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Japan : Ein Spritzer Sauerstoff für Papa

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Es gibt sie, die witzigen Waren für Japans Männer Bild: AP

Als Wohlfühlzone für den Mann eignen sich Kaufhäuser nicht. In Japan, wo der Konsum zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen zählt, ist das kaum anders.

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          Beim Einkaufen sind Männer meist gelangweilte Tütenträger, die den Shopping-Marathon ihrer Frauen mehr oder minder duldsam über sich ergehen lassen. Als Wohlfühlzone für den Mann eignen sich Kaufhäuser nicht. In Japan, wo der Konsum zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen zählt, ist das kaum anders. Deshalb glaubt "Takara Co." eine Marktlücke gefunden zu haben: ein Einkaufsparadies für Männer zwischen 30 und Ende 40, die über der vielen Arbeit das Spielen verlernt oder vergessen haben.

          Schon der Name klingt einladend für all jene, die Kleider und Kosmetik fürchten, um Lebensmittelabteilungen und volle Kassen einen Bogen machen: "Garage", das assoziiert man mit Werkzeug, Männerschweiß und natürlich dem liebsten Spielzeug Auto. Und tatsächlich stößt man schon im Erdgeschoß der "Garage" auf "Q-Cars", einsitzige Elektroautos, Roadster mit 60 Kilometer Höchstgeschwindigkeit und 80 Kilometer Reichweite. Der Spielwarenhersteller Takara hat Autos aus dem Kinderzimmer auf die Straße gebracht. Jeder japanische Junge kennt die Miniaturen "Choro-Q", Nippons Matchbox-Autos, die jetzt auch der erwachsene Junge mit Führerschein durch seine Stadt steuern kann. Die Q-Cars sind bunt und lustig aufgemacht. Ihre Karosserien erinnern an den Rennwagen Silberpfeil und die legendäre Isetta, sie kommen in speziellen Serien, für Golfer, für Fischer, für Surfer. Im Gegensatz zu den alten Matchbox-Autos eignet sich das Q-Car allerdings nicht mehr als kleines Mitbringsel, das knallrote Cabrio in der "Garage" kostet immerhin 1 564 500 Yen, 11 850 Euro.

          "Auf Papierflugzeuge sind sie ganz verrückt“

          "Beim Einkaufen ist die Frau in der Führungsrolle, und der Mann trottet hinterher", sagt Maiko Hasumi, die junge PR-Frau von Takara. "Das wollen wir umkehren." Die "Garage" im Tokioter Viertel Nihombashi zielt auf die "Salarimen", die vielen tausend Angestellten, die in den Großraumbüros der dort ansässigen Finanzinstitute und Handelsgesellschaften arbeiten und tagsüber vermutlich wenig zu lachen haben. Vor zweieinhalb Monaten hat Takaras Laden, den die Werbestrategen zeitgeistig "Life Entertainment Shop" nennen, im architektonisch auffallenden Neubau des Brokers Merrill Lynch geöffnet.

          Mit Genugtuung beobachtet Maiko Hasumi, daß selbst die Manager aus den oberen Etagen den Weg hinunter in Takaras verspielte Welt finden. "Auf Papierflugzeuge sind sie ganz verrückt. Da leuchten ihre Augen wie bei kleinen Jungs." Die "Whitewings" gehören schon seit der Eröffnung zu den Bestsellern. Vor dem Vatertag am Sonntag haben sie nochmals Auftrieb bekommen. Die ausgestanzten Einzelteile muß man selbst zusammensetzen und justieren, eine Art kleiner Modellbaukasten aus Papier. Um die Umsätze zum Vatertag, den sich Japans Konsumindustrie wie den westlichen Muttertag oder das christliche Weihnachten einverleibt hat, nochmals zu heben, können die Whitewings im Geschäft von Kindern bemalt werden, und die Verkäuferinnen wickeln anschließend das Geschenk schön in Seidenpapier. Wenn Papa am Sonntag auspackt, soll er nicht schlecht staunen, wenn auf den Tragflächen seines Papierseglers ein handschriftlicher Gruß seines Sohnes steht.

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