin Cristina de Bourbon noch enger. Wen Matas allerdings nicht belastete, war Altkönig Juan Carlos. Er bestritt mit Nachdruck, dass dieser ihn jemals angerufen habe, um sich für die Geschäfte seines Schwiegersohns einzusetzen. Die Infantin, die im Zusammenhang mit Steuerdelikten ihres Mannes angeklagt ist, soll nun Ende nächster Woche gehört werden. Urdangarin ist dann voraussichtlich der letzte der insgesamt 17 Angeklagten, der zum Monatsende den Reigen schließt.

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